Vendetta. Hohe Kunst und niedere List an der Schwelle der Renaissance

Aus Bookpedia Bücher einfach erklärt
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Daten zum Buch
Deutscher Titel: Vendetta. Hohe Kunst und niedere List an der Schwelle der Renaissance
Autor(en): Hugh Bicheno
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Weidenfeld & Nicolson
Serie:
Erscheinungsjahr: 2008
Seitenanzahl: 304 Seiten
Originaltitel: Vendetta. High Art and Low Cunning at the Birth of the Renaissance
Originalsprache: englisch
ISBN-10: 0297846345
ISBN-13/

EAN-Code:

9780297846345
Schlagwörter: Fehde, Söldner, Renaissance, Zufall
Sachgebiete: Sachbuch, Geschichte
Rezensionen
Umschlag

Vendetta. Hohe Kunst und niedere List an der Schwelle der Renaissance (englisch Vendetta: High Art and Low Cunning at the Birth of the Renaissance) ist die 2008 bei Weidenfeld & Nicolson in London erschienene Monographie des Historikers und Sicherheitsanalytikers Hugh Bicheno. Sie erzählt die Blutfehde der Familien Malatesta und Montefeltro in der Emilia-Romagna und den Marken vom dreizehnten bis zum fünfzehnten Jahrhundert als Geschichte des Zeitalters der Söldnerführer. Eine deutsche Ausgabe fehlt. István Szijártó und Sigurður Gylfi Magnússon haben das Buch der amerikanischen Mikrogeschichte Italiens zugeordnet. Bicheno will zeigen, dass kleine Entscheidungen – Heirat, Kind, Verrat – die große Erzählung der Renaissance oft stärker biegen als Schlachten.

Inhalt

Bicheno schreibt gegen zwei Schulblicke: gegen die marxistische Geschichtsschreibung, die Strukturen für Schicksal nimmt, und gegen den sittlichen Anstand der Gegenwart, den er an die amerikanische Lebensart bindet. Geschichte, so die Behauptung, ist kontingent. Hinterher fügt der Historiker zusammen, was den Beteiligten unverständlich war. Deshalb die enge Brennweite: Federico da Montefeltro und Sigismondo Malatesta, zwei Condottieri, Söldnerunternehmer im Dienst von Städten, Päpsten und Königen. Wer wen heiratete, ob Nachwuchs kam und wie er sich hielt, wiegt schwerer als mancher Thronwechsel. Bicheno sammelt solche Wäre-es-anders-gewesen-Lagen, nicht um zu spielen, sondern um die Handlungsmacht der Person gegen die Übermacht der Struktur zu setzen.

Die Fehde trägt die Behauptung durch drei Jahrhunderte. Erst nach der Hälfte des Buchs stehen die beiden Hauptfiguren im Licht; zuvor erklärt Bicheno Land, Söldnerwesen, die Verzahnung weltlicher und kirchlicher Macht, das Mäzenatentum des vierzehnten Jahrhunderts. Der Tempio Malatestiano in Rimini erhält ein eigenes Kapitel: Sigismondo, oft als Inbegriff des brutalen Condottiere gezeichnet, lässt Leon Battista Alberti eine Franziskanerkirche zum Ruhmestempel eines Einzelnen umbauen. Kriegsgeld wird Kunst, die Kirche zur ästhetischen Kultstätte; der schwindende Anspruch der Religion und ein sehr irdisches Nachleben treten zutage. Federico, der fromme Kunstliebhaber der Schulbücher, erscheint als Mann, der in Kunst reinvestiert, weil sie gilt, nicht weil sie schön ist. 1462 endet die zweihundertjährige Blutrache: Montefeltro siegt, Malatesta behält wenig Land und verliert die Ehre. Zerstörung und Hervorbringung fallen in diesem Zeitalter zusammen; die Renaissance hat Söldnerlöhne als Voraussetzung.

Unsicher wird das Buch durch Breite und Nachweis. Saul David nannte es im Telegraph ein unfertiges Manuskript, das zu viele Personen herbeirufe und den Leser erdrücke. Die Zitierweise genügt akademischen Standards oft nicht; man muss Quellen selbst suchen. Die Gegenposition, Strukturen der Kriegswirtschaft und des Papsttums erklärten mehr als Charakter, kommt als der Blick vor, den Bicheno beiseitelegen will. Der Ton ist unterhaltsam, parteilich für die Kontingenz, kenntnisreich in der Kriegsführung. Szijártó und Magnússon rühmten gerade die dichten Passagen zum Krieg als beste Auskunft über das Thema. Die wissenschaftliche Kritik blieb sonst dünn; die öffentliche Wirkung bescheiden. Beides sagt etwas über den Ort zwischen Fachbuch und Erzählung.

Einordnung

Das Werk steht in der angelsächsischen Italien-Mikrogeschichte neben Studien zu Condottieri und Höfen, näher beim Erzählhistoriker als beim Archivaufsatz. Es hat Niccolò Machiavellis Der Fürst nicht nötig, um Herrschaft als Handwerk zu zeigen, und trifft sich mit ihm in der Nüchternheit über Tugend. Nachbarschaft hat es zur Kunstgeschichte Albertis und zur Militärgeschichte des fünfzehnten Jahrhunderts.

Geblieben ist das Paar Malatesta und Montefeltro als Probe auf Zufall und Kunst aus Kriegsgewinn. Wer nach 2008 über die Geburt der Renaissance spricht, als wäre sie nur Geist, spricht gegen dieses Buch; wer es für die ganze Epoche nimmt, spricht hinter einer Fehde. Die Londoner Ausgabe hat den Atem der Vendetta bewahrt. Er ist unordentlich und nicht ohne Grund.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.