Mythen des Alltags

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Mythen des Alltags
Autor(en): Roland Barthes
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Suhrkamp
Serie:
Erscheinungsjahr: 1957
Seitenanzahl: 325 Seiten
Originaltitel: Mythologies
Originalsprache: französisch
ISBN-10: 3518463381
ISBN-13/

EAN-Code:

9783518463383
Schlagwörter: Mythos, Ideologie, Alltag, Zeichen
Sachgebiete: Sachbuch, Medienwissenschaft
Rezensionen
Umschlag

Mythen des Alltags (französisch Mythologies) ist die 1957 erschienene Essaysammlung von Roland Barthes. Sie liest Werbung, Ringkampf, Wein, Seife und das Gesicht der Greta Garbo als Sprache, die Geschichte in Natur verwandelt. Semiologie wird hier zur Kritik des Selbstverständlichen.

Inhalt

Barthes nimmt den Alltag ernst als Text, den man entziffern kann, ohne ihn deshalb schon zu durchschauen. Der Mythos ist keine alte Sage und kein Irrtum des Volkes. Er ist eine Rede, die das Gemachte als Selbstverständliches ausgibt: den Wein als französische Substanz, die Seife als Reinheit, das Auto als Freiheit, die Justiz als Natur der Dinge. Zeichen werden in zwei Stufen gelesen: zuerst als Sprache, dann als Mythos, der diese Sprache stiehlt und in Natur zurückbiegt. Genau darin liegt die Ideologie der bürgerlichen Welt, nicht in grober Lüge. Code ohne Herrschaft missversteht die Glossen, Herrschaft ohne Form der Zeichen missversteht die Theorie. Barthes hält beides zusammen, indem er das einzelne Bild und die einzelne Phrase so genau liest, dass ihre Selbstverständlichkeit bricht.

Das Buch hat zwei Teile, die zusammengehören und verschieden gewirkt haben. Die Glossen, zuerst in Zeitschriften erschienen, haben es berühmt gemacht, weil sie witzig, parteilich und gegen die bourgeoise Selbstverständlichkeit geschrieben sind. Der theoretische Schluss, die Bestimmung des Mythos als sekundäres semiologisches System, hat die Medienwissenschaft begründet, bevor sie so hieß, und der Linguistik eine politische Adresse gegeben. Umberto Eco hat später das System der Codes gebaut; Barthes hat den Blick und den Ton geliefert, der den Gegenstand im Vorübergehen trifft. Die Gegenthese, Alltag sei bloße Zerstreuung ohne Sprache, wird durch die Fülle der Fälle widerlegt. Ringkampf, Guide bleu, das Gesicht der Garbo und die Speisekarte werden zu Lektionen, nicht zu Kuriositäten.

Der Ton ist leicht und scharf zugleich, näher am Feuilleton als an der Abhandlung, und genau diese Leichtigkeit hat Generationen von Seminaren geprägt. Die deutsche Ausgabe im Suhrkamp Verlag hat den Band zur Pflichtlektüre gemacht, oft ohne den marxistischen Einsatz mitzunehmen, den Barthes 1957 noch ausdrücklich setzt. Später hat derselbe Autor in Die helle Kammer das eine Photo und die Trauer gegen die Soziologie der Bilder gestellt, die er hier übt. Der Widerspruch ist fruchtbar: Hier der Mythos der Reklame, dort der Stich, der sich der Kultur verweigert. Kritik hat die Glossen als zu französisch und die Theorie als zu glatt bezeichnet. Die Brauchbarkeit des Verfahrens hat das überdauert.

Einordnung

1957 ist die Gründung der Alltagssemiologie, neben Marshall McLuhans Kanälen und Guy Debords Spektakel eine der drei großen Adressen der sechziger Jahre, hier die witzigste und die am dichtesten am einzelnen Zeichen. Die Medienwissenschaft nach dem Krieg kommt an diesen Glossen nicht vorbei, weil sie gezeigt haben, dass Werbung, Sport und Gebrauchsgegenstände lesbar sind wie Literatur. Susan Sontag und die spätere Bildtheorie haben den Blick auf Aneignung und Moral verschoben; Barthes bleibt am Mythos als Naturwerdung. Wirkung entfaltete das Buch in der Romanistik, der Publizistik und der Kulturwissenschaft, oft als Stil, manchmal als Methode. Es bleibt der Ort, an dem Ideologiekritik und Genauigkeit des Lesens noch dasselbe Geschäft sind.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.