Staat und Revolution
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Staat und Revolution |
| Autor(en): | Wladimir Iljitsch Lenin |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Dietz Verlag |
| Serie: | Lenin-Werke 25 |
| Erscheinungsjahr: | 1917 |
| Seitenanzahl: | 124 Seiten |
| Originaltitel: | Государство и революция |
| Originalsprache: | russisch |
| ISBN-10: | 3320002708 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783320002701 |
| Schlagwörter: | Staat, Revolution, Diktatur, Absterben |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Politik |
| Rezensionen | |
Staat und Revolution ist die von August bis September 1917 in Finnland verfasste Abhandlung von Wladimir Iljitsch Lenin über die marxistische Lehre vom Staat und die Aufgaben des Proletariats in der Revolution. Als Broschüre erschien sie 1918 in Sowjetrussland; die zweite Auflage von 1919 erweiterte das zweite Kapitel um Marx’ Fragestellung von 1852. Ein geplantes siebtes Kapitel über 1905 und 1917 blieb ungeschrieben. Lenin stützt sich auf Karl Marx und Friedrich Engels, auf Das Elend der Philosophie und Der Bürgerkrieg in Frankreich. Die Hauptthese lautet: Der Staat sei Produkt und Äußerung der Unversöhnlichkeit der Klassengegensätze, ein Werkzeug zur Ausbeutung der unterdrückten Klasse. Die Schrift gilt als Klassiker der sozialistischen Staatstheorie und als direkte Aufforderung an die Räte, Regierungsfunktionen zu übernehmen.
Inhalt
Lenin schreibt gegen den »Opportunismus« in der Sozialdemokratie, namentlich gegen Georgi Plechanow und Karl Kautsky, denen er vorwirft, den Marxismus verflacht und den bürgerlichen Staat versöhnlich gelesen zu haben. Die unmittelbare Aufgabe der Arbeiterklasse sei nicht, den vorhandenen Staat zu übernehmen, sondern ihn in einer gewaltsamen Revolution zu zerschlagen: Ministerien, Parlament, Polizei, Militär, ein Personal, das über tausend Fäden mit der Bourgeoisie verbunden sei. An ihre Stelle sollen Institutionen unter unmittelbarer Kontrolle der Arbeiter treten, Prototypen die Sowjets seit der Februarrevolution. Jeder Köchin, so das berühmte Bild, solle die Leitung des Staates möglich werden. Die Kriegswirtschaft des Deutschen Reichs liefert Lenin das Gegenbild einer Organisation der Arbeit, die eine sowjetische Macht sozialistisch wenden könnte.
Sinn der Machteroberung ist die Verwaltung der Produktionsmittel und die Unterdrückung der einst herrschenden Klasse. In dieser Phase sei der noch existierende Staat die vollkommenste Demokratie, weil er nicht mehr Ausbeutungsinstrument der Minderheit sei. Eben deshalb sterbe er ab, und mit ihm die Demokratie, die selbst eine Form des Staates sei. Danach bleibe die zwangsfreie Assoziation der Produzenten, der Kommunismus. Lenin liest 1848 und die Pariser Kommune als Probe aufs Exempel: Die Kommune habe den fertigen Staatsapparat nicht übernehmen, sondern zerbrechen müssen. Das fünfte Kapitel folgt Marx’ Kritik des Gothaer Programms im Übergang vom Kapitalismus zum Kommunismus; das letzte rechnet mit den Theoretikern ab, die einst angesehen waren und den Bruch mit dem Staat gescheut hätten.
Unsicher bleibt, was Zerschlagen in der Praxis heißt, sobald die Bankangestellten nicht weichen und die Qualifikation fehlt. Die Monate nach der Oktoberrevolution, in denen Beamte durch begeisterte Arbeiter und Soldaten ersetzt wurden, lasen die Bolschewiki als Bestätigung; die Gegner als Anfang der Inkompetenz und des Terrors. Unsicher ist auch das Absterben: Die Schrift denkt es als Notwendigkeit, sobald die Klassen verschwinden; die sowjetische Geschichte hat den Staat vervielfacht. Lenin schreibt im Untergrund, vor dem Oktober, und der Text ist Theorie und Einsatzbefehl zugleich. Die Gewalt ist nicht bedauert, sie ist in der Unversöhnlichkeit der Gegensätze begründet. Wer die Broschüre als Verwaltungshandbuch liest, verfehlt den Kampf gegen Kautsky; wer sie nur als Kampfschrift liest, verfehlt die genaue Marx-Exegese, auf der sie besteht.
Einordnung
Ohne Staat und Revolution wäre die Oktoberrevolution ärmer an Lehre und reicher an Improvisation. Der Zweite Allrussische Sowjetkongress setzte die Linie durch: Absetzung der Provisorischen Regierung, Volkskommissariate statt Ministerien. Die Schrift hat Staatssozialismen des zwanzigsten Jahrhunderts die Formel vom Absterben geliefert und die Praxis der Einparteienherrschaft nicht verhindert. Dietz hat sie in den Lenin-Werken gehalten; Kommentare von Dietmar Dath bis zur trotzkistischen Tradition haben sie neu aufgelegt, oft gegen den Staat, der sich auf Lenin berief.
Die Nachbarschaft ist Marx’ Kommune-Schrift, Engels’ Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats und Lenins eigene Aprilthesen, die denselben Sommer vorbereiteten. Wer nur den Zerstörer des Staates liest, übersieht den Erbauer des Arbeiterstaats, der unterdrücken soll. Wer nur den Realpolitiker von 1921 liest, übersieht, dass 1917 das Absterben noch als nahe Folge gedacht war. Geblieben ist die schroffste moderne Absage an die Vorstellung, man könne den bürgerlichen Staat erben und zum Werkzeug der Mehrheit machen – und die geschichtliche Probe, dass Zerschlagen leichter zu sagen als ein zwangsfreies Danach zu halten war.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
