Geschichte der O
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Geschichte der O |
| Autor(en): | Anne Desclos |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Rowohlt |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1954 |
| Seitenanzahl: | 187 Seiten |
| Originaltitel: | Histoire d'O |
| Originalsprache: | französisch |
| ISBN-10: | 3499141264 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783499141263 |
| Schlagwörter: | Unterwerfung, Liebe, Schloss, Einwilligung |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Geschichte der O erschien 1954 in Paris unter dem Namen Pauline Réage; hinter dem Pseudonym stand Anne Desclos, die als Lektorin Dominique Aury bekannt war. Der französische Titel lautet Histoire d'O. Desclos schrieb den Text in wenigen Monaten für den zwanzig Jahre älteren Jean Paulhan, der bezweifelt hatte, eine Frau könne erotische Prosa von Rang verfassen. Jean-Jacques Pauvert druckte zweitausend Exemplare mit Paulhans Vorwort; 1955 erhielt das Buch den Prix des Deux Magots und landete dennoch auf dem Index. Die deutsche Übersetzung erschien 1967 bei Melzer, später als Taschenbuch bei Rowohlt. Der Roman erzählt eine freiwillige Unterwerfung in der Sprache der klassischen französischen Erzählung, ohne Schimpfwörter und ohne moralisierenden Erzähler.
Inhalt
O, eine erfolgreiche Modefotografin in Paris, lässt sich von ihrem Geliebten René in ein abgelegenes Schloss namens Roissy bringen. Dort gelten Regeln, die sie kennt und bejaht: Verfügbarkeit, Schweigen, Strafe. Die Männer des Hauses bilden sie zur Dienerin aus; nichts geschieht, ohne dass sie zuvor zugestimmt hat, und gerade aus dieser Zustimmung bezieht sie ein Selbstgefühl, das der Roman nicht als Schwäche auslegt. Nach der Zeit in Roissy erfüllt sie Renés Wunsch, bei seinem älteren Freund Sir Stephen zu wohnen und sich dessen Willen zu fügen. Sir Stephen ist strenger als René; O verliebt sich in ihn.
Zum Beweis dieser Bindung geht sie nach Samois, einem Haus, das nur von Frauen geleitet wird. Dort erhält sie Brandmale und Ringe als Zeichen, dass sie Sir Stephens Eigentum ist. Der Roman beschreibt diese Vorgänge aus ihrer Wahrnehmung, ohne zu erklären, warum sie bleiben will. Bekannt ist die Stelle, in der sie während einer Strafe die abgetragenen Hausschuhe des Geliebten sieht und sich vornimmt, ihm neue zu besorgen: Die Zärtlichkeit sitzt neben der Härte, und der Text wertet keine von beiden. Ein gestrichenes Schlusskapitel deutet an, Sir Stephen werde O verlassen; in einer Variante wünscht sie sich den Tod und erhält die Zustimmung. Desclos hat den Anhang später anders geschrieben.
Die 1969 erschienene Rückkehr nach Roissy führt O wieder ins Schloss, diesmal ohne die strenge Ökonomie der ersten Erzählung. Am Ende erscheint die Polizei, die Sir Stephen sucht; O wird gesagt, sie sei frei und könne bleiben, wenn sie wolle. Die Autorin hat diese Fortsetzung als Abstieg bezeichnet und davor gewarnt, sie in den ersten Roman hineinzuziehen. Der Kern bleibt die erste Erzählung: eine Frau, die den eigenen Willen abtritt und darin eine Form von Macht findet, die der Text nicht auflöst. Paulhans Vorwort hatte genau diese Freiwilligkeit als das Unerhörte benannt, nicht die Strafe.
Einordnung
Georges Bataille hat das Buch früh als erotische Literatur ernst genommen; Susan Sontag nannte es in The Pornographic Imagination ein hochliterarisches Werk und ein Beispiel dafür, dass anspruchsvolle Pornografie ein eigenes Genre sein könne. Walter Jens schrieb 1967 für die Bundesprüfstelle, hier stehe nicht Unterhaltung zur Debatte, sondern ein Werk der Kunst, dessen Mitte nicht das Erotische, sondern das Geistige sei. Andrea Dworkin las die Figur als männliche Phantasie der Unterwerfung, auch wenn die Verfasserin eine Frau war. Die Bundesprüfstelle indizierte deutsche Ausgaben; seit 2000 ist der Text in einer Charon-Edition mit Beitext frei erhältlich. Desclos deckte die Urheberschaft erst 1994 im New Yorker öffentlich.
Die Verfilmung von Just Jaeckin 1975 mit Corinne Cléry und Udo Kier hat Handlung und Schluss stark verändert und den Roman zum Bild eines Genres gemacht, das der Prosa nicht entspricht: Desclos schreibt ohne schmutzige Wörter in der Nachfolge der klassischen Moralisten. Gegenüber Lady Chatterley fehlt jede versöhnliche Natur; gegenüber späteren Nachahmungen fehlt der Witz des Einverständnisses, das der Text nie als Rezept ausgibt. Wer das Buch für eine Anleitung hält, hat die Kälte der Sätze nicht gelesen. Es bleibt ein Roman über Liebe als Aufgabe des Willens, geschrieben, um einen Mann zu binden, und gelesen als Streitfall der Moderne.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
