Alexis Sorbas

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Nikos Kazantzakis · 1946 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Alexis Sorbas
Autor(en): Nikos Kazantzakis
Originaltitel: Βίος και πολιτεία του Αλέξη Ζορμπά
Originalsprache: griechisch
Erstveröffentlichung: 1946
Schlagwörter: Kreta, Freundschaft, Tanz, Mine
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Rowohlt


Umfang dieser Ausgabe: 352 Seiten
ISBN: 9783499101588
Verweise


Alexis Sorbas ist der bekannteste Roman von Nikos Kazantzakis, 1946 in Griechenland erschienen, deutsch 1952 in der Übersetzung von Alexander Steinmetz. Der Ich-Erzähler, ein buchgläubiger Intellektueller, trifft auf dem Schiff nach Kreta den Arbeiter Alexis Sorbas, der alle Berufe kennt, die sich mit Fuß, Hand und Kopf ausüben lassen. Gemeinsam pachten sie eine Braunkohlengrube. Kazantzakis hat die Freundschaft mit dem realen Georgios Sorbas und ein gescheitertes Bergwerk auf der Mani nach Kreta verlegt, nachdem ihn 1942 die Todesnachricht zum Schreiben brachte. Michael Cacoyannis’ Film von 1964 mit Anthony Quinn hat den Tanz weltbekannt gemacht, und oft den Roman ersetzt.

Inhalt

Der Erzähler will das beschauliche Leben der Mönche hinter sich lassen und Herr einer Mine werden. Sorbas wird Vorarbeiter, erzählt Weiber-, Kriegs- und Hungerhistorien, spielt die Santuri und tanzt, wenn die Rede nicht mehr trägt. Die Dorfwelt ist abergläubisch, den Frauen feind; die Witwe, der der Erzähler sich nähert, wird von den Männern gelyncht. Madame Hortense, eine gealterte Kurtisane mit Erinnerungen an Admirale, stirbt, und Sorbas richtet ihr ein Begräbnis, das Würde und Farce mischt. Der Erzähler schreibt, zweifelt, liebt ungeschickt; Sorbas handelt, scheitert und fängt neu an.

Die Seilbahn, die die Kohle zum Meer bringen soll, stürzt bei der Einweihung in einem großen Krach zusammen. Das Unternehmen ist ruiniert. Sorbas und der Erzähler bleiben am Strand, und Sorbas lehrt ihn den Tanz, nicht als Folklore, sondern als Antwort auf den Zusammenbruch: das Leben lieben und den Tod nicht fürchten. Parallel schiebt Kazantzakis die ältere Unternehmung im Kaukasus ein, die Rückführung der Pontos-Griechen, ohne sie an Sorbas zu binden. Die Mine ist das eine Scheitern; die Freundschaft ist das andere Unternehmen, das nicht stürzt.

Sorbas spricht in Sprüngen, der Erzähler in Sätzen, die das Denken nicht loswerden. Frauen, Essen, Arbeit, Gott und Teufel kommen in Sorbas’ Mund ohne System vor und bilden doch eine Lehre: kämpfen, auch wenn die Niederlage gewiss ist. Der Roman ist Schelmenstück und Entwicklungsgeschichte des Buchmenschen, der am Ende nicht weise wird, sondern beweglicher. Kazantzakis hat den Freund nicht geschont; Söhne und Töchter des realen Sorbas nahmen an der Freizügigkeit Anstoß. Die Kreter im Buch sind nicht Staffage, sondern eine Gesellschaft, die die Witwe steinigt und Hortense belächelt. Freiheit heißt hier nicht Güte.

Einordnung

Rowohlt hat die Übertragung von Steinmetz, später durchgesehen, über Jahrzehnte im Taschenbuch gehalten; die deutsche Gesamtauflage überschritt die Million. Der Film kürzte Erzählstränge, traf aber den Geist: Quinn, der Tanz, Kreta als Licht und Härte. Mikis Theodorakis’ Musik wanderte ins Ballett, Musicals von Kander und Ebb und später Konstantin Wecker auf die Bühne. Der Roman ist kein Reiseprospekt. Die Lynchjustiz an der Witwe und die Frauenverachtung des Dorfes stehen neben der Lebenslust; wer nur den tanzenden Quinn behält, hat das Dorf nicht gelesen. Die Santuri im Buch ist Instrument und Widerspruch, kein Souvenir.

Kazantzakis, oft im Streit mit Kirche und Staat, hat hier keinen Heiligen der Freiheit gebaut, sondern einen Arbeiter, der trinkt, lügt, liebt und die Santuri nicht verkauft. Der Erzähler bleibt der Schüler, der das Leben nicht aus Büchern lernt und die Bücher trotzdem nicht wegwirft. Wer nach 1946 über Kreta als literarischen Ort spricht, spricht hinter diesem Paar: dem Mann, der denkt, und dem, der tanzt, wenn das Denken am Ende ist. Die Mine stürzt; der Tanz bleibt. Das ist keine Versöhnung, sondern der Rest, der nach dem Krach übrig ist.

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