Iphigenie auf Tauris


Das Werk
Deutscher Titel: Iphigenie auf Tauris
Autor(en): Johann Wolfgang von Goethe


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1787
Schlagwörter: Humanität, Tauris, Geschwister, Wahrheit
Sachgebiete: Drama
Greifbare Ausgabe
Verlag: Reclam


Umfang dieser Ausgabe: 80 Seiten
ISBN: 9783150000830
Verweise


Iphigenie auf Tauris ist das Schauspiel von Johann Wolfgang von Goethe, 1779 in Prosa für den Weimarer Hof geschrieben und 1787 in Blankversen gedruckt. Goethe nimmt den Stoff des Euripides und lässt die Lösung nicht von einem Götterapparat kommen, sondern von einer Frau, die nicht lügen will. Das Stück ist das Humanitätsdrama der Weimarer Klassik – „verteufelt human“, wie Goethe selbst spottete, und gerade darum das Maß, an dem sich Torquato Tasso und der spätere Faust messen lassen.

Inhalt

Iphigenie, von Diana dem Opfer in Aulis entrissen, dient auf Tauris als Priesterin. Sie hat den Brauch, Fremde zu schlachten, abgebracht und König Thoas menschlicher gemacht, als das Land es war; nun wirbt er um sie, und sie versagt sich, weil sie das Land der Griechen „mit der Seele“ sucht. Thoas, getroffen, droht, die alten Opfer wieder einzuführen. An die Küste kommen Orest und Pylades: der Bruder, von den Furien gehetzt, weil er die Mutter tötete, und der Freund, der den Orakelspruch so deutet, man müsse Dianas Bild stehlen, die „Schwester“ des Apollon. Sie werden gefangen. Pylades lügt um ihr Leben; Orest, der die Lüge nicht durchhält, sagt der Priesterin die Wahrheit – und erkennt in ihr die Schwester, die in Aulis starb und doch lebt.

Die Wiedererkennung heilt Orest nicht sogleich. Er will sterben, um den Fluch zu enden; Iphigenie und Pylades reißen ihn aus der Vision der Unterwelt, in der die Tantaliden schon versöhnt scheinen. Pylades hat den Plan: Flucht, List, das Bildnis, das Schiff. Iphigenie soll täuschen, den König hinhalten, die befleckte Statue am Ufer waschen. Sie kann es nicht. Zwischen der Rettung des Bruders und dem Wort, das sie Thoas schuldet, wählt sie das Wort. Arkas, des Königs Vertrauter, drängt auf das Opfer; sie hält ihn hin und zerbricht innerlich am Parzenlied, das die Götter als Rächer kennt. Dann geht sie zu Thoas und sagt ihm, wer die Gefangenen sind und dass sie fliehen will.

Thoas zürnt, erst ihr, dann sich, dann dem Muttermörder, den er im Bruder sieht. Orest will die Freiheit erzwingen; Iphigenie bringt alle zum Stehen und erinnert den König an sein eigenes Versprechen, sie zu entlassen, sobald ein Weg nach Hause offen sei. Das Orakel klärt sich: die „Schwester“, die Orest holen sollte, war nicht das Bild der Göttin, sondern Iphigenie selbst. Thoas lässt sie gehen – nicht bekehrt durch eine Predigt, sondern gestellt durch eine Wahrhaftigkeit, der er nichts Ebenbürtiges entgegenzusetzen hat als die alte Härte, die er selbst schon aufgegeben hatte. „Lebt wohl“ ist sein letztes Wort, knapper als jede Versöhnung, und es reicht.

Einordnung

Die Vers-Iphigenie ist das Gegenstück zum Götz von Berlichingen: statt Faustrecht die Rede, statt fünfzig Szenen fünf Personen, statt der offenen Form die geschlossene. Goethe hat den Tantalidenfluch nicht widerlegt, er hat ihn durch eine Haltung unterbrochen, die Thoas nicht zum Barbaren und Iphigenie nicht zur Heiligen macht. Lessings Nathan der Weise bindet die Religionen in eine Familie; Iphigenie bindet Griechen und Taurer in ein Gespräch, das die List des Pylades nicht braucht. Schiller hat das Stück 1802 für die Bühne geschärft, weil ihm die Stille zu groß war; die Kritik hat seither mal die Humanität als Wunschbild, mal Thoas als den eigentlich Verletzten gelesen. Neben dem Torquato Tasso bleibt die Iphigenie Goethes klassische Probe, und neben dem Nathan das deutsche Drama, in dem die Wahrheit nicht siegt, weil sie predigen darf, sondern weil jemand das Risiko eingeht, sie einem Mächtigen zu sagen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.