Hellenika Oxyrhynchia

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Hellenika Oxyrhynchia
Autor(en): Anonymus der Hellenica Oxyrhynchia
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Wissenschaftliche Buchgesellschaft
Serie: Texte zur Forschung
Erscheinungsjahr:
Seitenanzahl: 176 Seiten
Originaltitel: Ἑλληνικὰ Ὀξυρρύγχια
Originalsprache: griechisch
ISBN-10: 3534185005
ISBN-13/

EAN-Code:

9783534185001
Schlagwörter: Griechenland, Papyrus, Zeitgeschichte, Thukydides
Sachgebiete: Sachbuch, Geschichte
Rezensionen
Umschlag

Die Hellenika Oxyrhynchia sind ein anonymes griechisches Geschichtswerk, das nur in Papyrusfragmenten aus Oxyrhynchos in Ägypten erhalten ist. Der Londoner Papyrus wurde 1906 gefunden, der Florentiner 1934, dazu ein kurzes Stück in Kairo; etwa neunhundert lückenhafte Zeilen sind bekannt. Der unbekannte Verfasser setzt die Erzählung des Thukydides fort und bietet damit eine Parallelüberlieferung zu Xenophons Hellenika. Stil und Arbeitsweise stehen Thukydides näher als Xenophon: schlichte Prosa, häufige Exkurse, keine Reden, Jahreszählung nach einem Epochenjahr, der spartanischen Hegemonie von 403/02. Der ursprüngliche Titel ist verloren; Hellenika bezeichnet allgemein ein Werk zur griechischen Zeitgeschichte.

Inhalt

Das Buch, soweit es lesbar ist, schreibt gegen eine Geschichtsschreibung aus Parteinahme und Hörensagen, ohne dass der Autor sich namentlich gegen Xenophon wendet. Der Florentiner Papyrus berichtet von der Schlacht bei Notion im dekeleisch-ionischen Krieg 407 vor Christus. Der Londoner Papyrus gilt den Jahren 397 bis 395: dem Seekrieg der Perser unter Konon gegen Sparta, den Kämpfen zwischen Theben und Phokis, den Landoperationen des Agesilaos in Kleinasien und einem gewichtigen Exkurs über die Verfassung des böotischen Bundes. Das Kairoer Fragment schildert das Scheitern der athenischen Offensive vor Ephesos 409. Der Autor hat, so die Mehrheitsmeinung, nach Autopsie und eigener Erkundung gearbeitet, im Sinn des thukydideischen Maßstabs.

Die Behauptung des Werks liegt in der Art des Erzählens. Wo Xenophon knapper, parteiischer, sokratisch gefärbt berichtet, liefert der Oxyrhynchos-Historiker institutionelle Einschübe und militärische Einzelheiten, die anderswo fehlen. Der böotische Exkurs ist für die Verfassungsgeschichte Mittelgriechenlands unverzichtbar. Die Fortsetzung des Peloponnesischen Krieges und der spartanischen Vorherrschaft erscheint als zusammenhängende Zeitgeschichte, nicht als Memoiren eines Beteiligten. Damit tritt das Fragmentwerk neben Thukydides’ Geschichte des Peloponnesischen Krieges als Versuch, denselben Stoff in derselben Nüchternheit weiterzuführen. Die Lücken machen jede Gesamtdeutung vorläufig: was erhalten ist, sind Schlachten, Verfassungen, Züge, keine geschlossene Moral.

Unsicher ist vor allem der Name. Vorgeschlagen wurden Ephoros von Kyme, Theopompos von Chios, Androtion, Daimachos und Kratippos von Athen. Viele halten Kratippos für den wahrscheinlichsten Kandidaten, im Blick auf Zeitstellung und auf Plutarchs Urteil. Bruno Bleckmann plädiert nachdrücklich für Theopompos und hält das Werk für eine Ausschmückung älterer Vorlagen, namentlich Xenophons, mit geringem eigenem Quellenwert; er greift damit eine Überlegung Georg Busolts auf. Die Gegenposition sieht in den Fragmenten eine unabhängige, oft zuverlässigere Tradition, die auch bei Diodor, Nepos und Justin durchscheint. Solange der Autor namenlos bleibt, bleibt auch der Quellenwert streitig.

Einordnung

Die Hellenika Oxyrhynchia gehören zu den Glücksfällen der Papyrologie: ein Geschichtswerk ersten Ranges, das die handschriftliche Überlieferung nicht retten wollte. Felix Jacoby nahm es in die Fragmente der griechischen Historiker auf; Vittorio Bartoletti gab den Text in der Teubneriana heraus; Ralf Behrwald hat ihn deutsch kommentiert. Für die Jahre nach 411 sind die Fetzen unverzichtbar, auch wo sie Xenophon widersprechen oder ergänzen. Die Verfasserfrage ist nicht antiquarische Spielerei: an ihr hängt, ob man eine unabhängige Stimme oder eine rhetorische Überarbeitung liest.

Neben Thukydides und Xenophon steht der Anonymus als dritte Stimme der klassischen Zeitgeschichte. Wer nur Xenophon kennt, erhält ein lakedämonisch gefärbtes Bild der spartanischen Hegemonie; wer die Oxyrhynchos-Hellenika danebenlegt, sieht Institutionen und Operationen, die jener übergeht. Wer das Fragmentwerk zur Hauptsache macht, überschätzt, was neunhundert lückenhafte Zeilen tragen können. Die offene Gesellschaft der Historiker hat sich hier an einem namenlosen Kollegen abzuarbeiten – und tut es seit einem Jahrhundert, ohne den Namen gefunden zu haben.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.