Traité sur la tolérance

Aus Bookpedia Bücher einfach erklärt
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Daten zum Buch
Deutscher Titel: Traité sur la tolérance
Autor(en): Voltaire
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Reclam
Serie:
Erscheinungsjahr: 1763
Seitenanzahl: 192 Seiten
Originaltitel: Traité sur la tolérance
Originalsprache: französisch
ISBN-10: 3150140188
ISBN-13/

EAN-Code:

9783150140185
Schlagwörter: Duldung, Fanatismus, Justiz, Aufklärung
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Rezensionen
Umschlag

Traité sur la tolérance – vollständig Abhandlung über die Toleranz aus Anlass des Todes von Jean Calas – ist die 1763 erschienene Streitschrift von Voltaire gegen religiösen Fanatismus und justizielle Willkür. Der hugenottische Kaufmann Jean Calas war in Toulouse beschuldigt worden, seinen Sohn ermordet zu haben, um dessen Übertritt zum Katholizismus zu verhindern, und am 10. März 1762 gerädert worden. Voltaire machte aus dem Fall eine europäische Sache und aus der Streitschrift einen Schlüsseltext der Aufklärung. 1765 wurde Calas postum rehabilitiert. Das Buch zeigt, wie ein Gerichtsskandal zur Lehre von der Duldung wird.

Inhalt

Die Schrift hat fünfundzwanzig kurze Kapitel, kein System. Die ersten gelten dem Fall: dem Gerücht, der konfessionellen Erregung, dem Urteil, das einen Unschuldigen zerbrach. Voltaire zählt die Unwahrscheinlichkeiten auf – ein kranker Vater habe einen kräftigen Sohn allein erwürgt – und zeigt, wie Vorurteil und Verfahren einander verstärken. Dann weitet sich der Blick. Intoleranz ist nicht das Vorrecht einer Kirche; Voltaire holt Beispiele aus der Antike, aus Judentum und früher Christenheit, aus der Kirchengeschichte und aus fernen Völkern, um zu belegen, dass Duldung die Ordnung nicht auflöst, sondern möglich macht. Menschen können verschieden glauben und doch in einer sittlichen und politischen Gemeinschaft leben. Zwang in Glaubenssachen erzeugt Heuchelei oder Blut, nicht Wahrheit.

Das dreiundzwanzigste Kapitel, das Gebet zu Gott, ist der rhetorische Gipfel. Es wendet sich nicht an eine Konfession, sondern an den deistischen Gott als gemeinsamen Bezug. Voltaire bittet nicht um Einheit des Kultus, sondern um die Einsicht, dass verschiedene Verehrungsformen keinen Hass rechtfertigen. »Mögen alle Menschen sich daran erinnern, dass sie Brüder sind.« Der Deismus trägt die Pointe: Nicht das Dogma eint, sondern die Menschlichkeit unter einem Gott, der keine Sekte braucht. Die letzten Kapitel ziehen zusammen, was die historischen Gänge zerstreut haben: Fanatismus ist eine Krankheit des Gemeinsinns; Aberglaube, der zur Waffe wird, macht aus Richtern Mörder. Voltaire schreibt mit Ironie, Zorn und einer Klarheit, die den Leser nicht entkommen lässt. Er ist Anwalt, Historiker und Prediger in einem, und er weiß, dass der Witz die Empörung trägt, ohne sie zu schwächen.

Unsicher bleibt, wie weit die Duldung reicht. Voltaire kämpft für die Reformierten und gegen die Inquisition; den Atheismus hat er öffentlich oft als Gefahr für die Sitte behandelt, den Deismus als Mitte. Die Schrift ist keine Theorie der Gewissensfreiheit im späteren Sinn, sondern ein Kampfbuch gegen eine bestimmte Justiz und eine bestimmte Kirche. Gerade deshalb wirkt sie: Sie hängt am Namen Calas, an einem Rad, an einer Familie, die ruiniert wurde. Der anonyme Erstdruck von 1763 bei den Brüdern Cramer in Genf tarnt den Verfasser, den jeder erkannte. Der Ton wechselt vom Protokoll zum Gebet, vom Spott zur Sentenz, und dieser Wechsel ist das Argument: Wer nur doziert, überzeugt den Fanatiker nicht; wer nur klagt, ändert das Gesetz nicht.

Einordnung

Die unmittelbare Wirkung war die Rehabilitierung der Familie Calas und das Vorbild einer neuen Rolle: der Schriftsteller, der einen Justizirrtum zur Sache der Menschheit macht. Die spätere Rezeption hat den Traité zum Lehrbuch der Duldung erhoben, oft gegen den Strich seines Deismus und seiner Grenzen. Nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo 2015 wurde die Schrift in Frankreich binnen Monaten zu einem massenhaft verkauften Buch; Robert Darnton hat die Wiederkehr beschrieben. Wer Voltaire nur als Spötter der Kirche liest, verfehlt den Juristen; wer ihn nur als Vorläufer der Menschenrechte liest, verfehlt den Fall, ohne den die Abhandlung nicht existierte.

Neben Denis Diderots Brief über die Blinden zum Gebrauch für die Sehenden steht der Traité als das öffentliche Gesicht derselben Aufklärung: Diderot prüft Sinne und Metaphysik, Voltaire prüft Gericht und Konfession. John Locke hatte die Duldung philosophisch begründet und die Atheisten ausgenommen; Voltaire schreibt mit einem Toten im Rücken. Vom Geist der Gesetze des Montesquieu gibt der Gewaltenteilung die Form; Voltaire gibt der Empörung die Stimme. Die Duldung, die hier verlangt wird, ist keine Gleichgültigkeit gegen Wahrheit, sondern die Weigerung, Wahrheit mit dem Rad zu beweisen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.