Sprachwandel
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Sprachwandel |
| Autor(en): | Rudi Keller |
| Originaltitel: | - |
| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1990 |
| Schlagwörter: | Wandel, unsichtbare Hand, Laut, Bedeutung |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Sprachwissenschaft |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Francke
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| Umfang dieser Ausgabe: | 238 Seiten |
| ISBN: | 9783825215675 |
| Rezensionen | |
Sprachwandel. Von der unsichtbaren Hand in der Sprache ist die 1990 erschienene Untersuchung von Rudi Keller. Keller erklärt, warum sich Laute und Bedeutungen verschieben, obwohl niemand die Verschiebung will: Das Ergebnis vieler kleiner Zwecke ist ein Muster, das niemand so geplant hat.
Inhalt
Keller unterscheidet die Absicht der Sprecher von dem Ergebnis, das dabei herauskommt. Wer höflich umschreiben will, erzeugt Umwege; Umwege erstarren zu Formen; Formen werden wieder grob und verlangen neue Umwege. Wer deutlicher, kürzer oder vornehmer sprechen will, verschiebt Laute und Bedeutungen, ohne den Lautwandel oder den Bedeutungswandel als Ziel zu haben. Das ist keine Verfallsgeschichte und keine Fortschrittsgeschichte. Es ist ein Mechanismus, den Keller an die unsichtbare Hand der Ökonomie anschließt, ohne die Sprache zum Markt im engen Sinn zu machen. Er nennt solche Ergebnisse Phänomene der dritten Art: weder Naturvorgänge, die ohne Absicht ablaufen, noch Artefakte, die jemand so gewollt hat, sondern Ordnungen, die aus Absichten entstehen und doch keine Absicht sind. Die Kulturkritik, die das Verderben des Deutschen beklagt, verwechselt dieses Ergebnis mit einem Plan und sucht Schuldige, wo es nur viele kleine Zwecke gibt.
Das Buch bleibt ein Lehrbuch mit These. Beispiele aus Lautverschiebung und Bedeutungswandel tragen die Argumentation, statt sie nur zu schmücken: Verblassen von Verstärkern, Abwertung von Titeln, Höflichkeit, die zur neuen Grobheit wird, weil sie sich abnutzt. Keller schreibt gegen die Vorstellung, Wandel sei Verfall, und gegen die Vorstellung, Wandel sei das Werk von Sprachlenkern, Schulen oder Akademien. Es gibt keinen Plan. Es gibt Sprecher, die verstanden werden, gefallen, nicht anecken wollen, und aus diesem Wollen addiert sich ein Muster. Die unsichtbare Hand ist hier keine Mystik. Sie ist die Behauptung, dass man den Wandel erklären kann, ohne ihn jemandem in den Mund zu legen. Eine historische Lautlehre, die nur Reihen und Stufen beschreibt, findet in diesem Buch den fehlenden Mechanismus: nicht das Was der Verschiebung, sondern das Warum ihrer Ungewolltheit.
Der Ton ist klar, uhrwerkartig, gegen Pathos geschrieben. Keller gönnt der Klage über die Gegenwart ihren Satz und nimmt ihr dann den Gegenstand, indem er zeigt, dass dieselbe Klage den Wandel begleitet, solange es Klagen gibt. Das Studienbuchmaß ist Absicht: nachprüfbar, anschlussfähig, ohne den Jargon einer Schule, die den Leser ausschließt. Die Grenze der Glätte ist die Kritik, die später kam. Macht, Prestige und die ungleiche Durchsetzung von Formen kommen bei Keller als Zwecke der Sprecher vor, nicht als Herrschaft, die den Markt der Worte besetzt. Pierre Bourdieu hätte denselben Wandel als Preis und Kapital gelesen; William Labov hätte ihn an Klasse und Stadtviertel gezählt. Keller bleibt bei der Logik des Unbeabsichtigten. Genau diese Beschränkung macht das Buch lehrbar und angreifbar.
Einordnung
1990 ist die deutsche Standardauskunft zum Wandel geworden, neben den großen Lautgeschichten, die Muster beschreiben, ohne den Mechanismus zu nennen, und neben der variationistischen Forschung, die den Wandel im Leben der Sprecher zählt. Keller hat der öffentlichen Rede über Verfall ein Argument entzogen, das sie seither nur noch gegen ihn aufrechterhalten kann: die Unterstellung, jemand wolle die Sprache verderben. Die Kritik nennt das zu glatt, zu wenig machtbezogen und zu zuversichtlich, dass viele kleine Höflichkeiten und Verdeutlichungen schon die Geschichte erklären. In Seminaren bleibt das Buch die Stelle, an der man Absicht und Ergebnis trennen lernt, bevor man Prestige und Gewalt wieder einsetzt. Die unsichtbare Hand ist seither der Name dieser Trennung, auch wo man sie für unvollständig hält.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
