Warum schweigen die Lämmer
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Warum schweigen die Lämmer? |
| Autor(en): | Rainer Mausfeld
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| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 2015 |
| Schlagwörter: | Demokratie, Meinung, Elite, Macht |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Politik |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Westend
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| Umfang dieser Ausgabe: | 319 Seiten |
| ISBN: | 9783864899034 |
| Verweise | |
Warum schweigen die Lämmer? Wie Elitendemokratie und Neoliberalismus unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen zerstören ist die 2015 bei Westend erschienene Streitschrift des Kieler Wahrnehmungspsychologen Rainer Mausfeld. Das Buch, später erweitert, war ein Verkaufserfolg der Sachbuchlisten und versammelt Aufsätze, Gespräche und Kommentare zu Demokratie, Medien und wirtschaftlicher Macht. Mausfeld behauptet, die Begriffe Demokratie und Freiheit seien so verdreht, dass die repräsentative Ordnung nur noch als Wahloligarchie funktioniere. Freiheit meine die Bewegungsfreiheit der ökonomisch Mächtigen. Die Schrift steht in der Tradition radikaler Demokratiekritik von Noam Chomsky bis Sheldon Wolin und überträgt wahrnehmungspsychologische Einsichten auf die Politik.
Inhalt
Mausfeld schreibt gegen die Selbstbeschreibung westlicher Staaten als mündige Demokratien. Die Macht sei aus den sichtbaren Institutionen in Wirtschaft, Recht und vorpolitische Räume gewandert; was bleibe, sei die Erzeugung freiwilliger Zustimmung. Er stützt sich auf Ingeborg Maus, Alex Carey und das Propagandamodell von Chomsky und Edward S. Herman: Medien filterten das Sagbare, nicht nur das Falsche. Die Empörung über gierige Banker, verlogene Politiker oder grausame Folterer lenke von den Strukturen ab, die solche Personen hervorbrachten. Der Neoliberalismus erscheine als alternative Wirklichkeit, die sich als Vernunft ausgebe. Kriegsverbrechen und moralische Brüche würden unsichtbar gemacht; weiße Folter finde mit Hilfe psychologischer Expertise statt, ohne als Folter zu gelten.
Die Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements sind das Kernstück. Sie müssen, um zu wirken, unterhalb der Bewusstseinsschwelle bleiben und Schwachstellen des Geistes nutzen. Zu den gefühlsmäßigen Mitteln zählt Mausfeld die Erzeugung von Angst und das Gefühl der Machtlosigkeit. Wichtiger sind ihm die gedanklichen: Fakten als bloße Meinung auszugeben; Zusammenhänge zu zerlegen, bis der geschichtliche Zusammenhang verloren geht; Tatsachen aus ihrem Sinn zu reißen und in einen fremden einzubetten; Wiederholung, die den gefühlten Wahrheitsgehalt hebt; ein Meinungsspektrum so zu spannen, dass das Gewünschte in der Mitte liegt; Ablenkung und Aufmerksamkeitslenkung; die Behauptung, die Nachricht des Gegners sei Propaganda. Freiheit schrumpfe zur Wahl einer Identität aus einem vorgegebenen Korb von Lebensstilen. Die repräsentative Demokratie im Sinne Joseph Schumpeters erscheint als Verfahren, das Beteiligung vermeidet, während es sie vortäuscht.
Gegenpositionen kommen als Zitate der angegriffenen Ordnung vor, selten als ausgearbeitete Alternative. Mausfeld fordert Einsicht in strukturelle Bedingungen, nicht den Personenkult der Empörung, liefert aber selbst wenig institutionelle Gegenentwürfe. Gespräche mit Jens Wernicke und Marko Junghänel lockern die Abhandlung und verdichten den Ton der Anklage. Unsicher bleibt die Grenze zwischen Ideologiekritik und einem Bild unsichtbarer Eliten, das die Komplexität demokratischer Streitigkeiten einebnet. Das Schweigen der Lämmer ist Metapher und Vorwurf: die Bevölkerung dulde, weil sie die Macht nicht mehr als Macht erkennen soll.
Einordnung
Die wissenschaftliche Aufnahme war zwiespältig. Michael Butter bescheinigte den politischen Texten Mausfelds populistische und mitunter verschwörungstheoretische Züge und bezweifelte die fachliche Zuständigkeit des Psychologen für die Staatslehre. Tanjev Schultz sah in der Süddeutschen Zeitung schematische Wahrheiten und eine Mischung aus älterer Demokratiekritik, Adorno und einem zornigen Chomsky, anschlussfähig auch für rechte Empörung über „die da oben“. Daniela Dahn würdigte den Scharfsinn und erinnerte daran, dass die Existenz des Buches selbst gegen die Behauptung totaler Geschlossenheit spricht. Milosz Matuschek stellte Mausfeld in die Reihe von Humboldt, Dewey und Chomsky; Bodo Morshäuser nannte es ein Empörungsbuch ohne ausgearbeitete Alternative.
Neben Chomskys Medienkritik und Wolins umgekehrtem Totalitarismus steht der Band als deutschsprachige Popularisierung der These, Demokratie werde als Schauspiel betrieben. Wer ihn als Handbuch der Manipulation liest, findet brauchbare Unterscheidungen von Fragmentierung und Umdeutung. Wer ihn als Beweis einer geschlossenen Eliteherrschaft nimmt, überzieht eine Streitschrift zum System. Die Lämmer-Metapher ist älter als Mausfeld, von der Hirtengleichnis der Staatstheorie bis zur Massensoziologie; neu ist die Koppelung mit Wahrnehmungspsychologie. Das Buch hat Debatten angestoßen und zugleich die Schwelle gesenkt, ab der Kritik an Medien und Markt als Entlarvung gilt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
