Vernunft, Wahrheit und Geschichte

Hilary Putnam · 1981 · Sachbuch, Philosophie


Das Werk
Deutscher Titel: Vernunft, Wahrheit und Geschichte
Autor(en): Hilary Putnam
Originaltitel: Reason, Truth and History
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1981
Schlagwörter: Wahrheit, Realismus, Vernunft, Gehirn
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp
Serie: stw
Umfang dieser Ausgabe: 244 Seiten
ISBN: 9783518281352
Verweise


Vernunft, Wahrheit und Geschichte (englisch Reason, Truth and History) ist das 1981 erschienene Buch von Hilary Putnam, in dem der Pragmatismus nach Quine und nach der analytischen Ontologie neu begründet wird. Putnam verwirft den metaphysischen Realismus, der Wahrheit als Korrespondenz zu einer fertigen Welt denkt, ohne in den Relativismus zu fallen. Vernunft ist weder Algorithmus noch Geschmackssache; sie ist eine menschliche Praxis mit Geschichte. Das Buch ist der späte amerikanische Pragmatismus als interne Kritik der analytischen Schule.

Inhalt

Putnam beginnt mit dem Gedankenexperiment der Gehirne im Tank: Selbst wenn wir Gehirne in einer Nährlösung wären, deren Erlebnisse ein Computer speist, könnten wir genau das nicht sinnvoll behaupten, weil unsere Wörter dann nicht auf Tanks und Gehirne in der Welt verweisen würden, sondern auf die inneren Zustände des Programms. Die Pointe ist keine Science-Fiction, sondern ein Argument gegen die Vorstellung, Geist und Welt stünden einander als fertige Blöcke gegenüber. Bedeutung hängt an Gebrauch und Umwelt, nicht an einer magischen Bezugnahme. Der metaphysische Realist, der eine fertige Menge von Gegenständen und eine einzige wahre Beschreibung annimmt, scheitert an dieser Abhängigkeit.

Dagegen setzt Putnam den internen Realismus: Wahrheit ist idealisierte rationale Akzeptierbarkeit, nicht Spiegel. Es gibt bessere und schlechtere Beschreibungen, aber kein Gottesgesicht der Welt, das eine von ihnen als die einzige auszeichnet. Werte und Tatsachen lassen sich nicht säuberlich trennen; schon die Wahl der Begriffe ist normativ. Putnam schreibt gegen den Szientismus, der nur die Physik für wahrheitsfähig hält, und gegen den Kulturrelativismus, der jede Rechtfertigung für lokal erklärt. Die Vernunft hat eine Geschichte – Aristoteles, die Aufklärung, die Wissenschaften –, ohne deshalb beliebig zu sein. Wer sie durch ein Verfahren ersetzen will, das sich selbst begründet, wiederholt den Traum des Fundamentes, den der Pragmatismus aufgegeben hat.

Das Buch bleibt essayistisch, klarer als Rorty, strenger als James, polemisch gegen den eigenen früheren metaphysischen Realismus. Putnam hat Positionen oft gewechselt; hier ist der Wechsel selbst das Argument: Philosophie, die sich nicht irren darf, ist keine Forschung. Die Kapitel über Bewusstsein, über Referenz, über die Zweiteilung von Sein und Sollen gehören zusammen als Absage an die Zuschauerauffassung der Erkenntnis. Wer Putnam nur als Denker der Gehirne im Tank kennt, unterschlägt die Moralphilosophie, die daraus folgt: dass wir für unsere Beschreibungen haften, weil keine Welt sie uns abnimmt.

Einordnung

Putnam hat den Pragmatismus in die analytische Philosophie zurückgeholt, nachdem Quine ihn naturalisiert und Rorty ihn literarisiert hatte. Gegen Rortys Ironie hält er an Wahrheit als Ziel fest; gegen Quines strikte Naturwissenschaft hält er an der Unhintergehbarkeit der Vernunftgründe fest. Die Debatte um Realismus und Antirealismus der achtziger Jahre hat dieses Buch als einen ihrer Pole genommen. Neben Wort und Gegenstand und Kontingenz, Ironie und Solidarität steht es als der mittlere Weg, der oft als Unentschlossenheit gescholten wurde und gerade deshalb den Pragmatismus als lebendige Forschung zeigt, nicht als Bekenntnis.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.