Karte und Gebiet

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Karte und Gebiet
Autor(en): Michel Houellebecq
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: DuMont
Serie:
Erscheinungsjahr: 2010
Seitenanzahl: 416 Seiten
Originaltitel: La carte et le territoire
Originalsprache: französisch
ISBN-10: 3832161864
ISBN-13/

EAN-Code:

9783832161866
Schlagwörter: Kunstmarkt, Frankreich, Mord, Abbildung
Sachgebiete: Roman
Rezensionen
Umschlag

Karte und Gebiet ist der 2010 erschienene Roman von Michel Houellebecq, im Original La carte et le territoire, ausgezeichnet mit dem Prix Goncourt. Der Maler Jed Martin fotografiert Michelin-Karten, malt Berufe, porträtiert den Schriftsteller Michel Houellebecq und zieht sich aufs Land zurück, während Frankreich zum Freizeitpark wird und die Vegetation siegt. Houellebecq hat sich selbst als schrulligen Einsiedler in die Fabel gesetzt und später ermorden lassen. Die deutsche Übersetzung von Uli Wittmann erschien 2011 bei DuMont, wie Unterwerfung. Das Buch ist Kunstroman, Kriminalroman und Prognose, in einem Ton, der Inventar aufnimmt, als wäre Empfindsamkeit unanständig.

Inhalt

Jed Martin, Jahrgang 1975, Sohn eines Architekten, verliert die Mutter durch Selbsttötung und wächst auf Distanz zum Vater auf. An der Kunsthochschule reicht er Tausende Fotografien von Eisenwaren ein. Der Durchbruch kommt mit bearbeiteten Michelin-Karten neben Satellitenbildern derselben Gegend: Die Karte ist interessanter als das Gebiet. Eine Liebe zu Olga, der russischen Pressefrau von Michelin, endet, als sie nach Russland versetzt wird; als sie später nach Paris zurückkehrt, reicht Jeds Gefühl nicht mehr. Er bricht die Kartenarbeit ab und malt jahrelang die Serie einfacher Berufe. Das Gemälde Damien Hirst und Jeff Koons teilen den Kunstmarkt unter sich auf will nicht gelingen. Für den Katalog der Berufsbilder gewinnt er Michel Houellebecq, der in Irland abgeschieden lebt. Jed porträtiert ihn und schenkt ihm das Bild.

Die Ausstellung macht Jed zum teuersten lebenden Maler Frankreichs. Er hört auf zu malen. Am Heiligabend, der Vater hat Krebs, kommt es im Atelier zu einem Gespräch, das die alte Kälte zum ersten Mal aufbricht; der Vater erzählt vom Tod der Mutter. Jed bringt das Porträt nach Souppes, in Houellebecqs gekauftes Geburtshaus. Jahre später wird der Schriftsteller dort zerlegt aufgefunden, der Hund ebenso, die Leichenteile ornamental gelegt. Kommissar Jasselin tappt im Dunkeln, fotografiert Trauergäste, stößt auf Jed. Am Tatort fehlt das Porträt. Drei Jahre später führt ein gehaltener Porsche an der Côte d’Azur zu einem Schönheitschirurgen, der Menschen getötet und präpariert hat; unter der Beute ist das Bild. Jeds Vater stirbt bei Dignitas in Zürich, der Sohn kommt zu spät und schlägt die Geschäftsführerin. Das Porträt wird verkauft, zwölf Millionen für Galerist und Maler.

Jed zieht ins Haus der Großeltern in der Creuse, macht aus dem Grundstück eine Festung, kauft einmal die Woche in Limoges ein. Um 2035, mit sechzig, geht er ins Dorf: keine Bauern mehr, Ferien, gemäßigte ökologische Überzeugungen, Frankreich von Landwirtschaft und Tourismus. In den Jahren der Abgeschiedenheit filmt er Pflanzen im Zeitraffer und den Zerfall von Gegenständen, mit Säure beschleunigt, in Stufen, nicht als Fluss. Darmkrebs hält ihn nicht vom Arbeiten ab. Die letzten Bilder liest der Roman als Nachruf auf das industrielle Europa: Alles von Menschenhand Verfertigte vergeht, die Vegetation trägt den Sieg davon. Der Titel zitiert die alte Warnung, die Karte nicht für das Gebiet zu halten – und zeigt einen Künstler, der gerade davon lebte, dass die Karte mehr galt.

Einordnung

Houellebecq hat den Kunstmarkt, das Netz, das Auto und das Altersheim in denselben Registerton gelegt. Die Figur Houellebecq ist Selbstpersiflage und Köder: Einsamkeit, Alkohol, das Geburtshaus, dann ein Mord, der an Fred Vargas' Leichenzimmer erinnert. 2011 räumte er Übernahmen aus der französischsprachigen Wikipedia ein und dankte im Taschenbuch nachträglich. Die Zukunftsskizze – Tourismus statt Industrie – hat der Politiker Arnaud Montebourg öffentlich als Warnung benutzt. Nach Elementarteilchen und vor Unterwerfung ist dies das Buch, in dem Houellebecq am ehesten erzählt, ohne zu predigen, und am kältesten Abschied nimmt: vom Vater, vom Schriftsteller, vom Land, das sich selbst ausstellt.

Da Houellebecq lebt, steht das Werk hier ohne wörtliches Zitat. DuMont hat die Linie seiner französischen Romane gehalten. Wer nach ihm über Abbildung und Wirklichkeit spricht, spricht hinter Jeds Karten: hinter dem Satz, dass die Michelin-Karte schöner sei als die Landschaft, und hinter dem Wald, der die Werkzeuge frisst.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.