Soziologie

Georg Simmel · 1908 · Sachbuch, Soziologie
Gesellschaft
Das Werk
Deutscher Titel: Soziologie
Autor(en): Georg Simmel


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1908
Schlagwörter: Wechselwirkung, Form, Konflikt, Fremder
Sachgebiete: Sachbuch, Soziologie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Duncker & Humblot


Umfang dieser Ausgabe: 782 Seiten
ISBN: 9783428135776
Verweise


Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung ist das 1908 bei Duncker & Humblot erschienene Hauptwerk der Gesellschaftslehre von Georg Simmel. Nach der Philosophie des Geldes wendet er den Blick von der Moderne des Werts auf die Formen, in denen Menschen füreinander, gegeneinander und miteinander Dasein haben: Über- und Unterordnung, Streit, Geheimnis, die Kreuzung sozialer Kreise, der Arme, der Fremde. Soziologie ist bei ihm nicht Stoffkunde der Institutionen, sondern Analyse der Wechselwirkung.

Inhalt

Simmel trennt Form und Inhalt. Ob man um Glauben, Geld oder Ehre streitet, der Streit hat eine Form, die sich vergleichen lässt; ob eine Gruppe klein oder groß ist, ändert, was Treue, Kontrolle, Freiheit bedeuten. Die Dyade stirbt mit einem der beiden; die Triade kennt Mehrheit und Verrat. Herrschaft ist nicht nur Befehl, sondern ein Verhältnis, das den Herrschenden bindet. Der Streit zerstört nicht nur: er stiftet Beziehung, wo Gleichgültigkeit nichts stiftet. Simmel schreibt in Exkursen, die berühmt wurden, weil sie Typen setzen, keine Gesetze im Sinne Comtes. Der Fremde ist der, der kommt und bleibt, nah und fern zugleich; der Arme ist eine Institution der Gesellschaft, die sich an ihm als Geberin erfährt.

Die Kreuzung der Kreise ist das modernste Stück. Der Einzelne gehört vielen Kreisen an – Beruf, Familie, Verein, Konfession –, und aus dieser Mehrfachzugehörigkeit entsteht Individualität, nicht aus einem inneren Kern. Die Großstadt, in der Philosophie des Geldes schon als Geldverhältnis da, erscheint hier als Ort verdichteter Wechselwirkung. Simmel meidet die Klasse als einziges Maß und meidet den Staat als einziges Dach. Gesellschaft geschieht, wo Wechselwirkung geschieht; der Rest ist Stoff, den andere Fächer verwalten. Der Ton ist essayistisch, genau, oft überraschend witzig. Ein Buch von 1908, das nach Instituten und Ministerien klingt, wäre das Gegenteil.

Unsicher ist die Flüchtigkeit, die der Formbegriff riskiert. Wer nur Formen sieht, kann Herrschaft als Beziehung verharmlosen; die marxistische Kritik hat das früh gesagt. Simmel hat Klassen nicht geleugnet, er hat sie nicht zum Schlüssel gemacht. Die akademische Soziologie hat ihn spät kanonisiert, nachdem sie Systeme baute, die sein Buch nicht wollte. Wer die Soziologie nur als Steinbruch der Exkurse liest – Fremder, Streit, Geheimnis –, unterschlägt den Anspruch, Vergesellschaftung überhaupt zu definieren. Wer nur die Definition will, unterschlägt die Szenen. Duncker & Humblot führt den Band; er ist das deutsche Gegenstück zu den großen Lehrgebäuden, ein Lehrgebäude aus Beispielen.

Einordnung

Mit diesem Buch wird formale Soziologie möglich: Gesellschaft als Wechselwirkung, nicht als Summe von Zwecken. Es steht neben der Philosophie des Geldes als das gesellschaftstheoretische Hauptwerk und hat der späteren Interaktions- und Konfliktsoziologie die Typen geliefert. Wer Soziologie nur als Klassenlehre oder nur als System kennt, trifft hier die dritte Bahn: Formen, in denen beides erst geschieht.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.