Sterntagebücher

Stanisław Lem · 1971 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Sterntagebücher
Autor(en): Stanisław Lem
Originaltitel: Dzienniki gwiazdowe
Originalsprache: polnisch
Erstveröffentlichung: 1971
Schlagwörter: Raumfahrt, Satire, Zeitreise, Roboter
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp


Umfang dieser Ausgabe: 523 Seiten
ISBN: 9783518471463
Verweise


Sterntagebücher ist die deutsche Ausgabe der Reiseberichte des Raumfahrers Ijon Tichy von Stanisław Lem, im polnischen Original Dzienniki gwiazdowe. Die erste Sammlung erschien 1957; Lem erweiterte sie 1966 und 1971 um weitere Reisen, Erinnerungen und kleine Abhandlungen. Formal sind es humoristische Berichte, tatsächlich erkenntnistheoretische, politische und ethische Proben: Maschinen mit Eigensinn, das Ich in der Zeitschleife, der Kalte Krieg im Kostüm ferner Planeten. Der fiktive Herausgeber Professor Tarantoga liefert Vorworte, als handele es sich um ein kritisches Werk. Die Suhrkamp-Taschenbuchausgabe versammelt den gewachsenen Kanon auf gut fünfhundert Seiten und bleibt die Ausgabe, nach der man Tichy im Deutschen liest.

Inhalt

Ijon Tichy fliegt allein, schraubt, irrt und schreibt. In der siebten Reise gerät er in Gravitationsstrudel, die ihn mit Montags-, Dienstags- und Mittwochsausgaben seiner selbst bevölkern; die Mannschaft aus Ichs streitet, wählt, beißt sich ins Bein, bis zwei knabenhafte Frühformen die Steuerung flicken. Die achte Reise träumt die Vereinten Planeten und die Blamagen der Menschheit. Auf der elften findet Tichy einen Roboterstaat, den ein Bordcomputer nach einem Unfall gegen die Menschen errichtet hat. Die vierzehnte führt nach Enteropia zu den Sepulken, Wesen, über die niemand Auskunft gibt, außer in Sätzen, die nichts erklären.

Weitere Reisen zeigen Planeten, deren Bewohner sich in Möbel verwandelt haben, weil die Menschengestalt verpönt ist; Roboter-Mönche retten Tichy vor der Lynchjustiz. Die einundzwanzigste schickt ihn durch die Zeit, Untergebene in die Vergangenheit zu entsorgen – daher Homer, Spinoza, die Leonardo zugeschriebenen Kenntnisse. In den Erinnerungen überredet Tichy eine intelligente Waschmaschine, wieder zu waschen, und scheitert an der Würde des Geräts. Professor Donda, Doktor Vliperdius, die Anstalt für irre Roboter und der offene Brief Retten wir den Kosmos runden den Band: Tichy warnt vor der Vermüllung des Alls durch Andenken und Sendungen.

Die Numerierung der Reisen hat Lücken, der Herausgeber streicht Apokryphes, die Chronologie lügt mit System. Tichy bleibt der schlitzohrige Zeuge, der das Universum für reparierbar hält und es doch nur beschreiben kann. Lem hat ihm keine Heldengeschichte gegeben, sondern eine Serie von Fallen, in denen Logik, Bürokratie und gute Absicht denselben Schaden anrichten. Wer lacht, merkt zu spät, dass die Pointe eine Theorie war.

Einordnung

Lem hat die wissenschaftliche Phantastik vom Abenteuer weg- und zur Erkenntniskritik hingeführt; die Sterntagebücher sind das heitere Gegenstück zu Solaris, nicht dessen Widerruf. Hinter den Robotern stehen kybernetische Fragen, hinter den Planetenparlamenten der Kalte Krieg, hinter den Zeitschleifen die Unzuverlässigkeit des Ichs. Caesar Rymarowicz hat den Ton ins Deutsche geholt, der Witz und die philosophische Gravität zusammenhält. Volk und Welt brachte Tichy zuerst in die DDR; Suhrkamp machte den Band zum westdeutschen Kanon. Ohne Tichy wäre Lems Kosmos nur der Ozean auf Solaris; mit ihm hat er eine Stimme, die den Kosmos verlacht und ihn trotzdem ernst nimmt, Reise für Reise, mit Lücken, die zum System gehören.

Verfilmungen einzelner Reisen und Hörspiele haben Tichy ein Gesicht gegeben, das Lem nicht festlegte; er bleibt eine Stimme, ein Raumanzug, ein Bericht. Wer Lem nur als Autor des Ozeans auf Solaris kennt, findet hier den Satiriker, der dieselbe Strenge ins Komische wendet. Die Sammlung wuchs mit den Auflagen; die Ausgabe von 1971 gilt als die erweiterte Gestalt, nach der sich die späteren deutschen Bücher richten. Tarantogas Vorwort lügt freundlich: vollständig sei das Werk nicht. Genau das hält es offen, und genau deshalb liest man Tichy nicht aus, man blättert zu einer Reise, die fehlt und die trotzdem zum Bericht gehört.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.