La città del Sole
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | La città del Sole |
| Autor(en): | Tommaso Campanella |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Reclam |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1623 |
| Seitenanzahl: | 149 Seiten |
| Originaltitel: | La città del Sole |
| Originalsprache: | italienisch |
| ISBN-10: | 3150185106 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783150185100 |
| Schlagwörter: | Utopie, Gemeineigentum, Theokratie, Sonnenstaat |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Politik |
| Rezensionen | |
La città del Sole – deutsch Die Sonnenstadt oder Der Sonnenstaat – ist die 1602 im Kerker entworfene und 1623 lateinisch als Civitas solis gedruckte Staatsutopie des Dominikaners Tommaso Campanella. Campanella hatte an einer Erhebung gegen die spanische Herrschaft in Kalabrien teilgenommen und saß fast siebenundzwanzig Jahre. Der Text ist ein poetisches Gespräch zwischen einem genuesischen Schiffsführer und dem Großmeister der Hospitaliter: Der Seefahrer erzählt von einem Inselstaat, in dem das Privateigentum abgeschafft ist und Priester herrschen. Campanella schreibt gegen die Not seiner Zeit und gegen den Geist des Thomas Morus, dessen Utopia ihm zu weltlich erschien.
Inhalt
Der Genuese landet bei den Solariern, deren Stadt kreisförmig in sieben Ringen um einen Tempel der Sonne gebaut ist; an den Mauern stehen Bilder und Inschriften, die das Wissen der Welt lehren, sodass die Stadt selbst Schule ist. Alles Übel führt Campanella auf das Privateigentum zurück: Es erzeugt Habsucht, Streit und die Familie als Hort des Meinigen, weshalb Gütergemeinschaft gilt und die Familie aufgelöst wird. Frauen und Kinder gehören der Gemeinschaft; die Paarung ordnen die Oberen nach eugenischen Gesichtspunkten, damit die Gattung gedeiht, denn das Individuum zählt nichts, die Art alles. Die Arbeit ist allgemein und ehrenvoll, Müßiggang Schande, und genau ermittelte Bedarfspläne bestimmen, was erzeugt wird. Die Solarier essen gemeinsam, kleiden sich einheitlich, ziehen in den Krieg, wenn es sein muss, und leben nach einem Kalender, in den die Sterne eingehen.
An der Spitze steht der Metaphysikus, auch Sonne genannt, ein Priesterfürst, der Geschichte, Physik, Religion und Handwerk beherrscht und zurücktreten soll, sobald ein Fähigerer da ist. Ihm zur Seite stehen drei Würdenträger: Pon (Macht), Sin (Weisheit) und Mor (Liebe), unter denen das öffentliche Leben aufgeteilt ist, vom Heer bis zum Acker. Die Herrschaft ist absolut und geistlich; Campanella träumt zugleich von einer päpstlichen Universalmonarchie, und die Astrologie durchdringt Wahl, Saat und Krieg, dem Geist des frühen siebzehnten Jahrhunderts gemäß. Tugend wird gelehrt und erzwungen: Lüge, Unzucht im privaten Sinn, Besitzgier haben keinen Ort. Die Solarier kennen Gott als Sonne und Quelle, verehren die Gestirne und halten Wunder für Natur, die man noch nicht versteht; der Großmeister fragt nach Einzelheiten des Alltags, und der Seefahrer antwortet, als hätte er eine Musterstadt besichtigt, nicht ein Traumland.
Der Dialogtarnt die Strenge. Was als Reisebericht beginnt, ist ein Katechismus der Ordnung: Frage, Antwort, kein Widerspruch der Solarier selbst. Unsicher bleibt, wie frei der Metaphysikus wirklich weicht und wer den Fähigeren erkennt. Campanella hat den Text mehrfach umgeschrieben; die italienische Fassung von 1602, die lateinische von 1623 und spätere Redaktionen verschieben Gewichte zwischen Naturmagie, Katholizismus und kommunistischer Zucht. Der Kerker sitzt in jeder Zeile: Wer nichts Eigenes hat, kann nichts verlieren, und wer dem Stern folgt, gehorcht einer Notwendigkeit, die stärker ist als der spanische Richter. Der Ton ist nüchtern und hymnisch zugleich, ein Ordensmann, der Platon gelesen hat und die kalabrischen Bauern nicht vergessen will.
Einordnung
Mit Morus’ Utopia und Francis Bacons Neu-Atlantis bildet die Sonnenstadt das klassische Dreieck der neuzeitlichen Utopie. Gegenüber Morus’ liberalerem, auf das Irdische gerichteten Geist gilt Campanellas Staat als Rückwendung zum platonischen Rigorismus: Gemeineigentum, Eugenik, Philosophenherrschaft, Auflösung der Familie – alles schon in Der Staat angelegt, hier ins Christlich-Priesterliche übersetzt. Die ältere Deutung sah darin weniger Menschlichkeit als ethisch-religiöse Zucht. Im zwanzigsten Jahrhundert wurde der Sonnenstaat als Vorläufer totalitärer Ordnungen gelesen; Wladimir Tendrjakow hat in einem Roman vorgeführt, wie aus Campanellas Traum ein Schrecken wird.
Die andere Lesart nimmt den Kerker ernst: Campanella schreibt keine Anleitung zur Polizei, sondern das Gegenbild einer geplünderten Provinz. Wer nur die Gütergemeinschaft sieht, verfehlt die Theokratie; wer nur die Sterndeutung sieht, verfehlt die soziale Wut. Der Staat bleibt der Maßstab und der Vorwurf: Platon wollte Wächter ohne Eigentum, Campanella ein Volk ohne Ich. Neben der Kritik des Gothaer Programms, die Jahrhunderte später die Verteilung nach Fähigkeiten und Bedürfnissen auf die Fahne schreibt, wirkt die Sonnenstadt fremd und verwandt: fremd in der Priesterherrschaft, verwandt in der Abschaffung des Mein und Dein. Die Utopie ist hier keine Einladung zur Reise, sondern ein Plan, der den Menschen der Gattung opfert, damit die Gattung gerecht werde.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
