Bullshit Jobs

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David Graeber · 2018 · Sachbuch, Soziologie
Das Werk
Deutscher Titel: Bullshit Jobs
Autor(en): David Graeber
Originaltitel: Bullshit Jobs: A Theory
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 2018
Schlagwörter: Arbeit, Sinn, Bürokratie, Entfremdung
Sachgebiete: Sachbuch, Soziologie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Klett-Cotta


Umfang dieser Ausgabe: 464 Seiten
ISBN: 9783608981087
Verweise
Umschlag

Bullshit Jobs. Vom wahren Sinn der Arbeit ist das 2018 auf Englisch und 2018 auf Deutsch bei Klett-Cotta erschienene Sachbuch des Ethnologen David Graeber. Es geht auf den Aufsatz On the Phenomenon of Bullshit Jobs von 2013 im Magazin Strike! zurück. Graeber fragt, warum die von John Maynard Keynes erhoffte kurze Arbeitswoche ausblieb und statt dessen sinnleere, gut bezahlte Stellen wucherten. Den scharfen Titel entlehnt er Harry Frankfurts Schrift über das haltlose Gerede; im Deutschen bleibt er als Buchtitel stehen und meint bezahlte Arbeit, die so nutzlos oder schädlich ist, dass selbst die Beschäftigten sie nicht rechtfertigen können.

Inhalt

Graeber schreibt gegen die Lehre, der entwickelte Kapitalismus sei in der Verwendung menschlicher Zeit sparsam. Technischer Fortschritt hätte Arbeit verkürzen können; entstanden sei eine Moral, der zufolge Erwerbsarbeit als solche würdiger sei als deren Fehlen, unabhängig vom Nutzen für andere. Ein Bullshit Job ist demnach eine bezahlte Beschäftigung, deren Existenz die Beschäftigten selbst nicht begründen können und die sie dennoch aufrechterhalten müssen. Das führe zu seelischer Not und verschwende gesellschaftliches Vermögen. Graeber grenzt davon schlechte, prekäre, aber in den Augen der Tätigen nützliche Arbeit ab – Reinigung, Pflege, viele Dienste –, die oft schlechter bezahlt sei. Sinnhafte Arbeit habe einen hohen Anteil an Sorge für andere; gerade diese Arbeit werde knapper entlohnt.

Fünf Typen füllen die Behauptung. Lakaien lassen Vorgesetzte wichtig erscheinen. Schläger halten die Schläger anderer Unternehmen in Schach, etwa in der Öffentlichkeitsarbeit oder unter Unternehmensjuristen. Flickschuster beheben Symptome, ohne die Ursache anzurühren. Kästchenankreuzer dokumentieren Arbeit, statt sie zu tun. Aufgabenverteiler erzeugen und verteilen sinnlose Aufträge, oft in der mittleren Leitungsebene. Graeber stützt sich auf Zuschriften nach dem Aufsatz, auf Gespräche und auf die These, alle Arbeit sei in unterschiedlichem Grad Sorgearbeit. Die Nutzlosigkeit misst er daran, dass die Welt ohne die Stelle nicht schlechter wäre – nach dem Urteil derer, die sie innehaben. Die Lüge von der Arbeit, das erzwungene So-tun-als-ob, mache krank.

Der Ton ist erzählend, zornig, ethnographisch, ohne die Kühle eines Lehrbuchs. Unsicher wird die Theorie, wo aus Selbstauskunft auf die gesellschaftliche Nutzlosigkeit geschlossen wird und wo ganze Berufe zu Typen gerinnen. Spätere Befragungen in Europa und den Vereinigten Staaten bestätigten die seelische Last sinnleer erlebter Tätigkeit, fanden aber weniger vollständig sinnlose Stellen, als Graeber geschätzt hatte, und häuften das Urteil der Nutzlosigkeit eher bei schlechten Arbeitsbedingungen. Simon Walo zeigte gleichwohl, dass unter ähnlichen Bedingungen Beschäftigte in Finanz- und Verkaufsberufen ihre Arbeit häufiger für gesellschaftlich nutzlos hielten. Die Gegenposition ist nicht die Apologie jeder Stelle, sondern die Unterscheidung: viel sinnleeres Tun in sonst nützlichen Berufen, wenige Stellen, die im Ganzen nur Attrappe sind.

Einordnung

Das Buch traf eine Stimmung in Büros, Hochschulen und Verwaltungen und wurde rasch zum Schlagwort. Oliver Nachtwey warf Graeber intellektuellen Populismus vor; Stephan Lessenich nannte Sinn eine knappe Ressource. Empirische Kritik von Magdalena Soffia, Brendan Burchell und Alex Wood rückte Karl Marx’ Entfremdung wieder in den Vordergrund: toxische Bedingungen erzeugten das Gefühl der Sinnlosigkeit auch bei nützlicher Arbeit. Nachbarschaft hat der Band zu Das Kapital, das den Fetisch der Arbeit anders zerlegt, und zu Überwachen und Strafen, das Disziplin und Dokumentation als Zurichtung liest. In der deutschsprachigen Debatte tauchte der Begriff bei Sahra Wagenknecht und in wachstumskritischen Büchern wieder auf.

Das Missverständnis liegt darin, jede verhasste Stelle oder jede Führungstätigkeit zum sinnlosen Job zu erklären – oder Graebers Polemik als bloße Anekdote abzutun. Er hat ein Thema des gegenwärtigen Kapitalismus geöffnet: bezahlte Zeit ohne nachvollziehbaren Nutzen, gehalten von der Angst, ohne Erwerb nichts zu gelten. Geblieben ist die Unterscheidung zwischen schlechter nützlicher Arbeit und glänzender Nutzlosigkeit – und die moralische Frage, warum Gesellschaften die zweite oft besser bezahlen als die erste.


Ideen

Arbeit

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.