Freundlicher Faschismus
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Freundlicher Faschismus |
| Autor(en): | Bertram Gross |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1980 |
| Seitenanzahl: | 410 Seiten |
| Originaltitel: | Friendly Fascism: The New Face of Power in America |
| Originalsprache: | englisch |
| ISBN-10: | 0871313170 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9780871313171 |
| Schlagwörter: | Faschismus, Kapital, Staat, Demokratie |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Politik |
| Rezensionen | |
Freundlicher Faschismus ist die 1980 bei M. Evans in New York erschienene Untersuchung von Bertram Gross über eine mögliche autoritäre Zukunft der Vereinigten Staaten. Der englische Originaltitel Friendly Fascism: The New Face of Power in America nennt das neue Gesicht der Macht; eine deutsche Buchausgabe liegt nicht vor. Gross, der im New Deal an der Planung sozialer Sicherung mitgearbeitet hatte, beschreibt keine Wiederkehr der braunen Aufmärsche, sondern eine schleichende Verschmelzung von Großkapital und Großstaat hinter demokratischen Formen. Das Buch steht in der Nachbarschaft von C. Wright Mills’ Lehre von der Machtelite und will warnen, solange die Warnung noch greifen kann. Es ist Zeitdiagnose und Szenario, kein Geschichtsbuch des europäischen Faschismus.
Inhalt
Gross schreibt gegen die Beruhigung, Faschismus sei ein abgeschlossenes europäisches Unglück oder nur die Sache militanter Minderheiten. Was er freundlichen Faschismus nennt, ist eine Herrschaftsform, in der Konzerne und zentrale Verwaltung die Bevölkerung verwalten, ohne die Verfassung förmlich zu zerreißen. Die klassischen Faschismen hätten mit Gewalt und plötzlichem Umsturz die Macht genommen; das amerikanische Gegenstück wachse aus Inflation, wiederkehrender Krise, verborgener Arbeitslosigkeit und der Gewöhnung an Überwachung. Gross nimmt die Geschichte des Faschismus ernst, aber er liest sie als Lehrstück über die Verbindung von Monopolkapital und Staat, nicht als Kostümprobe. Der Kapitalismus sei keine nationale Produktionsweise, deshalb müsse die Gefahr international gedacht werden. Die Demokratie, so seine Behauptung, könne sich selbst ausspielen, indem sie Verfahren stehen lässt und den Inhalt an Verwalter abgibt.
Die Behauptung entfaltet sich an der amerikanischen Nachkriegsordnung. Großunternehmen und Bundesbehörden bilden ein Bündnis gesichtsloser Verwalter, das Kriege, Wohlfahrt und Konsum lenkt, ohne sich dem Wähler als Partei des Terrors zu zeigen. Gross schildert, wie Krisen der siebziger Jahre – Energie, Stagflation, Vertrauensverlust – den Ruf nach starker Führung nähren, und wie dieser Ruf in die Sprache der Effizienz übersetzt wird. Gegenbewegungen, die er nicht für hoffnungslos hält, lägen in klaren, breit geteilten Zielen und in Eingeweihten der Apparate, die Beschäftigung ohne Ausbeutung, Umweltzerstörung und Militarismus suchen. Die Hoffnung bleibt schwach; sie ist ein politisches Programm, keine Prophetie. Beispiele holt er aus der Geschichte des New Deal, den er kannte, und aus der damaligen Gegenwart vor der Wahl Ronald Reagans.
Unsicher wird das Buch, wo aus der Diagnose ein Szenario wird. Gross schreibt vor Reagan, und spätere Leser haben ihn als erstaunlich scharfsinnigen Propheten gelobt, als sei die Amtszeit der Beweis. Das ist eine Lesart, die das Buch schärfer macht, als es sich selbst gibt: Es bietet mögliche Zukünfte, keine unfehlbare Vorhersage. Die Kritik hat den Ton einer Klage genannt, liberal und konservativ zugleich, weil beide das Gefühl teilten, die Amerikaner könnten sich bald nicht mehr selbst regieren. Gegner werden einwenden, der Faschismusbegriff werde verdünnt, wenn er ohne Lager und ohne Führer auskommt. Gross beharrt darauf, dass gerade die Freundlichkeit das Neue sei: die Macht, die lächelt, während sie zentralisiert.
Einordnung
In der amerikanischen Linken der späten siebziger Jahre war das Buch eine zeitgemäße Warnung, keine akademische Theorie. Jason Epstein las darin das verbreitete Gefühl, die Demokratie habe sich selbst erschöpft; der Historiker Gaddis Smith nannte es eine aufschlussreiche Klage über zentralisierte Macht. Neben Mills’ Soziologische Phantasie steht es als Versuch, private Unsicherheit als öffentliche Herrschaftsfrage zu lesen, ohne die Soziologie ins Seminar zurückzuziehen. Gregory Shank betonte, Gross wolle auf eine klare und gegenwärtige Gefahr aufmerksam machen, nicht auf ein europäisches Gespenst. Eine deutsche Übersetzung fehlt, was die Rezeption im deutschen Sprachraum auf Zitate und den Originaltitel beschränkt hat.
Das Missverständnis liegt darin, den freundlichen Faschismus für eine bloße Schmähung des Gegners zu halten oder ihn mit dem historischen Faschismus gleichzusetzen. Gross meint eine Tendenz der Verwaltungs- und Kapitalmacht, nicht die Wiederholung der dreißiger Jahre. Geblieben ist die Frage, ob demokratische Formen die Konzentration von Wirtschaft und Staat noch binden oder nur verdecken. Wer nach 1980 über autoritäre Versuchungen westlicher Demokratien spricht, findet in diesem Buch ein Vokabular, das nüchterner ist als die Schlagzeile und älter als die Debatten des einundzwanzigsten Jahrhunderts.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
