Geschlossene Gesellschaft

Jean-Paul Sartre · 1944 · Drama


Das Werk
Deutscher Titel: Geschlossene Gesellschaft
Autor(en): Jean-Paul Sartre
Originaltitel: Huis clos
Originalsprache: französisch
Erstveröffentlichung: 1944
Schlagwörter: Hölle, Blick, Freiheit, Unaufrichtigkeit
Sachgebiete: Drama
Greifbare Ausgabe
Verlag: Klett-Cotta


Umfang dieser Ausgabe: 72 Seiten
ISBN: 9783125984004
Verweise


Geschlossene Gesellschaft (französisch Huis clos) ist das einaktige Stück von Jean-Paul Sartre, am 27. Mai 1944 im Théâtre du Vieux-Colombier in Paris uraufgeführt, unter deutscher Besatzung. Drei Tote werden in einem Salon des Zweiten Kaiserreichs zusammen eingeschlossen, ohne Folterknecht, ohne Schwefel, und begreifen, dass sie einander die Strafe sind. Der Satz, den das Stück hinterlassen hat – die Hölle, das sind die anderen –, ist genauer, als das Zitat trägt: Nicht der andere an sich ist die Hölle, sondern der Blick, dem man sich nicht entziehen kann, weil die Tür nur scheinbar verschlossen ist. Sartre hat die Ontologie aus Das Sein und das Nichts auf die Bühne gestellt, ohne sie vorzulesen.

Inhalt

Ein Diener führt Joseph Garcin in den Raum: keine Fenster, keine Spiegel, ein Bronzestandbild, eine Klingel, die nicht gehorcht. Garcin, Journalist aus Rio, erwartet Pech und Zange; er erhält Polstermöbel. Es folgen Inès Serrano, die Angestellte der Post, und Estelle Rigault, die junge Frau aus besserem Haus. Alle drei sind tot, das begreifen sie nacheinander, und keiner will dem anderen die Todesart glauben. Garcin ist als Deserteur erschossen worden und besteht darauf, ein Pazifist gewesen zu sein; Inès hat die Frau ihres Vetters in den Tod getrieben und den Gashahn aufgedreht; Estelle hat das Kind ertränkt, das nicht in ihre Ehe passte. Jeder sieht auf der unsichtbaren Erde noch eine Weile das eigene Nachleben: die Kollegen, die Geliebte, die Trauergäste. Dann reißt die Verbindung ab.

Der Salon gibt keinen Schlaf. Die Lider fehlen, die Nacht fehlt, die Einsamkeit fehlt. Inès durchschaut zuerst, dass sie einander zugeteilt sind: nicht zufällig drei Beliebige, sondern eine Maschine aus Begehren und Verachtung. Estelle will von Garcin als Frau gesehen werden, damit sie sich im fremden Blick als existierend fühlt; Spiegel hat der Raum ihr genommen. Garcin will von Inès das Urteil, er sei kein Feigling – gerade von ihr, weil sie nicht zu kaufen ist. Inès will Estelle und hasst Garcin, der ihr die Szene stiehlt. Jeder braucht den anderen als Zeugen und macht ihn zur Falle. Die Versuche, zu zweit gegen den Dritten zu stehen, scheitern, weil der Dritte zuschaut und der Zuschauer die Freiheit des Paares zersetzt.

Garcin rüttelt an der Tür; sie öffnet sich. Niemand geht. Draußen wäre die ungerichtete Weite, drinnen ist wenigstens ein Blick, der einen meint. Estelle versucht, Inès zu töten, und begreift, dass man Tote nicht umbringt. Der Schluss ist keine Erlösung und keine Verdammnis im kirchlichen Sinn: Die drei bleiben, werden sich erzählen, was sie sind, und daran nicht sterben können. Sartre zeigt keine Theologie des Jenseits. Er zeigt, was schon im Sein und das Nichts steht – dass ich für den anderen zur Eigenschaft gerinne, sobald er mich ansieht, und dass die Unaufrichtigkeit darin besteht, dieses Gerinnen für eine Natur zu halten. Die Hölle ist die Unmöglichkeit, allein mit sich fertigzuwerden.

Einordnung

Das Stück hat dem Existentialismus die sprechbarste Formel geliefert und ihn damit auch verflachbar gemacht. Wer nur den Satz von der Hölle kennt, hält Sartre für einen Misanthropen; das Buch Das Sein und das Nichts und der Vortrag L’existentialisme est un humanisme setzen dagegen: Der andere stiehlt die Szene, aber ohne ihn gäbe es keine Wahrheit über mich. Simone de Beauvoir hat in Das andere Geschlecht denselben Blick als Lage der Frau beschrieben, nicht als allgemeines Zimmerspiel. Albert Camus blieb im Mythos des Sisyphos beim Absurden ohne diese Ontologie des Blicks. Uraufführung unter der Besatzung, später Schulstück und Kellercliché: Die lange Bühnenleben hat die Enge des Salons oft zur Pointe gemacht, die sie nicht ist. Geblieben ist ein Akt, in dem Freiheit heißt, dass niemand das eigene Urteil an den anderen abgeben kann – und es trotzdem unentwegt versucht.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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