Trainspotting
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Trainspotting |
| Autor(en): | Irvine Welsh |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | dtv |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1993 |
| Seitenanzahl: | 416 Seiten |
| Originaltitel: | Trainspotting |
| Originalsprache: | englisch |
| ISBN-10: | 3956146883 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783956146886 |
| Schlagwörter: | Edinburgh, Rauschgift, Freundschaft, Ausstieg |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Trainspotting ist der 1993 in London erschienene erste Roman von Irvine Welsh, deutsch von Peter Torberg. Der Titel bleibt unübersetzt: Er meint das nutzlose Beobachten von Zügen, eine schottische Redensart für Zeitverschwendung, und trifft eine Gruppe junger Leute in Leith, dem heruntergekommenen Hafenstadtteil Edinburghs, deren Leben um Heroin, Alkohol, Fußball und Gewalt kreist. Welsh erzählt nicht in einem durchlaufenden Bogen, sondern in kurzen Stücken aus wechselnden Stimmen, im Dialekt der Figuren, von grober Umgangssprache bis zu Mark Rentons vergleichsweise klarem Satz. Das Buch wurde ein Skandalerfolg; Danny Boyles Verfilmung von 1996 machte die Namen weltbekannt und strich vieles, was im Roman hässlicher und komischer bleibt.
Inhalt
Im Mittelpunkt steht Mark Renton, genannt Rents, der immer wieder abstürzen und aufhören will und beides nicht lange durchhält. Um ihn: Simon Williamson, Sick Boy, eitel, kalt, ein Nutzer von Frauen und Freunden; Danny Murphy, Spud, naiv, anhänglich, im Ausdruck eingeschränkt; Francis Begbie, Franco, ein Gewalttäter, der nüchtern gefährlicher ist als jeder Rausch; dazu Tommy, der erst später einsteigt, Dianne, jung, scharfzüngig, und der Dealer Johnny Swan. Sie klauen, lügen, spritzen sich unreines Besteck, schlafen miteinander und lassen einander im Stich. Welsh zeigt Überdosen, den Tod an Aids, den Fund eines toten Säuglings in einer Wohnung, ohne Moralpredigt und ohne Verklärung. Die Episoden sind alltäglich und extrem zugleich: ein Gespräch beim Kiffen, eine Schlägerei, ein Bewerbungsgespräch, das Spud in den Sand setzt, weil er nicht anders kann.
Renton versucht Entzüge, fährt zu den Eltern, liest gelegentlich, verachtet die anderen und braucht sie. Begbie zwingt die Runde zusammen, weil niemand den Mut hat, ihn stehen zu lassen. Sick Boy inszeniert sich als Verführer und denkt in Einstellungen wie für die Leinwand. Zwischen den Räuschen liegen Langeweile, Arbeitslosigkeit, Mietskasernen und Kneipen, in denen dieselbe Runde denselben Hass auf sich selbst austrägt. Welsh wechselt die Ich-Erzähler, manchmal mitten im Stück; wer spricht, hört man am Satz. London taucht als Fluchtort auf, nicht als Rettung. Die Stadt Edinburgh ist keine Kulisse der Festspiele, sondern Leith: nass, arm, witzig und ohne Aussicht, die sich nicht selbst zerstört.
Gegen Ende arrangiert Sick Boy einen Heroinhandel. Renton unterschlägt das Geld und setzt sich ab – nach Amsterdam, aus der Runde, aus der Stadt. Es ist kein geläutertes Fortgehen und kein Sieg über das Rauschgift; es ist Verrat als einzige Form des Ausstiegs, die ihm bleibt. Die anderen bleiben zurück, mit Begbies Wut und Spuds Anhänglichkeit. Welsh hat später Vorgeschichte und Fortsetzungen geschrieben (Skagboys, Porno), in denen dieselben Figuren älter und nicht besser werden. Der erste Roman braucht sie nicht: Er endet, wo die Freundschaft sich als Zeitverschwendung erweist, von der Renton trotzdem gelebt hat. Der letzte Satz gehört dem, der geht, nicht dem, der bleibt.
Einordnung
Welsh hat den schottischen Unterschichtsroman der neunziger Jahre auf die Nadel gestellt, ohne ihn zur Anklage der Thatcher-Jahre zu machen, obwohl die Arbeitslosigkeit überall sitzt. Die Sprache ist die Probe: Wer Spud und Begbie im Original liest, muss sich durch Lautstand arbeiten; die deutsche Übersetzung von Torberg sucht Entsprechungen und kann den Dialekt nur andeuten. Vergleiche mit Anthony Burgess' Uhrwerk Orange lagen nah, weil Gewalt und Mundart zusammengehören; Welsh ist alltäglicher und weniger kunstsprachlich. Die Verfilmung hat Iggy Pop, Toiletten und den Sonnenlauf über Edinburgh berühmt gemacht und Renton zum Gesicht einer Jugend stilisiert, die das Buch kälter zeichnet.
Auf deutschen Bühnen, von Frank Castorf an der Volksbühne bis St. Gallen, wurde der Stoff zum Ensembleabend. Fortsetzungen und ein zweiter Film haben die Runde zur Marke gemacht. Wer nach 1993 über Rauschgift, männliche Freundschaft und den Ausstieg als Diebstahl spricht, spricht hinter diesem Band. Er ist kein Erziehungsbuch und keine Hymne auf den Rausch. Er zeigt, wie eine Stimme die anderen braucht, um sich von ihnen zu stehlen, und wie wenig dabei gerettet wird außer dem Erzähler, der das Geld nimmt und den Zug nicht beobachtet, sondern besteigt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
