Aprilthesen
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Aprilthesen |
| Autor(en): | Wladimir Iljitsch Lenin |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Dietz Verlag |
| Serie: | Lenin-Werke 24 |
| Erscheinungsjahr: | 1917 |
| Seitenanzahl: | 580 Seiten |
| Originaltitel: | О задачах пролетариата в текущей революции |
| Originalsprache: | russisch |
| ISBN-10: | 3320002244 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783320002244 |
| Schlagwörter: | Sowjet, Frieden, Land, Revolution |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Politik |
| Rezensionen | |
Die Aprilthesen sind das politische Programm, das Wladimir Iljitsch Lenin unmittelbar nach der Rückkehr aus dem Schweizer Exil im April 1917 öffentlich vorstellte. Der vollständige Titel lautet Über die Aufgaben des Proletariats in der gegenwärtigen Revolution. Am 4. April nach julianischem Kalender, dem 17. nach gregorianischem, trug Lenin das Referat vor dem Petrograder Sowjet im Taurischen Palais vor, arbeitete es schriftlich aus und ließ es am 7. April in der Prawda drucken. In wenigen Sätzen verlangt er den Bruch mit der Provisorischen Regierung, die Errichtung einer Republik auf der Grundlage der Sowjets, die Verstaatlichung von Boden, Banken und Produktionsmitteln und den bedingungslosen Friedensschluss. Die Parole, die daraus wurde, hieß Frieden, Land und Brot. Ohne diese Thesen ist der Weg vom Februar zum Oktober 1917 nicht zu verstehen.
Inhalt
Lenin schreibt gegen die Mehrheit der eigenen Partei. Lew Kamenew, Josef Stalin und die Prawda hielten Russland nach dem Sturz der Autokratie für unreif: Zuerst müsse eine Periode bürgerlich-kapitalistischer Herrschaft das feudale Erbe abtragen, bevor von sozialistischer Umwälzung die Rede sein könne. Ein Leitartikel nannte die Thesen unannehmbar; Lenin habe im langen Ausland den Sinn für die Lage verloren. Lenin antwortet, die Provisorische Regierung sei kapitalistisch, führe den Krieg fort und werde weder die Landfrage noch den Frieden lösen. Alle Macht den Sowjets heiße nicht geduldige Mitarbeit, sondern Sturz dieser Regierung und Errichtung einer Sowjetrepublik. Der Krieg sei ein räuberischer, auch unter der neuen Fahne; ohne Bruch mit ihm bleibe die Revolution in den alten Interessen gefangen.
Die Forderungen sind knapp und operativ. Enteignung des Großgrundbesitzes, sofortige Landaufteilung an die Bauern; Kontrolle der Arbeiter über die Industrie; Verstaatlichung der Banken; Agitation, Aufklärung, Gewinnung einer bolschewistischen Mehrheit in den Räten; Gründung einer revolutionären Internationale. Nicht der Staatsstreich einer Minderheit steht am Anfang des Textes, sondern die Gewinnung der Mehrheit in den Sowjets, die seit dem Februar existierten und die Doppelherrschaft mit der Regierung trugen. Lenin zögert beim Frieden nicht: Der Abschluss, später in Brest-Litowsk erzwungen, ist hier schon als Notwendigkeit gesetzt, gegen den Patriotismus der Verteidiger des neuen Russland. Die Thesen sind kein Lehrbuch; sie sind eine Liste, die eine Partei umdrehen soll.
Unsicher war die Aufnahme, und unsicher blieb, wie viel demokratische Geduld die Formel »alle Macht den Sowjets« noch enthielt, sobald die Bolschewiki die Mehrheit hatten. Die Ablehnung in den eigenen Reihen war zuerst überwiegend; sie schwand, als die Regierung weder Frieden noch Land lieferte und die Schwäche der Provisorischen sichtbar wurde. Was im April als zu radikal galt, wurde im Herbst Mehrheitsfähigkeit. Die Thesen enthalten keine ausgearbeitete Staatstheorie; die liefert im selben Jahr Staat und Revolution. Hier genügt die Richtung: weg von der bürgerlichen Republik, hin zu den Räten, weg vom Krieg. Die Kürze ist die Schärfe. Wer mehr System verlangt, muss die Broschüre des Sommers lesen; wer die Thesen nur als Palastrevolution liest, verfehlt, dass sie zuerst eine Partei überzeugen mussten, die Marx’sche Stufen für verbindlich hielt.
Einordnung
Die Aprilthesen haben die Bolschewiki aus der Kooperation mit der Februarrevolution herausgebrochen. Plechanow hat sie verworfen; die Sozialrevolutionäre und Menschewiki sahen Abenteuer. Ihre Wirkung lag nicht in der stilistischen Dichte, sondern in der Verschiebung dessen, was in Petrograd sagbar war. Als die Regierung schwankte, wuchs die Unterstützung bei vielen, die das Programm zuerst für unannehmbar gehalten hatten. Der Oktober hat die Liste nicht Punkt für Punkt erfüllt; er hat sie zur Staatsgründung gemacht und den Frieden teuer erkauft.
Die Nachbarschaft ist das Manifest der Kommunistischen Partei, das eine Epoche in Sätzen zusammenzog, und Marx’ Vorsicht gegenüber einer sozialistischen Revolution in einem noch bäuerlichen Land – eine Vorsicht, die Lenin 1917 für erledigt erklärte, weil der Krieg die Etappen zusammengeschoben habe. Wer die Thesen nur als Genie des Augenblicks feiert, übersieht den innerparteilichen Kampf und die späteren Opfer von Brest. Wer sie nur als Willkür eines Heimkehrers liest, übersieht, dass die Regierung die Probe auf Land und Frieden nicht bestand. Geblieben ist ein Text von Zeitungsänge, der eine Revolution aus der Defensive der eigenen Leute in die Offensive zwang.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
