Philosophie des Abendlandes

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Philosophie des Abendlandes
Autor(en): Bertrand Russell
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Anaconda
Serie:
Erscheinungsjahr: 1945
Seitenanzahl: 855 Seiten
Originaltitel: A History of Western Philosophy
Originalsprache: englisch
ISBN-10: 386647833X
ISBN-13/

EAN-Code:

9783866478336
Schlagwörter: Philosophiegeschichte, Vernunft, Politik, Aufklärung
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Rezensionen
Umschlag

Philosophie des Abendlandes. Ihr Zusammenhang mit der politischen und sozialen Entwicklung (englisch A History of Western Philosophy) ist die 1945 in den Vereinigten Staaten und 1946 in Großbritannien erschienene Darstellung von Bertrand Russell. Die deutsche Übersetzung von Elisabeth Fischer-Wernecke und Ruth Gillischewski kam 1950 in Zürich heraus. Das Buch erzählt die westliche Philosophie von den Vorsokratikern bis zur logischen Analyse und bindet die Lehren an die politischen Umstände ihrer Zeit. Es wurde ein großer Verkaufserfolg, trug zur Begründung von Russells Nobelpreis für Literatur bei und hat Fachleute von Anfang an gespalten: glänzend lesbar, parteiisch, in der Antike ausführlich, nach Kant oft ungeduldig.

Inhalt

Das Buch ist gegen zwei Weisen geschrieben, Philosophiegeschichte zu treiben: gegen die trockene Doxographie, die Meinungen aneinanderreiht, als hätten Denker in einem luftleeren Raum gelebt, und gegen die Andacht, die jeden Klassiker rechtfertigt. Russell behandelt die Philosophie als Teil der Sozialgeschichte; er sagt das im Vorwort und hält sich nicht immer daran, weil ihn die Lust am Streit mit Toten davonträgt. Der erste Teil gilt der Antike, der zweite der katholischen Philosophie – Kirchenväter, jüdische und islamische Denker, Scholastik –, der dritte der Neuzeit von der Renaissance bis zu John Dewey und zur logischen Analyse, also zu Russell selbst. Jedes Kapitel gilt einem Namen, einer Schule oder einer Epoche. Der Ton ist witzig, oft ungnädig, von einer Klarheit, die schwierige Gedanken so erscheinen lässt, als wären sie Unarten, die man abstellen könnte.

An Platon, den Russell fast persönlich bekämpft, wird die Methode greifbar: die Ideenlehre erscheint als politisch gefährliche Verachtung der Sinnenwelt, der Philosophenkönig als Vorläufer autoritärer Erziehung. Thomas Hobbes, John Locke und David Hume kommen besser weg, weil sie dem gesunden Zweifel und der bürgerlichen Ordnung näherstehen; Jean-Jacques Rousseau und Georg Wilhelm Friedrich Hegel schlechter, weil Russell in ihnen den Ursprung von Schwärmerei und Staatsvergottung sieht. Immanuel Kant wird referiert, aber nicht von innen verstanden; der deutsche Idealismus bleibt für Russell ein Nebel, den die Analyse zerteilen sollte. Die katholischen Jahrhunderte behandelt er als geschichtliche Notwendigkeit und als intellektuelle Durststrecke. Das Schlusskapitel über die logische Analyse ist ein Selbstporträt: Philosophie soll Sätze klären, nicht Welten bauen. Die historischen Partien hat Patricia Russell recherchiert; geschrieben wurde das Buch 1943/44 in den Vereinigten Staaten, aus Vorlesungen an der Barnes Foundation.

Unsicher, und von Russell später selbst eingeräumt, ist der Anspruch, Geschichte zu sein. Er wusste, dass man ohne Tendenz keine interessante Geschichte schreibt, und nannte das Buch mitunter ein Werk der Sozialgeschichte, mitunter ein polemisches. Die Antike nimmt unverhältnismäßig viel Raum ein; die Zeit nach René Descartes wird knapp und wählerisch. Philosophen, zu denen Russell keine Neigung verspürte, fallen der Ironie zum Opfer. Ludwig Wittgensteins Umkreis hat das Buch als journalistisch verachtet; George Steiner nannte es abgeschmackt und repräsentativ. Albert Einstein dagegen pries die Frische, Stanisław Lem hätte es auf eine Insel mitgenommen, weil Russell mit Platon streitet, als säße der im Zimmer. Die Mängel und der Reiz sind dieselbe Sache: ein Mann des zwanzigsten Jahrhunderts hält Gericht über fünfundzwanzig Jahrhunderte und verbirgt die Richterrobe nicht.

Einordnung

Unter den großen Überblicken der Philosophiegeschichte – neben Frederick Copleston und den deutschen Handbüchern – ist Russells Band der lesbarste und der parteiischste. Er steht in der Linie der britischen Aufklärung, die er bei Locke und Hume feiert, und gegen die Linie, die von Kant über Hegel zur Geschichtsphilosophie führt. Karl Popper hat in Die offene Gesellschaft und ihre Feinde Platon und Hegel ähnlich angegriffen; Russell liefert die heitere, erzählende Variante desselben Misstrauens. Wer nach 1945 in englischer Sprache Philosophie als gebildeter Laie kennenlernen wollte, las oft zuerst dieses Buch, nicht die Originale.

Die Fachkritik hat recht mit dem Vorwurf der Verzeichnung, und das Publikum hat recht mit dem Dank für den Ton. Missverstanden wird der Band, wenn man ihn als Nachschlagewerk benutzt; er ist ein Essay in Kapiteln, eine Erziehung zur Parteinahme. Der Nobelpreis von 1950 nannte ihn unter den Werken, die Russell die Mittel für die letzten Jahrzehnte seines Lebens verschafften. Geblieben ist ein Stil der Philosophiegeschichte, der den Leser nicht schont und die Toten nicht schont. Wer eine neutrale Karte des Abendlandes sucht, muss woanders suchen; wer sehen will, wie ein Logiker des zwanzigsten Jahrhunderts seine Feinde und Freunde unter den Klassikern wählt, findet sie hier.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.