Hirsauer Jahrbücher

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Johannes Trithemius · 1690 · Sachbuch, Geschichte
Das Werk
Deutscher Titel: Hirsauer Jahrbücher
Autor(en): Johannes Trithemius
Originaltitel: Annales Hirsaugienses
Originalsprache: lateinisch
Erstveröffentlichung: 1690
Schlagwörter: Kloster, Annalen, Reform, Reich
Sachgebiete: Sachbuch, Geschichte
Greifbare Ausgabe
Verlag:
Umfang dieser Ausgabe: 1342 Seiten
ISBN:
Verweise


Die Hirsauer Jahrbücher (lateinisch Annales Hirsaugienses) sind das zweibändige Geschichtswerk, das der Abt und Humanist Johannes Trithemius zwischen 1509 und 1514 über das Benediktinerkloster Hirsau schrieb. Der vollständige Druck erschien erst 1690 in St. Gallen, herausgegeben von Johann Georg Schlegel, nachdem Jean Mabillon den Weg bereitet hatte. Die Jahrbücher sind die zweite Fassung des unvollendet gebliebenen Chronicon Hirsaugiense, an dem Trithemius seit etwa 1495 gearbeitet hatte. Auftraggeber war der Konvent, der eine ruhmreiche Geschichte des eigenen Hauses wollte und ein Honorar versprach. Das Werk gehört zur klösterlichen Geschichtsschreibung der Reformzeit und zur humanistischen Kompilation zugleich.

Inhalt

Trithemius schreibt gegen das Vergessen und gegen eine Klosterchronik, die nur lose Blätter, die sogenannten schedae, und den älteren Codex Hirsaugiensis gekannt hätte. Er ordnet die Überlieferung nach Jahren und füllt dürftige Zeiten mit Exkursen zur Reichsgeschichte, weil die Geschichte der Mönche ihm als Geschichte eines Verfalls erscheint, der der Reform bedarf. Die Anfänge verlegt er nach Fulda in die karolingische Blüte und hebt Hrabanus Maurus hervor, obwohl gesichert nur das Gründungsjahr des Klosters zu halten ist. Die Translation der Gebeine des heiligen Aurelius von Riditio erhält besonderes Gewicht. Genealogie der Habsburger, Ursprünge der Franken, die Italienpolitik Kaiser Maximilians und der Streit mit Frankreich treten neben die Abfolge der Äbte. Juristisch unterscheidet er Königtum (regnum) und Kaisertum (imperium), als gelte es, Begriffe für die Gegenwart zu schärfen.

Die Behauptung entfaltet sich als Kompilation. Hirsau sandte Texte; der Codex des zwölften Jahrhunderts war um 1500 ergänzt worden. Hinzu kamen Heiligenviten – Vita Wilhelmi, Passio Thiemonis, Vita Ermenoldi, Vita Theogeri, die Lebensbeschreibung der heiligen Paulina – und Reichsquellen wie die Chronik des Widukind von Corvey und die Weltchronik des Marianus Scotus. Der erste Band entstand 1509 bis 1511, der zweite war Ende 1514 fertig; die Vorrede des zweiten Bandes gilt dem Mönch Nikolaus Basellius, der den Abt über den Konvent unterrichtet haben dürfte. Trithemius hatte 1493 das Ordenskapitel in Hirsau besucht und kehrte als Beobachter der Bursfelder Reform wieder. Als Abt Blasius 1503 starb, stockte der Auftrag; erst 1509, nach erneuter Zusage, schrieb er weiter, nun nach neuem Plan, weil frisches Quellenmaterial die ältere Chronik überholt hatte.

Unsicher und angreifbar ist das Werk, wo Übertreibung und bewusste Erfindung die Lücken schließen. Die Gründung wird seitenlang ausgemalt, obwohl die Belege dünn bleiben; Klaus Schreiner hat die Jahrbücher als Geschichtsschreibung im Interesse der Reform gelesen, die Wahrheit dem Nutzen der Erneuerung nachordnet. Autographen liegen in der Bayerischen Staatsbibliothek; die Blätter wanderten von Hirsau nach Stuttgart, 1568 nach Tübingen, 1635 nach München. Konrad Pellikan benutzte den ersten Band schon 1512. Die Gegenposition ist die quellenkritische Historiographie, die Fälschung nicht als humanistische Zier, sondern als Täuschung behandelt. Trithemius selbst arbeitete sich in diesen Jahren auf; die Forschung hat vermutet, Schlaflosigkeit und Fasten hätten den Tod des Fünfzigjährigen beschleunigt.

Einordnung

Die Jahrbücher sind ein Hauptstück der Hirsauer Überlieferung und ein Dokument, wie Reformäbte Geschichte als Spiegel und als Waffe brauchten. Otto Herding und Anna Claudia Nierhoff haben die Ruhmesliste und ihre Aufnahme untersucht; Schreiners Aufsatz in den Rheinischen Vierteljahrsblättern bleibt die klassische Quellenkritik. Neben den Annalen des Tacitus, deren Form das Jahr als Gerüst nimmt, stehen sie als klösterliche, nicht als senatorische Annalistik. Das ältere Chronicon erschien 1559 in Basel und 1601 in Marquard Frehers Trithemius-Ausgabe; die Annalen selbst wurden erst im Zeitalter Mabillons vollständig gedruckt. Ein Faksimile von 2014 hat beide Bände wieder greifbar gemacht.

Das Missverständnis ist, hier eine zuverlässige Klosterchronik im Sinn der neueren Landesgeschichte zu erwarten oder Trithemius nur als Fälscher abzutun. Er kompiliert, erfindet und politisiert, und gerade darin zeigt er, was um 1500 eine Abtei von ihrer Vergangenheit verlangte: Herkunft, Heilige, Reichsnähe und ein Argument für die Reform. Geblieben sind die Handschriften und die Einsicht, dass humanistische Klostergeschichte Wahrheit und Ruhm nicht trennt. Wer über Hirsau, die Bursfelder Kongregation oder Trithemius als Historiographen spricht, kommt an den Jahrbüchern nicht vorbei.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.