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Aktuelle Version vom 22. August 2026, 17:38 Uhr
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Abenteuer der Moderne |
| Autor(en): | Thomas Wagner |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Klett-Cotta |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 2025 |
| Seitenanzahl: | 304 Seiten |
| Originaltitel: | - |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3608987053 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783608987058 |
| Schlagwörter: | Soziologie, Adorno, Gehlen, Nachkriegszeit |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Soziologie |
| Rezensionen | |
Abenteuer der Moderne. Die großen Jahre der Soziologie 1949–1969 ist das 2025 bei Klett-Cotta erschienene soziologiehistorische Buch von Thomas Wagner. Im Zentrum steht die zeitweise freundschaftliche Beziehung des aus der Emigration zurückgekehrten Theodor W. Adorno zum ehemaligen Nationalsozialisten Arnold Gehlen und deren Streitgespräche im Rundfunk. Umrahmt wird das Paar durch die Entwicklung der westdeutschen Soziologie und durch überraschende Kooperationen zwischen Opfern und Nutznießern des NS-Regimes. Der DDR-Philosoph Wolfgang Harich tritt als dritter Protagonist und Gehlen-Anhänger auf. Das Buch erzählt Ideengeschichte als Beziehungsgeschichte.
Inhalt
Wagner schreibt gegen das glatte Bild einer Frankfurter Schule, die nur im Kampf gegen Restauration und gegen rechte Soziologie stand. Die Nachkriegssoziologie der Bundesrepublik war ein Feld widersprüchlicher Allianzen: Das Institut für Sozialforschung lehnte die Sowjetunion ab, rückte in Fragen der Wiederbewaffnung nah an Adenauer und arbeitete mit ehemals nationalsozialistischen Fachvertretern zusammen. Max Horkheimer freundete sich mit Ludwig Neundörfer an; Gutachten verhinderten 1958 Gehlens Berufung nach Heidelberg, wobei Adorno beide Texte formulierte und sich auf Exzerpte Jürgen Habermas’ stützte. Gehlen erschien ihnen als Inbegriff einer gefährlichen Lehre, die Institutionen über Emanzipation stellt. Zugleich begegneten sich die Paare Adorno und Gehlen in den sechziger Jahren, besuchten sich und unternahmen Ausflüge. Die Moderne, die Wagner meint, ist dieses Abenteuer der Nähe unter Feinden.
Die Behauptung entfaltet sich an Biographien und Gesprächen. Gehlen lehrte in Speyer, Adorno in Frankfurt; nach einem Vortrag Gehlens 1955 in Frankfurt begann, so Wagners Vermutung, die persönliche Bahn. Kunstsoziologie und Gehlens Zeit-Bilder näherten die Positionen an, wo es um moderne Malerei ging; die Rundfunkgespräche der sechziger Jahre kreisten um Institutionen, die Gehlen als Halt des entgleisungsfähigen Menschen verteidigte und Adorno als Zwang kritisierte. Harich in Ost-Berlin hörte die Tonbänder und hielt zu Gehlen, bis er ihn später des Plagiats an Paul Alsberg verdächtigte. Mit der Studentenbewegung kühlte die Beziehung ab: Gehlen sah stabile Restinstitutionen bedroht und verweigerte eine von Adorno angeregte öffentliche Diskussion. Adornos Tod 1969 beantwortete Gehlen mit einer knappen, reservierten Beileidskarte.
Unsicher wird das Buch, wo der Titel mehr verspricht als das Personal. Alexander Cammann und Mark Siemons fanden ihn irreführend: Es gehe weder um die Soziologie noch um die Moderne als Ganze, sondern um zwei Figuren in Deutschland. Oliver Römer vermutete, eigentlich sei Harich der Einsatz, der hinter der anekdotenreichen Doppelgeschichte verschwinde. Thomas Meyer in der Süddeutschen Zeitung rechtfertigte den Untertitel gerade durch Harich und die ideologischen Umfelder. Wagner hat das Thema linker und rechter Kontinuitäten schon in früheren Büchern behandelt; hier verdichtet es sich in Gehlen. Die Gegenposition ist eine Institutsgeschichte, die Freundschaft und Gutachten trennt und die Frankfurter als reine Opposition liest.
Einordnung
Nils Schniederjann las im Deutschlandfunk eine Doppelbiographie mit leichter Hand, die Mythen über die Frankfurter Schule als Pragmatiker der Nachkriegsordnung aufräumt und die Soziologie als Leitwissenschaft der Selbstverständigung der Republik sichtbar macht. Das Buch gehört zur erzählten Ideengeschichte und hebt sich, so die Kritik, durch archivalische Sorgfalt von bloßer Anekdote ab. Nachbarschaft hat es zu Adornos Minima Moralia und zur Dialektik der Aufklärung, die hier nicht systematisch, sondern als Leben unter Institutionen erscheinen, und zu Gehlens Anthropologie der Institution. Es schreibt die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik als Geschichte von Allianzen, die man nicht vermutet hatte.
Das Missverständnis ist, eine Gesamtdarstellung der Soziologie zwischen Währungsreform und Adornos Tod zu erwarten. Wagner erzählt ein Beziehungsdreieck und meint damit das Fach. Geblieben ist das Rätsel, wie Emanzipation und Institutionenlehre sich privat nahekommen und politisch wieder scheiden konnten. Wer nach 2025 über Adorno, Gehlen und die westdeutsche Nachkriegssoziologie spricht, findet in diesem Band die Szene der Streitgespräche und den Schatten Harichs.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
