Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation: Unterschied zwischen den Versionen
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| − | ''Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation'' ist die 2008 erschienene Untersuchung von [[Autor:Michael Tomasello|Michael Tomasello]]. | + | ''Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation'' ist die 2008 erschienene Untersuchung von [[Autor:Michael Tomasello|Michael Tomasello]]. Tomasello setzt nicht die Grammatik an den Anfang, sondern das Zeigen: die Absicht, mit einem anderen die Aufmerksamkeit zu teilen, und daraus Bitten, Mitteilen und gemeinsames Handeln. |
== Inhalt == | == Inhalt == | ||
| − | Tomasello vergleicht | + | Tomasello vergleicht Kleinkinder und Menschenaffen und findet eine Schwelle, die nicht im Lautinventar liegt. Beide folgen Blicken und greifen nach dem, was sie wollen; nur das Kind versteht das Zeigen als Einladung, etwas gemeinsam zu sehen, nicht bloß als Hinweis auf Futter oder Gefahr. Aus dieser geteilten Aufmerksamkeit wachsen drei Motive, die Tomasello voneinander hält: etwas erbitten, den anderen unterrichten, ein Interesse teilen. Affen fordern; sie informieren und teilen in diesem Sinn nicht. Daraus, nicht aus einer eingeborenen Satzschablone, wachsen Konvention und zuletzt Syntax. Grammatik verdichtet, was Kooperation schon leistet, indem sie wiederholt und abkürzt, was Zeigen und Gebärde umständlich tun. Wer die Universalgrammatik an den Anfang stellt, überspringt diese Stufe und erklärt, warum Sätze möglich sind, ohne zu erklären, warum jemand sie an einen anderen richtet. |
| − | Das Buch ist entwicklungspsychologisch gebaut, mit Experimenten, nicht mit Satzbäumen. Geteilte Intentionalität ist der Kernbegriff: Wir tun etwas als Wir. Sprache sitzt auf diesem Wir. Die Evolution hat nicht zuerst das Organ für Rekursion geliefert, sondern die Bereitschaft, | + | Das Buch ist entwicklungspsychologisch gebaut, mit Experimenten, nicht mit Satzbäumen. Geteilte Intentionalität ist der Kernbegriff: Wir tun etwas als Wir, nicht als zwei Wesen, die nacheinander dasselbe wollen. Sprache sitzt auf diesem Wir; ohne die Bereitschaft, Ziele zu teilen und den anderen als jemand zu nehmen, der selbst Absichten hat, bleibt der Laut Signal, nicht Mitteilung. Die Evolution hat deshalb nicht zuerst das Organ für Rekursion geliefert, also für das Verschachteln von Sätzen in Sätzen, sondern die Bereitschaft zur Kooperation unter Bedingungen, in denen Information ein Geschenk sein kann. Tomasello widerspricht [[Autor:Steven Pinker|Steven Pinker]] und [[Autor:Noam Chomsky|Noam Chomsky]], ohne die Biologie zu leugnen: Angeboren ist die Neigung zum gemeinsamen Handeln, nicht die fertige Grammatik. Die Kinderlabore und die Affenstationen, aus denen die Befunde kommen, stecken in den Fußnoten und tragen die Behauptung, statt sie nur zu schmücken. |
| − | Der Ton ist klar, empirisch | + | Der Ton ist klar, empirisch und gegen die Härte des Instinkts geschrieben, ohne das Pathos einer Kultur, die den Leib streicht. Tomasello erzählt wenig Anekdoten und viel Versuchsanordnung: Was geschieht, wenn man auf etwas zeigt, das das Kind schon kennt, nur um es zu teilen? Was geschieht, wenn der Erwachsene sich absichtlich ungeschickt anstellt? Die Antworten sollen zeigen, dass schon das Kleinkind den anderen als Kooperationspartner liest. Eine generative Ableitung der Einbettung findet man hier nicht; man findet eine Theorie der Motive, aus denen Einbettung überhaupt lohnt. Die Grenze des Verfahrens ist die Stärke der These: Wenn Kooperation die Grammatik trägt, muss die Grammatik dort dünner ausfallen, wo Kooperation anders organisiert ist – eine Folgerung, die das Buch andeutet und die Gegner als Unterschätzung der Form lesen. Leipzig, wo Tomasello lange forschte, steht für diese Verbindung von Vergleich und Erwerb. |
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| − | 2008 ist die lesbare Gegengründung zu [[Autor:Steven Pinker|Pinker]]s ''[[Der Sprachinstinkt]]'' und zu [[Autor:Noam Chomsky|Chomsky]]s Vermögen. Die Spracherwerbsforschung hat das Zeigen übernommen. Die Kritik nennt die | + | 2008 ist die lesbare Gegengründung zu [[Autor:Steven Pinker|Pinker]]s ''[[Der Sprachinstinkt]]'' und zu [[Autor:Noam Chomsky|Chomsky]]s Vermögen: nicht das Organ zuerst, sondern das gemeinsame Handeln. Die Spracherwerbsforschung hat das Zeigen und die geteilte Absicht übernommen, auch wo sie die Universalgrammatik nicht für tot erklärt. Die Kritik nennt genau das zu rasch: Formzwänge, die in allen Sprachen wiederkehren, seien mit Kooperation allein nicht erklärt, und der Abstand zu den Affen werde moralisch überhöht. [[Autor:Daniel Everett|Daniel Everett]]s Bericht über die Pirahã hat dieselbe Front von der Feldforschung her aufgemacht, mit umstrittenen Daten statt mit Kinderversuchen. Geblieben ist eine Verschiebung der Beweislast. Wer über Erstsprache spricht, als entstünde sie aus Laut und Regel ohne Blick auf den anderen, hat Tomasellos Stufe übersprungen. |
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Aktuelle Version vom 21. August 2026, 16:43 Uhr
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation |
| Autor(en): | Michael Tomasello |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Suhrkamp |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 2008 |
| Seitenanzahl: | 409 Seiten |
| Originaltitel: | Origins of Human Communication |
| Originalsprache: | englisch |
| ISBN-10: | 351858538X |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783518585382 |
| Schlagwörter: | Zeigen, Kooperation, Erwerb, Intention |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Sprachwissenschaft |
| Rezensionen | |
Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation ist die 2008 erschienene Untersuchung von Michael Tomasello. Tomasello setzt nicht die Grammatik an den Anfang, sondern das Zeigen: die Absicht, mit einem anderen die Aufmerksamkeit zu teilen, und daraus Bitten, Mitteilen und gemeinsames Handeln.
