Poetische Dogmatik

Alex Stock · 1995 · Sachbuch, Theologie


Das Werk
Deutscher Titel: Poetische Dogmatik
Autor(en): Alex Stock
Originaltitel: Poetische Dogmatik
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1995
Schlagwörter: Dogmatik, Liturgie, Bild, Überlieferung
Sachgebiete: Sachbuch, Theologie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Ferdinand Schöningh


Umfang dieser Ausgabe: 205 Seiten
ISBN: 9783506788313
Verweise


Poetische Dogmatik ist das elfbändige Hauptwerk des Kölner Theologen Alex Stock, das 1995 mit dem ersten Band der Christologie bei Schöningh in Paderborn zu erscheinen begann und 2016 mit der Ekklesiologie der Zeit abgeschlossen wurde. Stock gewinnt die Lehre nicht zuerst aus Lehrsätzen und Bekenntnisformeln, sondern aus Geschichten, Gesängen, Gebeten, Gedichten und Bildern, die er nach dem Modell der Liturgie zu einem Ganzen fügt. Der Titel ist ein Widerspruch, den er selbst so nennt: dogmatisch klingt nach Starrsinn, poetisch nach Leichtigkeit einer späten Kultur. Poetisch meint hier, im Sinn des griechischen Wortes, die Kraft, mit Sprache und Kunst etwas Neues ins Werk zu setzen. Die Theologische Fakultät Luzern hat Stock 2012 den Ehrendoktor verliehen und gerade dieses Werk in den Mittelpunkt der Laudatio gestellt.

Inhalt

Stock schreibt gegen eine Dogmatik, die nur das konfessorisch Unabdingbare kennt und den Reichtum der Überlieferung als Schmuck abtut. Poetisch ist nicht Anpassung an den Geschmack, sondern die schöpferische Arbeit, die dort beginnt, wo die Religion über das Bekenntnis hinausgeht. Wer das weitläufige Haus der christlichen Überlieferung durchstreift, stößt auf Stücke, die berühren, ohne dass sich immer sagen ließe, warum; man kann sie aufheben, ans Licht halten und ihnen Geltung ansinnen, ohne zwingenden Beweis. Die Einteilung in Traktate bleibt als Erkennungsmelodie der Gattung: Christologie, Gotteslehre, Schöpfungslehre, Ekklesiologie. Die Kohärenz soll nicht die Systemmaschine liefern, sondern die Darstellung selbst. Methodisch orientiert Stock sich an der Liturgie, nicht am Glaubensbekenntnis als Gerüst der Kapitel.

Deshalb beginnt das Werk mit der Christologie, nicht mit Gott. Die Feste des Kirchenjahrs bestimmen die Schwerpunkte. Der erste Band gilt den Namen: dem Eigennamen Jesu und den vielen ihm zugetragenen Namen. Der zweite, Schrift und Gesicht, gilt der Schriftform des Namens und den Bildern des Gesichts. Der dritte, Leib und Leben, geht dem Leben Jesu und der Vielgestalt des Corpus Christi nach. Der vierte erweitert die Ämter Christi zu sieben Figuren: Lehrer, Erlöser, Hirt, Richter, König, Lamm, Kreuz. Die Gotteslehre sucht in drei Bänden Orte, Namen und Bilder des Redens von Gott; weil das Alte Testament verbindliche Quelle bleibt, kommt eine Rede ins Spiel, die den Namen Jesu nicht schon als dauerndes Attribut mitführt. Die Schöpfungslehre liest Himmel und Erde gegen Naturwissenschaft und Naturphilosophie, kommentiert den biblischen Bericht, die Psalmen und die Bilder; der zweite Band gilt den Menschenarten, bis hin zu den Heiligen der Allerheiligenlitanei. Die Ekklesiologie spaltet Kirche in Raum und Zeit: Gebäude, Altäre, Kirchweihe einerseits, Geschichte und Rhythmus des Jahres andererseits.

Unsicher wird das Buch, wo die Fundsache die Lehre zu ersetzen droht. Jan-Heiner Tück hätte den Titel Poetische Theologie vorgezogen; Hermann Pius Siller fand manche Stücke exotisch und museal, eher gehoben als entdeckt. Stock weiß, dass er nicht beweist, sondern Geltung ansinnt. Die dunklen Seiten, etwa die antijüdischen Judas-Figurationen, blendet er nicht aus, aber der Ton bleibt festlich. Die Gegenposition, Dogmatik müsse Geltungsansprüche erstphilosophisch sichern, hat Dirk van de Loo später als hölzernes Eisen zwischen beiden Welten zu vermitteln gesucht. Stocks Wunder, schrieb Christian Schuler in der Frankfurter Allgemeinen, sei, Theologie als heitere Disziplin vorzuführen, ohne die Zerklüftung der Geschichte zu leugnen.

Einordnung

Bewunderer und Verächter halten sich nach Andreas Batlogg nicht die Waage: wer verstand, was Stock wollte, war begeistert, die anderen schwiegen. Das Werk steht neben der schulmäßigen Dogmatik als deren poetisches Gegenstück, nicht als deren Abschaffung. Nachbarschaft hat es zur Bildtheologie, zur Liturgiewissenschaft und zur Kunstgeschichte, die Stock als Quellen, nicht als Illustrationen braucht. Es ist katholisch im weiten Sinn: es sammelt, was die kulturelle Kreativität der christlichen Religion hervorgebracht hat, und denkt es theologisch durch.

Eine Schule im engen Sinn ist nicht entstanden; ein Geheimtipp blieb das Werk bis zum Tod des Autors 2016. Peter B. Steiner verlangte, es gehöre in jede theologische Bibliothek und zu Kunst- und Literaturhistorikern. Geblieben ist der Satz, dass der Glaube reicher ist als das Bekenntnis, und die Probe, ob eine Dogmatik sich an Gesängen und Bildern messen lassen will. Die Paderborner Bände haben diesen Anspruch über zwei Jahrzehnte gehalten. Wer nach 1995 über Namen, Gesicht und Leib Christi spricht, ohne nur die Lehrformel zu wiederholen, spricht oft schon in Stocks Ordnungen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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