Theorie des Partisanen

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Theorie des Partisanen
Autor(en): Carl Schmitt
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Duncker & Humblot
Serie:
Erscheinungsjahr: 1963
Seitenanzahl: 96 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3428152786
ISBN-13/

EAN-Code:

9783428152780
Schlagwörter: Partisan, Feindschaft, Krieg, Irregularität
Sachgebiete: Sachbuch, Politik
Rezensionen
Umschlag

Theorie des Partisanen. Zwischenbemerkung zum Begriff des Politischen ist die 1963 bei Duncker & Humblot erschienene Abhandlung von Carl Schmitt, hervorgegangen aus zwei Vorträgen, die er 1962 in Spanien hielt. Nach dem Verlust des Lehrstuhls 1945 und nach dem Nomos der Erde von 1950 nutzt Schmitt die Figur des irregulären Kämpfers, um Freund und Feind unter den Bedingungen des Kalten Krieges und der Massenvernichtungswaffen neu zu fassen. Schon das Vorwort nennt die Form anspruchslos: eine Zwischenbemerkung. Sie aktualisiert Der Begriff des Politischen. Der Partisan gilt ihm als letztes wirklich politisches Wesen der Gegenwart, das sich den staatlichen Ordnungen entzieht.

Inhalt

Schmitt schreibt gegen die Vorstellung, Krieg sei wieder ein geregeltes Spiel unter Staaten und der Feind ein konventioneller Gegenspieler. Vier Kennzeichen soll der Partisan haben, als Prämissen, nicht als Empirie: Irregularität gegenüber dem Kriegsvölkerrecht; gesteigerte Beweglichkeit; intensives politisches Engagement; tellurischer Charakter, das heißt Erd- und Heimatverbundenheit, die die Feindschaft begrenzt und den Verteidiger vom exportierbaren Terroristen unterscheidet. Ausgangslage ist der spanische Kampf gegen Napoleon 1808 bis 1813, in dem ein Volk auf eine moderne, aus der Revolution hervorgegangene Armee stieß. Die Irregularität gewinnt ihre Kraft erst aus der Kraft des Regulären, das sie in Frage stellt.

Die Vereinnahmung führt von Carl von Clausewitz, der den Krieg erweitert und im Staat bleibt, über Engels und Lenin zu Stalin und Mao. Lenin löse den Krieg aus der zwischenstaatlichen Hegung und mache ihn zum revolutionären Parteienkrieg des Klassenkampfs; das Bündnis der Philosophie mit dem Partisanen verwandle Irregularität in die Infragestellung der gesellschaftlichen Ordnung. Stalin verbinde die tellurische Verteidigung mit der Aggressivität der Weltrevolution. Mao integriere den Partisanen im Bauernkrieg vollständiger, tellurischer fundiert als Lenin. Damit wandelt sich die Feindschaft: vom konventionellen Gegner der Kabinettskriege über die wirkliche Feindschaft des bodenständigen Kämpfers zur absoluten Feindschaft, die den anderen als Ganzen vernichtet. Der interessierte Dritte – die Weltmacht, die Waffen liefert und den Kämpfer verheizt – raubt dem Partisanen die defensive Legitimität.

Unsicher wird das Buch, wo aus der Typologie eine Geschichtsphilosophie der Vernichtung wird. Schmitt sieht in den Kernwaffen den Zwang, den Gegner moralisch zu entwerten, bevor man ihn physisch vernichtet; sonst wäre man selbst Verbrecher. Wert und Unwert entfalten eine Logik der Diskriminierung bis zur Vernichtung lebensunwerten Lebens – eine Formel, die Schmitts eigene Nähe zum Nationalsozialismus nicht unbeteiligt ausspricht. Die Szenarien des Industriepartisanen, des postatomaren Kämpfers und des Kosmopartisanen sind Spekulation im Ton der Lehre. Der tellurische Charakter, den er festhalten will, löst sich in der technischen Mobilität auf; Schmitt räumt das ein und rettet die Figur trotzdem. Die Zwischenbemerkung ist skizzenhaft, genau in der Unterscheidung der Feindschaften und parteilich in der Wahl der Ahnenreihe.

Einordnung

Die Schrift hat über das Staatsrecht hinaus gewirkt, auch nach links. Joachim Schickel nannte Schmitt den einzig erreichbaren kompetenten Autor zum Partisanen; Wolfgang Kraushaar vermutete, Hans-Jürgen Krahl und Rudi Dutschke hätten 1967 Kriterien des Kleinkriegs daraus bezogen. Herfried Münkler hat Theorie, Strategie und Gestalt des Partisanen später historisch breiter gefasst. Neben dem Begriff des Politischen und dem Nomos der Erde ist dies Schmitts Buch aus der Zeit des Kalten Krieges: der irreguläre Kämpfer als Träger des Politischen nach dem Ende der reinen Staatlichkeit.

Die Kritik hat die Prämissen als Setzung, die Lenin- und Mao-Lektüre als Vereinnahmung und die Atompassagen als Mythologie gelesen. Geblieben ist die Unterscheidung von wirklicher und absoluter Feindschaft: Solange der Feind ein begrenzter Gegner bleibt, ist Hegung möglich; sobald er zum Unwert wird, ist kein Preis zu hoch. Über irregulären Krieg, Terror und den interessierten Dritten gibt das Buch die konservativste, hellsichtigste und belastetste Auskunft – geschrieben von einem Juristen, der dem Nationalsozialismus die Sprache geliefert hatte und nun den Partisanen als letzten Politischen rettet.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.