Il Milione
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Il Milione |
| Autor(en): | Marco Polo |
| Originaltitel: | Divisament dou monde |
| Originalsprache: | altfranzösisch |
| Erstveröffentlichung: | 1298 |
| Schlagwörter: | China, Seidenstraße, Khan, Wunder |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Geschichte |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Insel |
| Serie: | insel taschenbuch |
| Umfang dieser Ausgabe: | 435 Seiten |
| ISBN: | 9783458346814 |
| Verweise | |
Il Milione, auch Die Wunder der Welt, ist der Bericht, den Marco Polo nach der Rückkehr aus Asien 1298 in genuesischer Haft dem Schreiber Rustichello da Pisa diktierte. Der venezianische Kaufmann war mit Vater und Onkel zum Großkhan Kublai gereist, blieb Jahre in dessen Nähe und kam mit einem Buch zurück, das Europa Asien als Inventar gab: Städte, Papiergeld, Postwesen, Sitten, Tiere, Höfe. Der Urtext ist verloren; was blieb, sind altfranzösische und lateinische Fassungen. Christoph Kolumbus fuhr mit einer annotierten Ausgabe. Wer später den Orient als Fülle schrieb, schrieb hinter diesem Milione – auch dort, wo Polo gelogen haben soll.
Inhalt
Niccolò und Maffeo Polo hatten den Weg schon einmal gemacht; Marco, noch jung, geht mit, lernt Sprachen, wird vom Khan gebraucht, reitet Aufträge, sieht, was ein Händler sieht: Zölle, Waren, die Ordnung der Stationen. Das Buch ist keine Innengeschichte. Es ist ein Katalog der Welt, in mehr als zweihundert kurzen Kapiteln: Persien, die Seidenstraße, Catai, das Khanat, Indien, Länder, die er nur vom Hörensagen kennt. Papiergeld staunt er mehr als jedes Fabelwesen; Porzellan, Kohle, die Dichte der Städte, das Relais der Reiter. Dazwischen Wunder, die das Mittelalter erwartete, und Zahlen, die ein Kaufmann braucht. Rustichello, Verfasser von Ritterromanen, gibt dem Stoff die Stimme der Aventiure. Polo gibt ihm die Hartnäckigkeit des Augenzeugen. Beides bleibt im Text.
Die Rückkehr nach Venedig, der Krieg, das Gefängnis in Genua: erst dort wird aus der Fahrt ein Buch, weil jemand zuhört, der schreiben kann. Europa hatte Asien als Rand der Karte; Polo macht es zur Mitte eines Reichs, das reicher organisiert ist als die Kommunen daheim. Der Khan ist nicht der Wilde. Er ist der Herr eines Verwaltungsraums. Genau das hat gewirkt: nicht nur das Exotische, sondern die Behauptung, dort draußen sei Staat, Handel, Alltag. Wer nur die Drachen sucht, hat die Kapitel über das Geld nicht gelesen. Wer nur den Kaufmann sucht, unterschlägt, dass das Buch Jahrhunderte als Lizenz zum Staunen diente, auch wo es log.
Unsicher bleibt, wie weit Polo selbst kam. Die Sinologie hat Lücken gezählt – die Schrift, den Tee, die Fußbindung –, und gefragt, ob ein Mann, der China sah, so schweigen könne. Die Verteidigung sagt: Er sah als Fremder am Hof, nicht als Gelehrter der Schrift. Die Wirkung hängt nicht an der letzten Meile. Kolumbus las den Milione als Weg nach Indien; die spätere Reiseliteratur las ihn als Erlaubnis, die Welt als Wunderkammer zu führen. Forster, Humboldt, die Ethnographie haben gegen diese Kammer geschrieben und sie gebraucht. Die Insel-Ausgabe übersetzt aus den ältesten erhaltenen Quellen. Der genuesische Wortlaut bleibt fort.
Einordnung
Polo hat der europäischen Reise das erste große Buch des Anderswo gegeben, das nicht Heiliges Land und nicht Antike war. Nach der Odyssee die Irrfahrt, nach den Historien die Erkundung: hier das Inventar eines Kaufmanns, das Kolumbus in den Atlantik mitnahm und an dem sich noch der Verdacht entzündet, Reisen sei Lüge. Saids Orientalismus beschreibt, wie aus solchen Büchern Herrschaftswissen wurde. Wer nach 1298 Asien als Fülle aufschlägt, schlägt diesen Milione auf – und muss die Lücken mitlesen, die das Staunen gelassen hat.
Essays
Dieses Buch kommt in diesen Essays vor.
Zehn Reisebücher (Lesepfad)
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.
