Die philosophische Hintertreppe
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Die philosophische Hintertreppe |
| Autor(en): | Wilhelm Weischedel
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| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1966 |
| Schlagwörter: | Philosophen, Anekdote, Einführung, Denken |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | dtv
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| Umfang dieser Ausgabe: | 336 Seiten |
| ISBN: | 9783423300209 |
| Verweise | |
Die philosophische Hintertreppe. Von Alltag und Tiefsinn großer Denker ist das 1966 in der Nymphenburger Verlagshandlung erschienene Porträtbuch von Wilhelm Weischedel. In vierunddreißig kurzen Stücken – Prolog, Denker, Epilog – führt es von Thales bis Ludwig Wittgenstein, ohne Seminar und ohne Jargon, den der Autor selbst beherrschte. Die Hintertreppe ist der Weg, den Weischedel dem Vorderaufgang der Fachwissenschaft vorzieht: Anekdote zuerst, Kernfrage danach, damit auch der, der Kant nie im Original gelesen hat, versteht, worum es dem Mann aus Königsberg ging. Das Buch wurde ein Dauererfolg des Taschenbuchs und bleibt die deutsche Standardtür zur Philosophiegeschichte für Leser, die keine Vorlesung besuchen.
Inhalt
Weischedel behauptet nicht, die Systeme zu ersetzen. Er behauptet, dass jedes Denken an einem Leben hängt und sich in einer Frage verdichtet, die man erzählen kann. Thales erscheint als Kaufmann, der das Wasser zum Grundstoff macht; Sokrates als Ärgernis des Fragens; Platon als Mann der philosophischen Liebe; Aristoteles als Weltmann der Begriffe. Paare wie Parmenides und Heraklit, Epikur und Zenon, später Karl Marx und Friedrich Nietzsche werden gegeneinander gestellt, damit der Gegensatz selbst unterrichtet. Die Kapitel tragen Untertitel, die schon die These sind: Augustinus und die Dienlichkeit der Sünde, Descartes hinter dem Ofen, Pascal und die gekreuzigte Vernunft, Martin Heidegger in der Seinsreflexion, die Weischedel seinem imaginären jüngeren Leser erklären will, ohne ihn zu demütigen. Der Gewinn liegt nicht in Vollständigkeit – Frauen fehlen, die außereuropäische Philosophie fehlt –, sondern in der Geduld, mit der ein akademischer Metaphysiker den Umweg über die Biographie nimmt, ohne das Denken zur Kuriosität zu machen.
Jedes Stück folgt einem stillen Schema: eine Szene aus dem Leben, die Kernfrage, die Antwort, eine Pointe, die im Gedächtnis bleibt. Spinoza wird boykottiert und denkt weiter; Voltaire gerät in die Zwickmühle der Theodizee; Wittgenstein kündigt das Ende der Philosophie an und schreibt trotzdem. Weischedel übersetzt, ohne zu verfälschen, so die Absicht; die Gefahr dieser Kunst ist die Glätte, die aus Kant einen klugen Onkel macht. Dagegen hält der Text immer wieder die Härte der jeweiligen Frage fest: Was darf ich wissen, was soll ich tun, was ist das Seiende. Der Prolog unterscheidet zwei Zugänge zur Philosophie, den gelehrten und den der Hintertreppe, und wirbt für den zweiten, nicht weil er leichter wäre, sondern weil er zum Weiterlesen anstiften soll. Der Epilog schickt den Leser nicht als fertigen Kenner fort, sondern als jemanden, der nun weiß, welche Türen es gibt.
Gegen Bertrand Russells Philosophie des Abendlandes, die Lehre an Politik bindet und nach Kant oft ungeduldig wird, ist Weischedels Band hausbackener, deutscher, anekdotischer und in der Moderne weniger parteiisch. Russell polemisiert; Weischedel erklärt. Heidegger und Wittgenstein bekommen bei ihm Raum, den Russell ihnen kaum gönnte; die politische Schärfe, mit der Russell den Idealismus abfertigt, fehlt. Das ist Grenze und Vorzug. Spätere Ausgaben haben die Zahl der Porträts leicht verändert, den Ton nicht. Das dtv-Taschenbuch hat den Text unter Studenten und in Lehrerzimmern festgesetzt, oft als erste und einzige Philosophiegeschichte, die jemand ganz liest. Wer nur die Anekdoten behält, hat die Kernfragen nicht mitgenommen. Wer das Buch als Ersatz für die Originaltexte nimmt, hat den Autor beim Wort genommen, gegen seine Absicht: Die Hintertreppe sollte zum Vorderhaus führen, nicht davor stehenbleiben.
Einordnung
1966 hat Weischedel der deutschen Nachkriegsöffentlichkeit eine Philosophiegeschichte gegeben, die lesbar war, ohne albern zu sein, und damit eine Lücke gefüllt, die zwischen Gymnasium und Seminar klaffte. Russell bleibt der witzigere, parteiischere Weltbericht; Heidegger selbst, den Weischedel porträtiert, bleibt in Was ist Metaphysik? der dunklere Gegenpol, den die Hintertreppe erhellen, nicht ersetzen will. Die Fachwissenschaft hat den Band lange als Popularisierung belächelt und trotzdem Generationen von Anfängern an ihn verwiesen. Was fehlt – die außereuropäische Tradition, Philosophinnen, die soziale Lage des Denkens jenseits der Anekdote –, ist seither nachgetragen worden, ohne dass ein anderes deutschsprachiges Porträtbuch dieselbe Hausmacht im Taschenbuchregal gewonnen hätte. Die Nachwirkung liegt in einem Ton: Philosophie darf erzählt werden, wenn die Frage nicht dabei verloren geht. Wer Weischedel nur als Plauderer führt, unterschlägt, dass hinter der Treppe ein Metaphysiker steht, der Der Gott der Philosophen ernsthafter gearbeitet hat, als die Hintertreppe verrät.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.
