Zettel’s Traum

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Zettel’s Traum
Autor(en): Arno Schmidt
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Suhrkamp
Serie:
Erscheinungsjahr: 1970
Seitenanzahl: 1536 Seiten
Originaltitel: Zettel’s Traum
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3518803107
ISBN-13/

EAN-Code:

9783518803103
Schlagwörter: Poe, Heide, Sprache, Traum
Sachgebiete: Roman
Rezensionen
Umschlag

Zettel’s Traum ist das Monumentalwerk von Arno Schmidt, 1970 im Stahlberg Verlag als Faksimile eines DIN-A3-Typoskripts erschienen, 1334 Seiten, limitiert, teuer, rasch vergriffen. Der Titel spielt auf den Weber Zettel in William Shakespeares Sommernachtstraum an, bei Wieland so genannt, bei Shakespeare Bottom, dessen Traum keinen Grund hat. An einem Sommertag 1968 empfängt der Heideeremit Daniel Pagenstecher das Übersetzerpaar Paul und Wilma Jacobi und die Tochter Franziska in Ödingen in der Celler Ostheide. Sie reden, essen, gehen, und vor allem deutet Pagenstecher Edgar Allan Poe mit der Etym-Theorie, einer Weiterführung Freuds ins Wortspiel. 2010 hat Suhrkamp den Text als gesetztes Buch der Bargfelder Ausgabe vorgelegt.

Inhalt

Vier Personen, ein Tag und die Nacht bis zum Morgen: das ist die äußere Handlung. Die Mitte der Seite trägt Gespräch und Vorgang; links stehen Zitate aus Poe, rechts Einfälle des Erzählers. Die Rechtschreibung folgt der Stimme, Satzzeichen bilden Blicke und Pausen, eine Reihe von X malt Stacheldraht. Pagenstecher, unverkennbar nah am Autor in Bargfeld, erklärt Poe als impotenten, koprophilen Voyeur mit Neigung zu Kindfrauen; die Jacobi übersetzen, widersprechen, ermüden. Franziska ist Gesprächspartnerin und erotische Projektionsfläche des alten Mannes, ohne dass Schmidt daraus eine Idylle macht.

Acht Bücher gliedern den Block: vom Schauerfeld und der Sprache von Tsalal über Dän’s Cottage, den Großen Pun, Franziska=Nameh, Rohrfrei, die Dämmerung der Götter bis zum Reich der Neith. Der Große Pun ist Gäste, Späße, Feder und Geschlecht in einem Wort; die Etym-Theorie hört in jeder Silbe den zweiten Sinn. Paul Jacobi hat man Züge Hans Wollschlägers zugelesen, mit dem Schmidt an Poe arbeitete. Eine Fabel im herkömmlichen Sinn – Aufbruch, Ziel, Lösung – gibt es nicht. Der Tag ist der Behälter für Gelehrsamkeit, Zote, Landschaft der Ostheide und das Selbstgespräch eines Lesers, der Poe nicht feiert, sondern auf die Couch legt.

Wer durchkommt, hat kein Geheimnis gelüftet, das hinter den Spalten wartet, sondern die Spalten selbst als Form begriffen. Schmidt hat das Buch aus Zettelkästen montiert; der Titel ist Programm der Herkunft und der Shakespeare-Anspielung. Raubdrucker verkleinerten 1970 das Format, zum Ärger des Autors, der von der teuren Ausgabe leben wollte. Die gesetzte Suhrkamp-Ausgabe von Friedrich Forssman hat das Unleserliche lesbarer gemacht, ohne die drei Stränge zu glätten. Eine englische Übertragung von John E. Woods erschien 2016 als Bottom’s Dream. Das Überbuch bleibt ein deutsches Ereignis, auch wenn es nun in einer anderen Sprache atmet.

Einordnung

Dieter E. Zimmer schrieb 1970 in der Zeit, es könne das Meisterwerk des Jahrhunderts darin stecken oder ein Streichholz-Eiffelturm in Originalgröße, vielleicht beides. Stephan Wackwitz las 2010 große Kunst und ausgearbeiteten Dachschaden zugleich. Wolfram Schütte tadelte, die Spekulation über Poes Sexualität vertiefe das Verständnis der Texte nicht. Die Etym-Theorie ist Methode und Macke: sie öffnet Sprache und verengt Poe auf den einen Trieb.

Neben James JoyceFinnegans Wake, das Schmidt übersetzte und bekämpfte, steht Zettel’s Traum als deutsches Überbuch des zwanzigsten Jahrhunderts, weniger Weltgerücht, mehr Inselland. Die Bargfelder Ausgabe in Leinen oder die vierbändige Broschur sind die greifbaren Wege; eine Auswahl von Bernd Rauschenbach erleichtert den Einstieg. Wer Schmidt nur aus den frühen Kurzromanen kennt, findet hier den Eremiten, der den Tag mit Poe füllt und die Heide nicht verlässt. Der Traum hat einen Grund: die Zettel. Bargfeld ist kein Elfenbeinturm, sondern eine Werkstatt, in der die Welt als Zitat ankommt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.