Inhalt
Tomasello vergleicht Kleinkinder und Menschenaffen und findet eine Schwelle, die nicht im Lautinventar liegt. Beide folgen Blicken und greifen nach dem, was sie wollen; nur das Kind versteht das Zeigen als Einladung, etwas gemeinsam zu sehen, nicht bloß als Hinweis auf Futter oder Gefahr. Aus dieser geteilten Aufmerksamkeit wachsen drei Motive, die Tomasello voneinander hält: etwas erbitten, den anderen unterrichten, ein Interesse teilen. Affen fordern; sie informieren und teilen in diesem Sinn nicht. Daraus, nicht aus einer eingeborenen Satzschablone, wachsen Konvention und zuletzt Syntax. Grammatik verdichtet, was Kooperation schon leistet, indem sie wiederholt und abkürzt, was Zeigen und Gebärde umständlich tun. Wer die Universalgrammatik an den Anfang stellt, überspringt diese Stufe und erklärt, warum Sätze möglich sind, ohne zu erklären, warum jemand sie an einen anderen richtet.
Das Buch ist entwicklungspsychologisch gebaut, mit Experimenten, nicht mit Satzbäumen. Geteilte Intentionalität ist der Kernbegriff: Wir tun etwas als Wir, nicht als zwei Wesen, die nacheinander dasselbe wollen. Sprache sitzt auf diesem Wir; ohne die Bereitschaft, Ziele zu teilen und den anderen als jemand zu nehmen, der selbst Absichten hat, bleibt der Laut Signal, nicht Mitteilung. Die Evolution hat deshalb nicht zuerst das Organ für Rekursion geliefert, also für das Verschachteln von Sätzen in Sätzen, sondern die Bereitschaft zur Kooperation unter Bedingungen, in denen Information ein Geschenk sein kann. Tomasello widerspricht Steven Pinker und Noam Chomsky, ohne die Biologie zu leugnen: Angeboren ist die Neigung zum gemeinsamen Handeln, nicht die fertige Grammatik. Die Kinderlabore und die Affenstationen, aus denen die Befunde kommen, stecken in den Fußnoten und tragen die Behauptung, statt sie nur zu schmücken.
Der Ton ist klar, empirisch und gegen die Härte des Instinkts geschrieben, ohne das Pathos einer Kultur, die den Leib streicht. Tomasello erzählt wenig Anekdoten und viel Versuchsanordnung: Was geschieht, wenn man auf etwas zeigt, das das Kind schon kennt, nur um es zu teilen? Was geschieht, wenn der Erwachsene sich absichtlich ungeschickt anstellt? Die Antworten sollen zeigen, dass schon das Kleinkind den anderen als Kooperationspartner liest. Eine generative Ableitung der Einbettung findet man hier nicht; man findet eine Theorie der Motive, aus denen Einbettung überhaupt lohnt. Die Grenze des Verfahrens ist die Stärke der These: Wenn Kooperation die Grammatik trägt, muss die Grammatik dort dünner ausfallen, wo Kooperation anders organisiert ist – eine Folgerung, die das Buch andeutet und die Gegner als Unterschätzung der Form lesen. Leipzig, wo Tomasello lange forschte, steht für diese Verbindung von Vergleich und Erwerb.
Einordnung
2008 ist die lesbare Gegengründung zu Pinkers Der Sprachinstinkt und zu Chomskys Vermögen: nicht das Organ zuerst, sondern das gemeinsame Handeln. Die Spracherwerbsforschung hat das Zeigen und die geteilte Absicht übernommen, auch wo sie die Universalgrammatik nicht für tot erklärt. Die Kritik nennt genau das zu rasch: Formzwänge, die in allen Sprachen wiederkehren, seien mit Kooperation allein nicht erklärt, und der Abstand zu den Affen werde moralisch überhöht. Daniel Everetts Bericht über die Pirahã hat dieselbe Front von der Feldforschung her aufgemacht, mit umstrittenen Daten statt mit Kinderversuchen. Geblieben ist eine Verschiebung der Beweislast. Wer über Erstsprache spricht, als entstünde sie aus Laut und Regel ohne Blick auf den anderen, hat Tomasellos Stufe übersprungen.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
