Kritik des Gothaer Programms
| Daten zum Buch | |
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| Deutscher Titel: | Kritik des Gothaer Programms |
| Autor(en): | Karl Marx |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Dietz Verlag |
| Serie: | Marx-Engels-Werke 19 |
| Erscheinungsjahr: | 1891 |
| Seitenanzahl: | 828 Seiten |
| Originaltitel: | - |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3320002198 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783320002190 |
| Schlagwörter: | Kommunismus, Staat, Verteilung, Arbeiterpartei |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Gesellschaftstheorie |
| Rezensionen | |
Kritik des Gothaer Programms ist die 1875 verfasste und 1891 von Friedrich Engels postum veröffentlichte Abrechnung von Karl Marx mit dem Einigungsprogramm von SDAP und ADAV. Marx schickte die Randglossen an Wilhelm Bracke, zur Weitergabe an Bebel, Liebknecht und andere, mit der Bitte um Rücksendung; er wollte sich vom »Prinzipienschacher« der Gothaer Fusion öffentlich distanzieren. Engels druckte den Text in der Neuen Zeit, als die Sozialistengesetze fielen und die Partei sich wieder dem Marxismus zuneigte. Die Schrift ist kurz und eine der wichtigsten Quellen für Marx’ Bild der kommunistischen Gesellschaft.
Inhalt
Marx zerpflückt den ersten Grundsatz, die Arbeit sei die Quelle alles Reichtums. Die Natur sei ebenso Quelle der Gebrauchswerte; die Arbeit selbst sei nur Äußerung einer Naturkraft. Sinnvoll wäre der Satz erst als gesellschaftlicher: In dem Maß, in dem die Arbeit Quelle von Reichtum wird, entwickeln sich Armut auf Seiten des Arbeiters, Reichtum auf Seiten des Nichtarbeiters. Das Monopol der Arbeitsmittel liegt nicht nur bei den Kapitalisten, sondern bei Kapitalisten und Grundeigentümern gemeinsam. Die »gerechte Verteilung des Arbeitsertrags« nennt Marx ökonomisch ungenau: Die Bourgeois behaupten, die heutige Verteilung sei gerecht. Vom gesellschaftlichen Gesamtprodukt gehen zuerst Ersatz, Ausdehnung und Reserve ab, dann Verwaltung, Schulen, Gesundheit, Fonds für Arbeitsunfähige. Erst der Rest kommt zur individuellen Teilung.
In der ersten Phase der kommunistischen Gesellschaft, die aus der kapitalistischen hervorgeht, gilt noch das bürgerliche Recht: gleicher Maßstab, die Arbeit. Gleiche Rechte für Ungleiche erzeugen neue Ungleichheit – der eine ist verheiratet, der andere hat mehr Kinder. Um alle Missstände zu vermeiden, müsste das Recht ungleich sein. Erst wenn die Teilung der Arbeit, der Gegensatz von geistiger und körperlicher Arbeit gefallen ist und der genossenschaftliche Reichtum fließt, kann die Gesellschaft auf ihre Fahne schreiben: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen. Die Arbeiterklasse befreit sich selbst; die übrigen Klassen als »reaktionäre Masse« zusammenzuwerfen, verwirft Marx als lassalleanische Vereinfachung, die Handwerker, Kleinindustrielle und Bauern dem Feind zuschlägt. Die Befreiung nur im nationalen Staat zu denken, verkennt die internationale Verflechtung.
Der zweite Abschnitt gilt Ferdinand Lassalles ehernem Lohngesetz. Der Lohn sei nicht Preis der Arbeit, sondern maskierte Form des Preises der Arbeitskraft: Der Arbeiter darf leben, soweit er umsonst für den Kapitalisten arbeitet. Das Lohnsystem härtet sich, je mehr die Produktivkräfte wachsen, ob der Lohn steigt oder fällt. Der dritte und vierte Abschnitt gelten dem Staat. Marx unterscheidet die erste Phase, in der der Staat noch als Diktatur des Proletariats die Geburtswehen der alten Gesellschaft bewacht, von einer späteren, in der die öffentliche Gewalt den politischen Charakter verliert. Das Gothaer Programm schwärme vom »freien Staat« und bleibe hinter der französischen und amerikanischen Republik zurück, statt die Unterordnung unter das preußisch-deutsche Kaiserreich zu durchschauen. Bildung und Gewissensfreiheit werden gegen die lassalleanische Staatsfrömmigkeit neu gefasst: Der Staat ist nicht Erzieher des Volkes; das Volk erzieht, wenn es so weit ist, den Staat. Der Ton ist gereizt, glosierend, von einer Schärfe, die den Parteifreunden galt, nicht nur den Gegnern.
Einordnung
Im Gothaer Kompromiss von 1875 siegte kurzfristig Lassalle; 1891, mit dem Erfurter Programm, siegte der Text, den Engels nachgeschoben hatte. Die Unterscheidung zweier Phasen, das Recht der Ungleichheit in der ersten, die Losung von Fähigkeiten und Bedürfnissen in der zweiten, ist in die sozialistischen Bewegungen des zwanzigsten Jahrhunderts eingegangen, oft als Katechismus, selten mit Marx’ Vorbehalt, dass die erste Phase die Mängel der alten Gesellschaft noch mit sich schleppt. Wladimir Iljitsch Lenin hat die Schrift für Staat und Revolution ausgebeutet; die Staatssozialismen haben die Diktatur des Proletariats zur Dauer erklärt und die zweite Phase vertagt. Wer nur die Losung zitiert, verfehlt die Abzüge vom Gesamtprodukt und die Nüchternheit, mit der Marx die Verwaltungskosten sinken und die Schulen wachsen sieht.
Neben Das Kapital und dem Manifest der Kommunistischen Partei ist die Gothaer Kritik das dritte Standbein: nicht die Ökonomie der Ware, nicht der Aufruf, sondern die Verfassung der Gesellschaft nach der Umwälzung. Ferdinand Lassalle bleibt der Gegner im eigenen Lager, gefährlicher als der Bourgeois, weil er die Partei auf den Staat und auf ein falsches Lohngesetz verpflichtet. Die Natur als Quelle des Reichtums, gegen den Arbeitsfetisch des Programms, verbindet den Text unerwartet mit ökologischen Fragen, die Marx nicht stellen konnte. Die Randglossen sind keine Programmschrift, sie sind die Weigerung, ein schlechtes Programm schönzureden – und gerade deshalb zum Programm geworden.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
