Historiae

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Sallust · -35 · Sachbuch, Geschichte
Das Werk
Deutscher Titel: Historiae
Autor(en): Sallust
Originaltitel: Historiae
Originalsprache: lateinisch
Erstveröffentlichung:
Schlagwörter: Bürgerkrieg, Republik, Sulla, Fragment
Sachgebiete: Sachbuch, Geschichte
Greifbare Ausgabe
Verlag: Reclam
Serie: Reclams Universal-Bibliothek
Umfang dieser Ausgabe: 176 Seiten
ISBN: 9783150097991
Verweise
Umschlag

Historiae (Historien) sind das letzte und umfangreichste Geschichtswerk von Sallust, in fünf Büchern in den Jahren vor seinem Tod 35 oder 34 vor Christus geschrieben. Sie behandeln die Zeit vom Tod Sullas 78 vor Christus bis etwa 67 vor Christus und setzen das Werk des Historikers Sisenna fort. Vollständig erhalten sind nur vier Reden und zwei Briefe, die schon in der Antike für den Rhetorikunterricht ausgezogen wurden; dazu kommen Palimpsestblätter, die im neunzehnten Jahrhundert in Fleury, Toledo und Orléans auftauchten, und über fünfhundert Zitate bei Grammatikern. Das Werk ist Zeitgeschichte im Sinne des Thukydides: nah am Geschehen, mit eingelegten Reden, die Charaktere und Lagen verdichten.

Inhalt

Das Buch ist gegen die Verklärung der späten Republik geschrieben und gegen die Legende, nach Sullas Ordnung sei der Frieden zurückgekehrt. Sallust erzählt, nach einem Rückblick, der wohl bis zu den Gracchen und zum Streit zwischen Marius und Sulla reicht, die Jahre, in denen die Gegensätze zwischen Senat und Volk nicht heilten, sondern sich neu bewaffneten. Sullas Regiment brandmarkt er als Tyrannei, die den Riss vertieft habe. Das erste Buch gilt den Jahren 78 und 77: die Rede des Konsuls Marcus Aemilius Lepidus vor dem Volk, der die sullanische Ordnung abschaffen will; die Gegenrede des Lucius Marcius Philippus; Lepidus’ Erhebung und der Krieg in Spanien, den Quintus Sertorius führt. Schon in den erhaltenen Stücken ist der Ton der bekannte sallustische: knapp, archaisierend, moralisch scharf, ohne die Milde des Livius.

An den eingelegten Reden und Briefen wird die Behauptung konkret, dass Ehrgeiz und Geld die Republik zerfressen. Pompeius schreibt 75 an den Senat und fordert Unterstützung; Sallust lässt ihn eitel und von oben herab erscheinen. Der Konsul Gaius Aurelius Cotta redet 75 zum Volk. Der Volkstribun Gaius Licinius Macer ruft 73 zur Wiedergewinnung der Rechte auf, die Sulla genommen habe. Der Brief des Mithridates an den Partherkönig kehrt die römische Sache um: Rom erscheint als Räuber der Könige, nicht als Ordnungsmacht. Das dritte Buch erzählt unter anderem den Feldzug gegen die Seeräuber, den Beginn des Kriegs gegen Mithridates, die Niederlage des Sertorius und den Aufstand des Spartacus; zwei der im neunzehnten Jahrhundert gefundenen Blätter gelten gerade diesem Krieg. Das vierte Buch führt Spartacus in den Untergang und Lucullus gegen Mithridates und Tigranes; das fünfte reicht bis 67 und zeigt Lucullus’ Feldzug am Ende ohne klaren Sieg. Geographische Einschübe – das Schwarze Meer, Kreta, Sizilien – unterbrechen die Kriegserzählung, wie bei den Historikern der Antike üblich.

Unsicher ist, ob Sallust bei 67 enden wollte oder ob der Tod die Arbeit abbrach. Der Zeitpunkt taugt wenig zum wirkungsvollen Schluss; die Forschung streitet, ob ein weiteres Ziel – etwa das erste Konsulat des Pompeius – geplant war. Der fragmentarische Zustand verführt dazu, aus Reden eine ganze Geschichtsphilosophie zu pressen. Sallusts Tendenz ist popular, antimilitärisch gegen die großen Feldherrn, misstrauisch gegen Pompeius; ob er deshalb ein Parteimann des Caesar oder ein Moralist ohne Partei war, bleibt Streit. Gegen ThukydidesGeschichte des Peloponnesischen Krieges fehlt uns der durchlaufende Bericht, der die Reden tragen würde. Was bleibt, sind Stimmen: Lepidus, Philippus, Cotta, Pompeius, Macer, Mithridates. Wer daraus ein geschlossenes Bild der siebziger Jahre macht, ergänzt mehr, als die Blätter hergeben; wer nur die Stilproben liest, verfehlt, dass hier Zeitgeschichte in Stücken überlebt hat.

Einordnung

Die Historien sind Sallusts ehrgeizigstes Werk und das am schlechtesten erhaltene. Neben der Catilinarischen Verschwörung und dem Jugurthinischen Krieg, den Monographien, sollten sie die große annalistische Erzählung sein. In der römischen Historiographie stehen sie zwischen Sisenna und Livius, schärfer als dieser, enger am Bürgerkrieg. Die Reden wurden Schultexte; sie haben das Bild der späten Republik mitgeformt, noch bevor Niebuhr 1817 Blätter in der Vaticana fand. Barthold Georg Niebuhr, die Funde von Toledo und Orléans und die Zitate der Grammatiker haben im neunzehnten Jahrhundert ein Phantomwerk teilweise wieder sichtbar gemacht.

Für die Altertumswissenschaft bleiben die Historien Quelle und Rätsel: Quelle für Sertorius, Spartacus, Mithridates, Rätsel, weil jede Rekonstruktion den Charakter Sallusts mitrekonstruieren muss. Missverstanden werden sie, wenn man die erhaltenen Reden für stenographische Protokolle hält; sie sind Kunstprosa, die Lage und Gesinnung verdichtet. Wer die Krise der Republik erzählen will, kommt an diesen Fragmenten nicht vorbei – und muss sagen, dass er ein Buch benennt, das niemand mehr ganz lesen kann.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.