Repressive Toleranz
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Repressive Toleranz |
| Autor(en): | Herbert Marcuse |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Suhrkamp |
| Serie: | edition suhrkamp |
| Erscheinungsjahr: | 1965 |
| Seitenanzahl: | 127 Seiten |
| Originaltitel: | Repressive Tolerance |
| Originalsprache: | englisch |
| ISBN-10: | 3518101811 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783518101810 |
| Schlagwörter: | Toleranz, Herrschaft, Befreiung, Meinung |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Rezensionen | |
Repressive Toleranz ist die 1965 erschienene Abhandlung von Herbert Marcuse in dem Sammelband A Critique of Pure Tolerance, den er mit Robert Paul Wolff und Barrington Moore veröffentlichte; die deutsche Übersetzung von Alfred Schmidt kam 1966 bei Suhrkamp in der Kritik der reinen Toleranz heraus. Der Text ist den Studenten der Brandeis University zugeeignet. Marcuse nennt Toleranz ein parteiliches Ziel: befreiende Duldsamkeit wäre Intoleranz gegenüber Bewegungen von rechts und Duldung von Bewegungen von links. Die unparteiische Toleranz der Neuzeit schütze die schon etablierte Maschinerie der Diskriminierung. Die Schrift hat die Studentenbewegung in den Vereinigten Staaten und in Europa stark beeinflusst.
Inhalt
Marcuse schreibt gegen eine Toleranz, die Aufrüstung, Eroberungskrieg, Chauvinismus und Benachteiligung aus Herkunft oder Religion hinnimmt, weil sie alle Meinungen gleich behandelt. Das Ziel der Toleranz sei Wahrheit, nicht Neutralität. Wo die gesellschaftliche Basis allseitiger Duldsamkeit zerstört ist, werde die formale Gleichbehandlung zur Stütze der herrschenden Gewalt; der Vietnamkrieg dient als Beispiel. Befreiende Toleranz entzöge rückschrittlichen Bewegungen die Duldung, ehe sie tätig werden, und übte Intoleranz auch gegenüber Denken, Meinung und Wort der Konservativen und der politischen Rechten. Marcuse nennt diese Vorstellungen antidemokratisch und hält sie der tatsächlichen Entwicklung der demokratischen Gesellschaft für angemessen. Eine Macht, die so verführe, gebe es gegenwärtig nicht.
Dagegen stellt er die Vorstellung einer Gesellschaft, in der der Einzelne frei und in Übereinstimmung mit anderen lebt und das Wohl aller gewährleistet ist, ohne dass Institutionen den Menschen versklaven. Objektive Wahrheit solle durch die Erörterung des Volkes die Politik einer künftigen demokratischen Gesellschaft bestimmen. Die herrschende Duldsamkeit akzeptiere aggressive Politik und nenne das Freiheit. Der Sozialistische Deutsche Studentenbund griff die Gedanken auf und begründete damit den Anspruch auf eine neue Ordnung. Der Ton ist philosophisch und agitatorisch zugleich, ohne empirische Fallstudie. Die Kürze der Abhandlung – sie füllt nur einen Teil des schmalen Suhrkamp-Bandes – verdichtet die These, statt sie abzusichern.
Unsicher wird das Argument, wo die Unterscheidung von fortschrittlich und rückschrittlich dem Autor zufällt und wo Intoleranz gegen das Wort die Freiheit retten soll, die sie bestreitet. Die objektive Wahrheit, die das Volk finden soll, bleibt vorausgesetzt. Eine Lesart, die nur die Erlaubnis zur Gewalt gegen rechts darin sieht, verkürzt den Text auf die berühmte Formel und übergeht die Kritik an Krieg und Diskriminierung; eine, die nur die Utopie sieht, übergeht die praktische Forderung, Duldung zu entziehen. Marcuse selbst hat in Der eindimensionale Mensch und Triebstruktur und Gesellschaft die Gesellschaftsanalyse nachgeliefert, die die Abhandlung voraussetzt.
Einordnung
Der Titel spielt auf Kants Kritik an und wendet sie: nicht die reine Vernunft, sondern die reine Toleranz sei zu begrenzen. Nachbarschaft hat die Schrift zur Kritischen Theorie und zur Praxis der außerparlamentarischen Opposition, die sie als Freibrief las. Andreas Fisahn hat die These später auf den Scheinpluralismus oligarchischer Öffentlichkeit bezogen. Die Wirkung war politisch größer als philosophisch; Gegner haben Marcuse zum Vater einer Gesinnungszensur gemacht, Anhänger zum Zeugen befreiender Parteilichkeit. Beides hängt an dem einen Satz über Intoleranz nach rechts.
Das Missverständnis liegt darin, die Abhandlung für eine allgemeine Theorie der Demokratie oder für einen Aufruf zur bloßen Meinungsunterdrückung zu halten. Er ist die Behauptung, dass Duldsamkeit unter Herrschaft die Herrschaft schützt. Geblieben ist die Formel von der repressiven Toleranz – und die ungelöste Frage, wer entscheidet, welche Bewegung rückschrittlich ist, bevor sie tätig wird.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
