Neues Organon

Francis Bacon · 1620 · Sachbuch, Philosophie


Das Werk
Deutscher Titel: Neues Organon
Autor(en): Francis Bacon
Originaltitel: Novum Organum
Originalsprache: lateinisch
Erstveröffentlichung: 1620
Schlagwörter: Induktion, Idole, Experiment, Naturbeherrschung
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Meiner
Serie: Philosophische Bibliothek
Umfang dieser Ausgabe: 337 Seiten
ISBN: 9783787307500
Verweise


Das Neue Organon ist der 1620 erschienene zweite Teil der unvollendeten Instauratio magna von Francis Bacon, das Programm einer Erneuerung der Wissenschaften. Der Titel zielt gegen das Organon des Aristoteles: nicht das Werkzeug des Schlusses aus Sätzen, sondern das Werkzeug der Erfahrung, die durch geordnete Versuche zur Form der Natur vordringt. Zwei Bücher – Zerstörung der Vorurteile, Aufbau der Induktion – sollten die große Wiederherstellung eröffnen, die Bacon nicht zu Ende gebracht hat. Die Infobox folgt der Meiner-Ausgabe des ersten Buchs.

Inhalt

Bacon schreibt gegen eine Gelehrsamkeit, die Wörter dreht und die Natur nicht fragt. Der Verstand ist kein glattes Spiegel, er ist verbogen durch Idole: die der Gattung, die in aller Menschen Natur liegen; die der Höhle, die jeder aus Erziehung und Temperament mitbringt; die des Marktes, die aus dem Verkehr der Wörter entstehen; die des Theaters, die die überlieferten Lehrgebäude sind. Aristoteles, die Scholastik, auch die neueren Systeme: Bühnenstücke, die man für die Welt nimmt. Sprache verführt, weil sie Dinge zusammenfasst, die die Natur trennt, und trennt, was sie verbindet. Wer das nicht prüft, experimentiert schon falsch, bevor er die Hand rührt. Die Kritik ist nicht Skepsis um der Skepsis willen; sie soll den Weg freimachen.

Das zweite Buch setzt die Induktion gegen den vorschnellen Sprung zur allgemeinen Behauptung. Nicht das Auflesen bestätigender Fälle, das Bacon der gewöhnlichen Induktion vorwirft, sondern Tabellen der Anwesenheit, Abwesenheit und Grade: Wann tritt die Naturform auf, wann nicht, wann stärker? Aus den Ausschlüssen nähert man sich der Form – dem Gesetz, das die Erscheinung macht, nicht einer verborgenen Qualität der Schule. Wärme als Beispiel: Bewegung der kleinsten Teile, geprüft an einer langen Reihe von Instanzen. Das Ziel ist nicht Schau, sondern Vermögen. Wissen und Können fallen zusammen; wer die Form hat, kann die Natur herbeiführen. Bacon spricht von einer Heirat des Geistes mit der Welt und von einer Herrschaft über die Dinge, die Dienst an der Schöpfung sein soll, nicht Magie. Die Grenze bleibt: Die Induktion, die er fordert, ist mühsamer als das Buch; die große Naturgeschichte, auf der sie ruhen sollte, fehlt.

Die Form ist Aphorismus, nicht System. Kurze Sätze, nummeriert, oft polemisch, zuweilen von einer Nüchternheit, die das Pathos der Erneuerung bändigt. Bacon weiß, dass er ein Organon ankündigt, das die kommenden Generationen füllen müssen. Wer ihn nur als Vater des Versuchs nimmt, unterschlägt die Idolenlehre, ohne die der Versuch die Vorurteile bestätigt. Wer ihn nur als Zerstörer des Aristoteles nimmt, unterschlägt, dass er ein neues Werkzeug an die Stelle des alten setzen will, nicht die Logik abschaffen. Der Ton ist richterlich: Lordkanzler der Natur, der Zeugen vorlädt. Die Moderne hat daraus Fortschritt und Maschinenpark gemacht. Im Text ist es zuerst eine Moral des Forschens: nicht früher schließen, als die Instanzen tragen.

Einordnung

Das Neue Organon ist die Kampfansage an das aristotelische Organon und an eine Philosophie, die in der Metaphysik die Formen schon zu haben glaubt. René Descartes sucht in den Meditationen und im Discours de la méthode die Gewissheit im denkenden Ich; Bacon sucht sie in der geordneten Erfahrung. Immanuel Kant wird in der Kritik der reinen Vernunft Verstand und Anschauung anders koppeln und Bacon als den würdigen, der die Natur nötigt, auf Fragen zu antworten. Gottfried Wilhelm Leibniz behält in der Monadologie innere Formen, die Bacon hatte austreiben wollen. Die Wissenschaft nach ihm hat die Idole nicht erledigt; sie hat das Experiment zum Brauch gemacht. Der Satz, dass Wissen Können sei, trägt den Segen der Technik und ihre Zweideutigkeit.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.