Jäger, Hirten, Kritiker. Eine Utopie für die digitale Gesellschaft

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Jäger, Hirten, Kritiker. Eine Utopie für die digitale Gesellschaft
Autor(en): Richard David Precht
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Goldmann
Serie:
Erscheinungsjahr: 2018
Seitenanzahl: 288 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3442315018
ISBN-13/

EAN-Code:

9783442315017
Schlagwörter: Digitalisierung, Arbeit, Grundeinkommen, Bildung
Sachgebiete: Sachbuch, Zeitdiagnose
Rezensionen
Umschlag

Jäger, Hirten, Kritiker. Eine Utopie für die digitale Gesellschaft ist das 2018 bei Goldmann erschienene Sachbuch von Richard David Precht. Der Publizist fragt nicht, wie wir leben werden, sondern wie wir leben wollen, wenn digitale Technik, Roboter und künstliche Intelligenz große Teile der Erwerbsarbeit ersetzen. Gegen ein bloßes Mitlaufen hinter den Konzernen skizziert er eine Gesellschaft selbstbestimmten Tuns, ohne Dressur und Eintönigkeit. Das Buch wurde ein Verkaufserfolg und löste die erwartbare Debatte über Grundeinkommen, Bildung und den Ernst der Prognose aus. Es steht in der Reihe von Prechts öffentlichkeitswirksamen Zeitdiagnosen, diesmal mit dem Schwerpunkt Arbeit und digitale Umwälzung.

Inhalt

Precht schreibt gegen die Haltung, die digitale Zukunft komme über die Menschen, statt von ihnen gemacht zu werden. Jede Tätigkeit, deren Abläufe sich in Rechenregeln fassen lassen, sei grundsätzlich ersetzbar: Buchhaltung, Verwaltung, Fahrdienste, Bank- und Versicherungsarbeit, große Teile der Rechts- und Steuerberatung. Auch Niedriglohnjobs und viele Fachleute der Informationstechnik hält er für bedroht. Unersetzbar bleiben für ihn Berufe der Zuwendung: Erziehung, Pflege, Medizin. Die Politik sei darauf schlecht vorbereitet; sie überlasse die Richtung den großen Digitalunternehmen. Keine ökonomische Logik erzeuge von selbst ein menschenwürdiges Leben. Die Verteilung von Lebenschancen sei eine politische Aufgabe.

Die positive Behauptung ist eine Utopie auf der Grundlage eines bedingungslosen Grundeinkommens, von Precht 2018 mit eintausendfünfhundert Euro angesetzt und durch eine Steuer auf Finanzgeschäfte finanzierbar. Fällt der Zwang zur eintönigen Lohnarbeit, könne der Mensch Gestalter seines Lebens werden statt bloßer Verkäufer der eigenen Zeit. Glück hänge nicht am wachsenden Bruttoinlandsprodukt, das Energieverbrauch, Erwärmung und Abfall mitführe. Bildung müsse sich von der Zurichtung auf den Arbeitsmarkt lösen und Erinnerung, Urteilskraft und innere Antriebe stärken; lebenslanges Lernen gelinge nur, wer nicht bloß für Noten und Geld arbeite. Die digitale Infrastruktur gehöre, wie die Verkehrswege, in die Hand des Staates, der Schutz der persönlichen Daten und die informationelle Selbstbestimmung der Bürger nicht dem Markt überlassen dürfe. Verbesserungen durch Technik – Medizin, Energie, Pflegehilfen – trennt Precht von Übergriffen auf Freiheit und sittliche Orientierung.

Unsicher wird das Buch in den Schlusskapiteln, den „Nachtgedanken“, die die globale Umsetzbarkeit bezweifeln. Precht stellt drei Szenarien gegeneinander: eine Schreckenszukunft der totalen Steuerung durch Daten, eine Rückwärtsutopie der Traditionssuche, die er ernst nimmt, aber für unmöglich hält, und die offene Utopie des freien Gestaltens. Die Schreckenszukunft ist rhetorisch dicht, die Empirie der Arbeitsmärkte dünner. Studien, die Massenarbeitslosigkeit durch Technik nicht bestätigen, kommen kaum vor. Gegenpositionen sind eingebaut als Technokraten, als Sehnsucht nach Herkunft und als Bequemlichkeit, die Freiheit gegen Komfort tauscht. Die Titelfiguren – Jäger, Hirten, Kritiker – sollen Tätigkeiten jenseits der Fabrik bezeichnen; sie bleiben Bilder, kein Berufsregister.

Einordnung

Elisabeth von Thadden las das Buch als Weigerung, das Handtuch zu werfen, auch wo es wenig Neues biete. Claudia Mäder und Simone Miller bemängelten Alarmismus und eine zu glatte Lösung durchs Grundeinkommen; Johannes Pennekamp verwies auf Ökonomen, die keine Massenarbeitslosigkeit kommen sehen. Der Erfolg beruht auf einem konkreten Vorschlag, wo die Tagespolitik oft nur verwaltet. Precht trifft einen Nerv und vereinfacht die Datenlage. Die Nähe zu älteren Gesellschaftsentwürfen von Campanella über Marx bis Oscar Wilde ist ausgestellt, nicht versteckt.

Neben Hartmut Rosas Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne und Byung-Chul Hans Müdigkeitsgesellschaft steht der Band als populäre Utopie, wo jene die Diagnose liefern. Rosa fragt nach Weltbeziehung, Han nach Selbstausbeutung, Precht nach Einkommen und Stundenplan. Wer das Buch als Sozialwissenschaft liest, überfordert es; wer es als bloße Unterhaltung abtut, verfehlt die Frage, die es richtig stellt: was aus der Leistungsgesellschaft wird, wenn Leistung als Erwerbsarbeit schwindet. Die Antwort bleibt ein Entwurf, kein Beweis.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.