Kokutairon und reiner Sozialismus

Kita Ikki · 1906 · Sachbuch, Politik


Das Werk
Deutscher Titel: Kokutairon und reiner Sozialismus
Autor(en): Kita Ikki
Originaltitel: 国体論及び純正社会主義
Originalsprache: japanisch
Erstveröffentlichung: 1906
Schlagwörter: Staatswesen, Sozialismus, Japan, Kaiser
Sachgebiete: Sachbuch, Politik
Greifbare Ausgabe
Verlag: Mizusu Shobō


Umfang dieser Ausgabe: 1000 Seiten
ISBN:
Verweise


Kokutairon und reiner Sozialismus (japanisch Kokutairon oyobi junsei shakai-shugi) ist die 1906 erschienene erste große Abhandlung von Kita Ikki, eine Kritik der Meiji-Regierung und ihrer Lehre vom Kokutai, dem japanischen Staatswesen. Der Kaiser, so die herrschende Meinung, sei göttlichen Ursprungs und Träger der Souveränität; Kita widerspricht: souverän sei nur der Staat, der Kaiser ein Organ, das dem Überleben der Gemeinschaft dient. Der Onkel Homma Kazumatsu druckte fünfhundert Stück; das Innenministerium verbot den Band binnen zehn Tagen. Eine vollständige Neuausgabe erschien erst 1959 bei Mizusu Shobō. Das Buch zählt als Frühschrift des Mannes, den man später dem japanischen Ultranationalismus zurechnet.

Inhalt

Kita schreibt gegen die kokutairon-Ideologie der Meiji-Zeit, die in den Schulen den Vorzug der Verfassung und die Heiligkeit des Kaisers lehrte. Nach den Hibiya-Unruhen von 1905, als Teile der Bevölkerung den Frieden von Portsmouth als Demütigung lasen, hält er das Kokutai für ein Werkzeug in den Händen der Genrō, der außerverfassungsmäßigen Alten. Sozialismus und wahres Kokutai seien dasselbe: Souveränität im Staat, Macht beim Volk, der Kaiser nicht Eigentümer des Landes. Kita nennt das den Bürgerstaat-Kokutai. Die Gesellschaft durchlaufe Stufen wie eine Art: zuerst der Kaiser als oberstes Organ, dann die gemeinsame Regierung von Kaiser und Landtag nach der Meiji-Erneuerung, endlich die Herrschaft der als gleich anerkannten Mehrheit. Die dritte Stufe hätte 1868 kommen müssen; die göttliche Kaiserlehre habe sie aufgehalten.

Die Wirtschaft, sagt er, widerspricht diesem Rechtsideal. Eine privilegierte Klasse halte vorrevolutionäre Besitzstände fest; Abhilfe sei die Verstaatlichung von Boden und Kapital. Nach innen also Enteignung der Wirtschaftsaristokraten und allgemeines Wahlrecht; nach außen Imperialismus als Vorbedingung einer Weltföderation, in der Staaten gleich und frei wären, sobald ein Staat die Mehrheit habe. Hier bricht Kita mit den pazifistischen Sozialisten seiner Zeit, die den russisch-japanischen Krieg verwarfen. Er hatte den Krieg befürwortet und denkt den Klassenkampf der Staaten analog zum Klassenkampf im Innern. Lehrer an der Waseda-Universität – Ukita Kazutami, Aruga Nagao, Abe Isoo – haben ihn beeinflusst; der Marxismus färbt die Stufenlehre, der Nationalismus die Außenpolitik.

Das Buch wird unsicher, wo aus der Organtheorie des Kaisers eine Heilsgeschichte des Imperiums wird. Der reine Sozialismus, den Kita meint, soll demokratisch sein und ist zugleich Eroberung. Pazifisten wie Katayama Sen bewunderten die sozialistische Analyse und verwarfen den Kriegskurs; Katayama nannte den Band gleichwohl vielleicht das größte japanische Werk über den Sozialismus. Verleger schreckten vor dem Umfang und vor der Beleidigung der Kaiserfamilie zurück. Christopher Szpilman hat vermutet, Kita habe die Provokation gesucht, um die Behörden zu zwingen, ihn wahrzunehmen; wiederkehrend nennt er das Volk Idioten, denen der Satz von der ungebrochenen Kaiserlinie den Schädel zertrümmert habe. Der Ton ist der der Kampfschrift, weitschweifig und verletzend, ohne die schulmäßige Ruhe westlicher Staatslehre. Die Grenze, die Kita zieht – Kaiser als Organ, Volk als Souverän, Reich als Stufe zur Weltföderation –, ist eine Sprengung der Meiji-Ordnung, keine versöhnliche Reform.

Einordnung

Das Verbot hat die unmittelbare Wirkung erstickt und die spätere Legende begründet. Kita wurde in die revolutionäre China-Gesellschaft eingeladen; sein späteres Denken gilt als eine Quelle des Shōwa-Nationalismus, jenes Gemischs aus Sozialismus, Militarismus und Kaiserkult, das sich der einfachen Lagerordnung entzieht. George Wilson, Danny Orbach und Hiroshi Osedo haben das Erstlingswerk als säkulare, rationale Phase gelesen, vor der späteren Radikalisierung. Neben anderen asiatischen Neuordnungslehren der Jahrhundertwende steht der Band als der Versuch, Marx und Kokutai in einem Atem zu denken.

Geblieben ist ein verbotenes Buch, das den Kaiser entgöttert und den Imperialismus heiligt. Wer die Ideengeschichte Japans zwischen Meiji und Shōwa schreibt, stößt auf diese tausend Seiten, auch wenn sie jahrzehntelang unvollständig blieben. Die Ausgabe von 1959 hat den vollständigen Wortlaut zurückgegeben; die Sprengkraft ist historisch geworden und als Quelle nicht entbehrlich. Der spätere Kita ist in diesen Seiten schon angelegt, nicht schon vollendet.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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