Wider den Methodenzwang
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Wider den Methodenzwang |
| Autor(en): | Paul Feyerabend |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Suhrkamp |
| Serie: | suhrkamp taschenbuch wissenschaft |
| Erscheinungsjahr: | 1975 |
| Seitenanzahl: | 432 Seiten |
| Originaltitel: | Against Method |
| Originalsprache: | englisch |
| ISBN-10: | 3518281976 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783518281970 |
| Schlagwörter: | Methode, Wissenschaft, Anarchie, Fortschritt |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Rezensionen | |
Wider den Methodenzwang ist die 1975 unter dem Titel Against Method erschienene, 1976 ins Deutsche übertragene und 1983 von Paul Feyerabend umgearbeitete Streitschrift gegen die Vorstellung, Wissenschaft folge einer einzigen bindenden Methode. Der Satz, alles sei zulässig, ist nicht Freibrief für Beliebigkeit, sondern Diagnose: Fortschritt entstand oft gegen die Regeln, die hinterher als ihre Bedingung ausgegeben wurden. Das Lehrstück ist Galilei, der mit Redekunst, neuen Werkzeugen und Regelbruch das kopernikanische Weltbild durchsetzte. Gegen Karl Popper und jede Wissenschaftstheorie, die aus der Physik eine Vorschrift macht, steht die Vermehrung von Theorien. Das Buch zählt als unfügsamer Streittext der Wissenschaftstheorie nach 1960, Arznei gegen den Methodenzwang, nicht gegen die Vernunft.
Inhalt
Feyerabend schreibt gegen den kritischen Rationalismus Karl Poppers und gegen jede Wissenschaftstheorie, die aus der Geschichte der Physik eine Vorschrift macht. Anarchismus, so das Vorwort, sei vielleicht nicht die anziehendste politische Philosophie, gewiss aber eine Arznei für Wissenschaften und Philosophie. Gemeint ist nicht die Zerstörung der Vernunft, sondern die Weigerung, eine Methode zur Staatslehre der Forschung zu erheben. Das Lehrstück ist Galilei. Das kopernikanische Weltbild siegte nicht, weil es den Beobachtungen besser entsprach; es siegte, weil Galilei Redekunst, Werbung, neue Werkzeuge und die Verletzung geltender Regeln verband. Gegeninduktion – das Arbeiten mit Hypothesen, die den anerkannten Tatsachen widersprechen – ist in dieser Erzählung kein Unfall, sondern ein Weg, auf dem Theorien überhaupt erst Luft bekommen.
Daraus folgt keine Gleichgültigkeit gegen Erfahrung. Es folgt, dass Erfahrung theoriegetränkt ist und dass der Zwang, rivalisierende Ansätze früh an einer Methode zu messen, Forschung erstickt. Feyerabend fordert die Vermehrung von Theorien, nicht ihre frühzeitige Hinrichtung. Unvergleichbarkeit, im Gespräch mit Thomas S. Kuhn, heißt: Maßstäbe der Bewertung sind selbst geschichtlich; ein neutrales Gericht über Leitbilder gibt es nicht. Die Losung, alles sei zulässig, sagt, dass es kein Prinzip gibt, das nicht irgendwann dem Fortschritt im Weg stand. Die deutsche Fassung von Hermann Vetter hat Feyerabend für 1983 gekürzt, ergänzt und umgeschrieben; die Taschenbuchausgabe ist mit dieser Revision seitenidentisch.
Unsicher bleibt, wie weit die Arznei selbst Gift ist. Feyerabend hat den Relativismus mal zugespitzt, mal zurückgenommen und später den freien Bürger gegen die Herrschaft der Fachleute starkgemacht, ohne die Physik für ein Märchen zu erklären. Wer das Buch als Absage an Wahrheit liest, verfehlt die geschichtlichen Lehrstücke; wer es nur als Wissenschaftsgeschichte Galileis liest, verfehlt die Polemik gegen den Methodenzwang der Philosophie. Der Ton ist oft übermütig, gelehrt in den Anmerkungen und grob gegen die Zunft. Michael Hagner hat den Gestus als Widerpart zur Vereinfachung durch Lautsprecher gelesen, nicht als deren Vorläufer.
Einordnung
Neben Thomas S. Kuhns Struktur wissenschaftlicher Revolutionen und Poppers Lehre von der Falsifikation ist dies der dritte große Streittext der Wissenschaftstheorie nach 1960 – der unfügsame. Immanuel Kant hatte in den Metaphysischen Anfangsgründen der Naturwissenschaft der Physik Prinzipien a priori geben wollen; Feyerabend bestreitet, dass solche Prinzipien die lebendige Forschung beschreiben. Die Frankfurter Kritik an der instrumentellen Vernunft und Feyerabends Methodenanarchie treffen sich im Misstrauen gegen die Methode als Herrschaft, nicht in der Dialektik. Kuhn beschreibt den Bruch als Wechsel von Leitbildern; Feyerabend macht aus dem Bruch eine Vorschrift gegen die Vorschrift.
Das Missverständnis, hier werde Esoterik und Aberglaube mit der Physik gleichgesetzt, hat Feyerabend selbst durch Zuspitzungen genährt. Geblieben ist die Warnung, dass eine Wissenschaft, die nur noch ihre Lehrbücher wiederholt, aufhört, Wissenschaft zu sein. Wer nach dem Verhältnis von Regel und Entdeckung fragt, kommt an dieser Streitschrift vorbei – nicht weil alles zulässig wäre, sondern weil das Verbot, unzulässig zu denken, schon zu oft das Falsche geschützt hat. Die Arznei bleibt bitter; ohne sie wird Methode zur Polizei der Forschung.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
