Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre |
| Autor(en): | Johann Gottlieb Fichte |
| Originaltitel: | Grundlage der gesammten Wissenschaftslehre |
| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1794 |
| Schlagwörter: | Ich, Nicht-Ich, Tathandlung, Idealismus |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Meiner |
| Serie: | Philosophische Bibliothek |
| Umfang dieser Ausgabe: | 274 Seiten |
| ISBN: | 9783787313341 |
| Verweise | |
Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre ist das 1794 und 1795 in Lieferungen erschienene systematische Hauptwerk von Johann Gottlieb Fichte und eines der zentralen Bücher des nachkantischen Idealismus. Fichte, durch den Versuch einer Kritik aller Offenbarung berühmt, wurde mit Goethes Empfehlung nach Jena berufen und schrieb die Bogen jeweils vor der Vorlesung; der hektische Ursprung ist dem Text anzumerken. Die Wissenschaftslehre sollte die Philosophie zur Wissenschaft machen, indem sie alles Wissen aus Grundsätzen ableitet. Fichte hat sie zu Lebzeiten mehrfach umgearbeitet; die Jenaer Grundlage blieb die folgenreichste Fassung. Die Meiner-Ausgabe folgt dem verbesserten Text von 1802.
Inhalt
Das Buch ist gegen zwei Weisen geschrieben, nach Kant weiterzugehen: gegen den Glauben, man könne bei den Gegenständen der Erfahrung als Letztem stehenbleiben, und gegen den Verdacht, Kant habe das Ich nur als Rand der Erkenntnis gelassen. Fichte sucht die Tathandlung, die allem Bewusstsein zugrunde liegt: das Ich setzt sich selbst, und es ist vermöge dieses Setzens. Handelndes und Hervorgebrachtes sind dasselbe; »Ich bin« ist der Ausdruck dieser Tathandlung, nicht die Beschreibung eines vorgefundenen Dings. Der zweite Grundsatz ist dem Gehalt nach bedingt: dem Ich wird ein Nicht-Ich entgegengesetzt. Ursprünglich ist nur das Ich gesetzt; entgegengesetzt werden kann darum nur ihm. Der dritte Grundsatz ist der Form nach bedingt: Ich und Nicht-Ich begrenzen einander im Ich, beide als teilbar. Über diese Erkenntnis, sagt Fichte, gehe keine Philosophie hinaus; bis zu ihr zurückgehen solle jede gründliche. Die drei Sätze entsprechen den Kategorien der Qualität bei Immanuel Kant: Realität, Negation, Limitation.
Aus den Grundsätzen folgen ein theoretischer und ein praktischer Teil. Theoretisch erklärt Fichte, wie Vorstellung möglich ist: das Ich setzt im Ich ein Nicht-Ich und stößt an eine Schranke, die es nicht selbst gemacht zu haben scheint, die Anstoß heißt. Praktisch erklärt er, warum das Ich nicht ruhen kann: es soll das Nicht-Ich der Vernunft unterwerfen, die Welt dem Sollen angleichen. Damit ist die Einheit von theoretischer und praktischer Vernunft, die Kant in zwei Kritiken auseinandergehalten hatte, als ein und dieselbe Tätigkeit des Ich behauptet. Der Stil ist schulmäßig, neu in der Wortbildung, oft atemlos. Wer das Buch als Seelenlehre liest, verfehlt, dass Ich hier nicht das empirische Individuum ist, sondern der Grund des Wissens. Wer es als bloße Spekulation liest, verfehlt den Anspruch, die Erfahrung selbst aus der Tathandlung verständlich zu machen.
Unsicher wird das Unternehmen schon durch seine Entstehung: aus der Hand in die Vorlesung, ohne ruhendes Manuskript, später zehn Fassungen. Zeitgenossen hörten Atheismus, weil Gott nicht als Ding neben dem Ich vorkommt; Fichte antwortete mit der moralischen Weltordnung und verlor dennoch Jena. Friedrich Heinrich Jacobi fürchtete den Nihilismus: wenn alles im Ich gründet, bleibe nichts. Friedrich Wilhelm Joseph Schelling und Georg Wilhelm Friedrich Hegel nahmen den Impuls auf und warfen Fichte vor, im subjektiven Idealismus steckenzubleiben, das Nicht-Ich nur als Gegenspieler des Ich zu denken. Fichte selbst hat die Grundlage später für unzureichend gehalten und die Wissenschaftslehre von 1804 an anders angesetzt, vom Absoluten her, nicht vom Setzen. Die Jenaer Schrift bleibt trotzdem der Text, an dem der deutsche Idealismus sich entzündet hat: als Versprechen, Kant zu vollenden, und als Skandal, das Ich zum Anfang zu machen.
Einordnung
Ohne die Grundlage gäbe es den Weg von der Kritik der reinen Vernunft zur Phänomenologie des Geistes nicht in dieser Schärfe. Hegel bewahrt Fichtes Gang vom Unbedingten und verwirft die Schranke, an der das Ich stehenbleibt. Schellings Naturphilosophie antwortet auf ein Nicht-Ich, das mehr sein soll als Gegensetzen. Die Wissenschaftslehre Bernard Bolzanos trägt denselben Namen und meint das Gegenteil: logische Regeln der Wissenschaften, nicht die Bedingungen jedes Wissens. In der Meiner-Bibliothek steht Fichtes Band neben Kant als das Buch, mit dem die nachkantische Systemphilosophie beginnt.
Missverstanden wird es, wenn man »das Ich setzt sich« als Egoismus oder als Allmachtsphantasie eines Professors liest; gemeint ist der Grund, ohne den Vorstellung nicht einmal irren könnte. Die Dunkelheit ist nicht Zierde, sie kommt aus der Aufgabe, das Nächstliegende – dass es Bewusstsein gibt – als Tat zu fassen. Wer nach 1794 über Subjektivität spricht, spricht hinter dieser Vorlesung, auch dort, wo er Fichte für unlesbar hält und Hegel für die lesbarere Fortsetzung.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.
