Unter der Drachenwand
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Unter der Drachenwand |
| Autor(en): | Arno Geiger |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | dtv |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 2018 |
| Seitenanzahl: | 480 Seiten |
| Originaltitel: | Unter der Drachenwand |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3423147016 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783423147019 |
| Schlagwörter: | Mondsee, Krieg, Liebe, Dorf |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Unter der Drachenwand ist ein Roman von Arno Geiger, 2018 bei Hanser erschienen. Der Titel nennt die Felswand über dem Mondsee, nicht ein Märchen; darunter verbringt ein verwundeter Soldat das Jahr 1944, zwischen Quartier, Gewächshaus und Einberufung. Geiger, der für Es geht uns gut den Deutschen Buchpreis erhielt, erzählt den Krieg vom Rand: Briefe, Tagebücher, Stimmen, als lägen Nachlässe vor. Das Buch führte Bestenlisten an, stand auf der längeren Auswahlliste des Deutschen Buchpreises und brachte Geiger den Bremer Literaturpreis. Es zählt, weil es 1944 nicht als Lehrstück aufträgt, sondern als Dorf, in dem noch geheiratet, gegärtnert und denunziert wird, während die Front die Männer holt.
Inhalt
Veit Kolbe, jung, aus Wien, wird am Dnjepr schwer verwundet, operiert, nach Hause geschickt. Der Vater redet Durchhalteparolen; Veit schreibt dem Onkel Johann, Postenkommandant der Gendarmerie am Mondsee, und findet Quartier bei der unfreundlichen Trude Dohm. Gegenüber betreibt Trudes Bruder Robert Raimund Perttes eine Gärtnerei. Alle nennen ihn den Brasilianer, weil er Jahre in Rio verbracht hat und dorthin zurückwill. Im Haus wohnt Margot aus Darmstadt mit der Säuglingstochter Lilo; der Ehemann steht an der Front. In Schwarzindien liegt eine aus Wien verschickte Klasse mit der Lehrerin Margarete Bildstein, zu der Veit kurz tendiert, bis ihre Kälte ihn abweist. Er befreundet sich mit dem Schulmädchen Nanni Schaller und mit dem Brasilianer, der das Regime offen schmäht.
Nanni verschwindet, Veit hilft bei der Suche und liest die Liebesbriefe ihres Cousins Kurt Ritler. In den Text sind weitere Schreiben montiert: der jüdische Zahntechniker Oskar Meyer berichtet aus der Budapester Flucht, Margots Mutter Lore Neff aus dem zerbombten Darmstadt. Der Brasilianer wird angezeigt, die Gestapo holt ihn. Veit und Margot führen das Gewächshaus weiter und werden ein Paar, gegen den Anstand der Ehe. Bei der Musterung schiebt Veit den Frontdienst hinaus; die Liebe bessert die Alpträume, tilgt sie nicht. Nanni wird tot in der Drachenwand gefunden, abgestürzt beim Klettern. Der Brasilianer kehrt mitgenommen zurück, streitet mit einem SS-Schwager und taucht unter; als der Onkel ihn verhaften will, stellt sich Veit dazwischen und erschießt Johann, ohne dass jemand ihn verdächtigt.
Die Einberufung lässt sich nicht länger umgehen. Veit sucht Margot eine Wohnung, sie planen ein Leben nach dem Krieg. Nannis Briefe übergibt er dem inzwischen ebenfalls eingezogenen Kurt. Damit endet die Erzählung der Monate am See. In den Nachbemerkungen gibt Geiger sich als Herausgeber und skizziert, was aus den Figuren wurde: Margot lässt sich scheiden, heiratet Veit, sie bekommen weitere Kinder. Die versöhnliche Schlussnotiz des Anhangs steht gegen die Härte der Stimmen, die 1944 nicht wissen, ob sie den nächsten Winter sehen. Der Roman hält die Unwissenheit der Zeit durch: niemand spricht vom Ende, das die Leser kennen. Die Drachenwand bleibt Fels, an dem ein Mädchen stirbt und ein Dorf weiterkocht.
Einordnung
Geiger hat den Kriegsroman als Stimmenbuch geschrieben, näher bei dokumentarischer Montage als bei der allwissenden Chronik. Die Nachbemerkung, die Authentizität vorspiegelt, ist Kunstgriff, kein Archiv. Kritik hat die Täter am Rand und die Liebe in der Mitte genannt; beides ist Absicht. Der Soldat am Mondsee ist kein Held der Wehrmacht und kein reiner Gegner, sondern ein Verletzter, der gärtnert, liebt und tötet, um einem Freund die Flucht zu öffnen. Das Dorf unter der Wand ist Österreich 1944: Sommerfrische, Denunziation, Bombenbriefe aus Darmstadt, Juden auf der Flucht, die im Buch kaum mit den anderen Fäden verknüpft sind und gerade so die Gleichzeitigkeit des Getrennten zeigen.
Neben Robert Seethalers Der Trafikant, der 1938 vom Attersee nach Wien führt, steht hier das letzte Kriegsjahr am See selbst, ohne Freud und ohne Trafik, mit Quartierfrau und Gendarmerie. Wer Geiger nur als Erzähler der Familie aus Es geht uns gut kennt, findet in der Drachenwand die größere Form: viele Ichs, ein Ort, ein verlorener Krieg, der noch nicht verloren heißen darf. Die dtv-Ausgabe macht die 480 Seiten zum Taschenbuch, das man für einen Heimatroman halten könnte, solange man die Einberufung nicht liest. Das Buch hat den österreichischen Erinnerungsroman der zehner Jahre um eine Stimme vom Mondsee erweitert, ruhig, genau, ohne Triumph.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
