Rabelais und seine Welt
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Rabelais und seine Welt |
| Autor(en): | Michail M. Bachtin |
| Originaltitel: | Творчество Франсуа Рабле и народная культура средневековья и Ренессанса |
| Originalsprache: | russisch |
| Erstveröffentlichung: | 1965 |
| Schlagwörter: | Karneval, Groteske, Volkskultur, Roman |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Literaturwissenschaft |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Suhrkamp |
| Serie: | Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft |
| Umfang dieser Ausgabe: | 552 Seiten |
| ISBN: | 9783518287873 |
| Verweise | |
Rabelais und seine Welt. Volkskultur als Gegenkultur (russisch 1965) ist die Untersuchung von Michail M. Bachtin über François Rabelais und die Lachkultur des Marktes. Deutsch erschien sie 1987, bei Suhrkamp 1995 in der Übersetzung von Gabriele Leupold, herausgegeben von Renate Lachmann. Ohne Karneval, groben Leib und vielstimmiges Lachen bleibt Rabelais ein Klassiker, den man nicht versteht.
Inhalt
Bachtin liest Rabelais nicht als derben Humanisten und nicht als Vorläufer der hohen Prosa, sondern als den Schriftsteller, in dem die Volkskultur des Mittelalters und der Renaissance ihre literarische Form findet. Markt, Fest, Fastnacht: eine Welt, in der der Leib isst, trinkt, gebiert und stirbt, und in der das Lachen die offizielle Ernsthaftigkeit umstülpt. Das Groteske ist keine Geschmacksfrage, es ist eine Kosmologie des unten und oben, des Mundes und des Bauchs, der Erneuerung durch Erniedrigung. Karneval setzt die Hierarchie für eine Frist außer Kraft; die Literatur nimmt diese Frist in die Form auf. Wer Rabelais nur als Zote nimmt, hat die Ambivalenz des Lachens verfehlt: es vernichtet und erneuert. Wer ihn nur als Gelehrten nimmt, hat den Platz am Markt verfehlt, von dem die Stimme kommt.
Das Buch ist zugleich eine Theorie des Romans. Die hohe Literatur der Neuzeit hat das Groteske verdrängt, den Leib geschlossen, das Lachen privatisiert. Bachtin holt die Gegenkultur zurück, ohne sie zur Folklore zu machen. Dialogizität – das Wort, das fremde Worte in sich trägt – gehört zu demselben Denken, das er an Dostojewskij geschärft hat; hier wird es kulturhistorisch. Gegen den einen Sinn der offiziellen Kultur setzt er die Vielstimmigkeit des Platzes. Gegen die Stilgeschichte, die Epochen als Formen der Elite erzählt, setzt er den langen Atem des Volkstümlichen, der in Rabelais noch einmal laut wird. Entstanden ist die Arbeit in den dreißiger und vierziger Jahren, unter Bedingungen, in denen eine Theorie des Lachens gegen den Ernst der Macht nicht unschuldig war. Gedruckt wurde sie spät. Die westliche Rezeption der siebziger und achtziger Jahre hat daraus oft einen Festbegriff gemacht, der zu jeder Subversion passt.
Die Grenze liegt in der Breite der Behauptung. Ethnologen und Historiker haben den Karneval weniger umstürzlerisch, den Leib weniger philosophisch, das Volk weniger einheitlich gesehen. Literaturwissenschaft hat Bachtin zum Werkzeugkasten verdünnt: Groteske, Dialogizität, Chronotopos als Etiketten. Die Stärke bleibt die Lektüre Rabelais’, die ohne diese Theorie verarmt, und die Zumutung, dass hohe Literatur von einer Kultur zehrt, die sie verachtet. Wer nur das Karnevaleske als Methode will, unterschlägt den französischen Text. Wer nur den französischen Text will, unterschlägt, warum er so unordentlich lacht.
Einordnung
Bachtin hat der Literaturtheorie des späten 20. Jahrhunderts das Lachen und die Stimme gegeben, die der Strukturalismus oft nicht brauchte. In Die einflussreichsten Werke der Literaturwissenschaft: 20. Jahrhundert steht das Buch zwischen Barthes’ Alltagsmythos und Ecos Zeichenlehre: Volkskultur als semiotische Gegenwelt. Roland Barthes las die Mythen der Bourgeoisie; Bachtin liest die Gegenmythen des Marktes. Probleme der Poetik Dostoevskijs bleiben Nachbar ohne eigenen Artikel. Wer Roman sagt und Vielstimmigkeit meint, spricht dieses Buch, oft ohne Rabelais. Wer Rabelais sagt und nur derbe Komik meint, hat Bachtin nicht gelesen.
Essays
Dieses Buch kommt in diesen Essays vor.
Die einflussreichsten Werke der Literaturwissenschaft: 20. Jahrhundert (Kanon)
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.
