Studien zur sprachlichen Sozialisation

Aus Bookpedia Bücher einfach erklärt
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Daten zum Buch
Deutscher Titel: Studien zur sprachlichen Sozialisation
Autor(en): Basil Bernstein
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Routledge
Serie:
Erscheinungsjahr: 1971
Seitenanzahl: 280 Seiten
Originaltitel: Class, Codes and Control
Originalsprache: englisch
ISBN-10: 0415302862
ISBN-13/

EAN-Code:

9780415302869
Schlagwörter: Code, Klasse, Schule, Sozialisation
Sachgebiete: Sachbuch, Sprachwissenschaft
Rezensionen
Umschlag

Studien zur sprachlichen Sozialisation (englisch Class, Codes and Control) ist das ab 1971 erschienene Hauptwerk von Basil Bernstein. Bernstein unterscheidet den beschränkten und den erweiterten Code und fragt, wessen Kinder welchen in die Schule mitbringen – nicht weil die einen nicht denken könnten, sondern weil die Schule nur eine der beiden Ordnungen als Bildung zählt.

Inhalt

Bernstein behauptet nicht, Arbeiterkinder könnten nicht denken. Er behauptet, die Schule belohne eine Sprache, die sich vom unmittelbaren Zusammenhang löst: Erklärungen, Begründungen, die Distanz zum Hier und Jetzt, das Aussprechen dessen, was in der Familie ungesagt selbstverständlich ist. Der beschränkte Code ist nah, gemeinsam, voraussetzungsreich im Geteilten; er trägt, wo alle schon wissen, wovon die Rede ist. Der erweiterte Code macht explizit, was jener implizit lässt, und eignet sich deshalb für Fremde, für Prüfung, für den Aufsatz, der den Leser nicht kennt. Beide sind logisch, aber nur einer zählt als Bildung. Die unsichtbare Pädagogik der Mittelschicht besteht genau darin, dass sie diese Explizitheit nicht als Herrschaft vorträgt, sondern als Natur des klugen Kindes. Bernstein schreibt gegen die Idee, Sprache sei nur Mittel, den Stoff zu transportieren. Der Stoff ist schon Sprache, und die Sprache ist schon Klasse.

Das Buch versammelt Aufsätze, die aus der Londoner Schulforschung kommen, und bleibt deshalb unruhig, vorläufig, an den eigenen Korrekturen kenntlich. Familie, Schule, die Weitergabe von Kontrolle und die Form, in der Mütter mit Kindern sprechen: Bernstein sucht den Sitz der Klasse nicht zuerst im Wortschatz, sondern in der Bereitschaft, Bedeutungen unabhängig von der Lage auszubuchstabieren. Der beschränkte Code ist in der Arbeitswelt und in dichten Gemeinschaften rational; er wird zum Mangel erst an der Schwelle, die die Schule zieht. Bernstein hat ihn als andere Ordnung gedacht, nicht als Defizit an Intelligenz. Die Missverständnisse gehören zur Wirkungsgeschichte, weil dieselbe Unterscheidung von links als Anklage der Schule und von rechts als Beweis der Unfähigkeit gelesen wurde. Der Text selbst bleibt soziologisch und oft dunkel, weil er die Pädagogik umbauen will, ohne die Kinder zu denunzieren.

Der Ton ist der einer Theorie, die sich an Daten reibt und die Daten nicht zur schönen Kurve glättet. Bernstein ändert Begriffe, nimmt Vorwürfe auf, bleibt bei der Behauptung, dass Sozialisation sprachlich ist und dass die Schule eine Klasse als Universalsprache ausgibt. Eine Defizithypothese findet nur, wer den beschränkten Code als Mangel liest und die Schule als neutrale Instanz. Bernstein hat beides bestritten. Die späteren Bände über Codes und Kontrolle haben das Raster verfeinert, die Macht der Pädagogik sichtbarer gemacht und den Vorwurf nicht zum Schweigen gebracht. Genau diese Unruhe ist das Buch: keine abgeschlossene Typologie zweier Sprachen, sondern der Versuch, Klasse in der Form des Sagens aufzusuchen, nicht nur im Inhalt des Gesagten.

Einordnung

Die Bildungspolitik der siebziger Jahre hat in diesem Vokabular gestritten, in Großbritannien und in der Bundesrepublik, oft grober als Bernstein, der die Schule treffen wollte und die Kinder nicht. William Labov hat den Nichtstandard vom Stigma befreit und Bernsteins Unterscheidung als verkappte Abwertung gelesen; Bernstein hat die Schule als Code der Herrschaft beschrieben, nicht den Dialekt als Unvermögen. Pierre Bourdieu hat denselben Sitz im Habitus und im Markt gesucht und die Bewertung schärfer als Preis formuliert. Die Kritik am dunklen Ton und an der Zweiteilung ist berechtigt und hat die Wirkung nicht aufgehoben. Geblieben ist die Frage an jede Prüfung und jeden Aufsatz: Welche Sprache gilt als Denken, und wessen Haus hat sie schon gesprochen, bevor die Schule begann?

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.