Simulacres et Simulation
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Simulacres et Simulation |
| Autor(en): | Jean Baudrillard |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Merve |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1981 |
| Seitenanzahl: | 127 Seiten |
| Originaltitel: | Simulacres et Simulation |
| Originalsprache: | französisch |
| ISBN-10: | 3883960072 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783883960074 |
| Schlagwörter: | Scheinbild, Simulation, Medien, Wirklichkeit |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Medienwissenschaft |
| Rezensionen | |
Simulacres et Simulation ist das 1981 bei Galilée in Paris erschienene Buch von Jean Baudrillard, eine Sammlung kurzer Texte, die die Simulationstheorie aus Der symbolische Tausch und der Tod von 1976 weiterführt. Eine vollständige deutsche Ausgabe fehlt; das erste Kapitel erschien schon 1978 als »Präzession der Simulakra« in dem Merve-Band Agonie des Realen, auf den sich die Angaben der Infobox beziehen. Baudrillard untersucht das Verhältnis von Wirklichkeit, Zeichen und Gesellschaft. Simulacrum, das Scheinbild, ist eine Kopie ohne Original oder die Abbildung eines Dinges, das es nie gab; Simulation ist die Nachahmung eines realen Ablaufs, bis die Unterscheidung von Nachahmung und Ablauf ins Leere läuft. Für die Medientheorie wurde der Band zum Steinbruch: Massenmedien als Ort, an dem Worte und Bilder nur noch für sich selbst stehen.
Inhalt
Das Buch ist gegen die Vorstellung geschrieben, Zeichen bildeten eine vorgängige Wirklichkeit ab, die man bei Bedarf hinter der Abbildung wiederfinden könne. Baudrillard unterscheidet Ordnungen des Scheinbilds: Nach der Zeit der Imitation und der Zeit der Produktion lebe die Gegenwart im Zeitalter der Simulation, in dem Zeichen referenzlos geworden seien. Sie gäben vor, eine wirkliche Welt zu vertreten, und dienten dazu, das Reale an seinem Platz zu halten, während es schwinde. Die Präzession der Simulakra meint, dass das Modell dem Ding vorausgeht: Nicht die Karte folgt dem Land, das Land folgt der Karte. Disneyland existiert, damit man den Rest Amerikas für wirklich halten kann; die Abschreckung, der Skandal, die Meinungsumfrage erzeugen den Schein eines Hinterlands, das sie verbraucht haben.
Die kürzeren Texte wenden die These auf Wasserzeichen der Gegenwart an: auf das Fernsehen, den Terror, den Krieg als Bild, die Wissenschaft als Modell, das Verschwinden des Realen in seiner Verdoppelung. Simulation ist nicht Lüge, die man entlarven könnte, denn die Entlarvung setzt das stabile Original voraus, das gerade fehlt. Deshalb trifft Moral, die nach Authentizität ruft, ins Leere oder wird selbst zum Zeichen. Baudrillard schreibt aphoristisch, ohne Fußnotenapparat, in einer Prosa, die Behauptung und Übertreibung nicht trennt. Die Nähe zur Medientheorie Marshall McLuhans ist offensichtlich und wird umgedreht: Nicht das Medium ist die Botschaft, sondern die Botschaft hat kein draußen mehr.
Unsicher bleibt, ob die These Beschreibung oder Hyperbel ist, und ob sie sich selbst einschließt. Wenn alle Zeichen referenzlos sind, ist es auch der Satz, der das behauptet. Baudrillard nimmt den Einwand in Kauf und steigert: Die Wirklichkeit sterbe nicht, sie werde künstlich am Leben gehalten. Die Soziologie hat ihm vorgeworfen, Empirie durch Pointe zu ersetzen; die Kunst und der Film haben die Pointe übernommen. Im Film Matrix liegt Neos Versteck für Rechenprogramme in eben diesem Buch, aufgeschlagen beim Kapitel über den Nihilismus – eine Popularität, die den Text zur Kulisse einer anderen Zweiteilung machte, die Baudrillard gerade bestreitet: Hier die Wüste des Realen, dort die erlösende Wahrheit hinter der Simulation. Genau diese Hinterwelt erklärt der Band für verbraucht.
Einordnung
Im angloamerikanischen Raum ist Simulacres et Simulation Baudrillards bekanntestes Buch, bekannter als die dichteren Frühschriften. In Deutschland blieb die Rezeption an Merve, an die Agonie des Realen und an den Namen Simulation gebunden, oft ohne die Ordnung der Scheinbilder aus dem Symbolischen Tausch. Die Geisterdebatte der achtziger Jahre hat den Band als Lizenz gelesen, Wirklichkeit für erledigt zu erklären. Baudrillard selbst hat später den Golfkrieg und die Anschläge von 2001 in derselben Logik kommentiert und den Vorwurf auf sich gezogen, Ereignis und Bild zu verrechnen.
Die Nachbarschaft ist Marshall McLuhan, Guy Debords Spektakel, die Zeichenlehre Roland Barthes’ und die Medientheorie, die nach 1981 die elektronischen Netze noch nicht kannte und sie doch vorwegnimmt. Wer das Buch nur als Nihilismus liest, verfehlt die Behauptung, das Reale werde simuliert, um nicht zu verschwinden. Wer es nur als Prophetie der Netzwelt liest, verfehlt den Frankreichbezug der siebziger Jahre, die Fernsehdemokratie und den Terror als Medium. Geblieben ist die Unruhe, dass Abbildung und Abgebildetes die Plätze getauscht haben – eine Unruhe, die sich an jedem neuen Bildschirm erneuert, ohne dass man Baudrillards Ton übernehmen müsste.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
