Frau Jenny Treibel

Theodor Fontane · 1892 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Frau Jenny Treibel
Autor(en): Theodor Fontane
Originaltitel: Frau Jenny Treibel
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1892
Schlagwörter: Berlin, Besitz, Heirat, Phrasen
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Reclam


Umfang dieser Ausgabe: 240 Seiten
ISBN: 9783150076354
Verweise


Frau Jenny Treibel oder „Wo sich Herz zum Herzen find’t“ ist ein Roman von Theodor Fontane, 1892 in der Deutschen Rundschau vorabgedruckt und Ende des Jahres als Buch ausgeliefert. Fontane wollte, wie er dem Sohn schrieb, das Hohle, Phrasenhafte, Lügnerische des Bourgeoisstandpunkts zeigen, der von Schiller spricht und den Modesalon meint. Jenny Treibel, geborene Bürstenbinder, singt das Ideal und heiratet das Gewicht. Neben Effi Briest und Irrungen, Wirrungen ist dies Fontanes witzigstes Gesellschaftsbuch, ohne Duell und ohne Grab, mit einer Hochzeit, die die richtige ist, nachdem die falsche geplatzt ist.

Inhalt

Zwei Berliner Häuser stehen gegeneinander: der Kommerzienrat Treibel mit der Berliner-Blau-Fabrik, Jenny und den Söhnen Otto und Leopold; der Gymnasialprofessor Wilibald Schmidt mit der Tochter Corinna. In der Jugend wohnte Jenny gegenüber dem Studenten Schmidt, nahm seine Gedichte, darunter das Lied mit der Stelle „Wo sich Herzen finden“, und gab ihm den Laufpass, als der reiche Treibel warb. Das Lied lässt sie bei Gesellschaften vortragen und redet vom Höheren, während Schmidt feststellt, sie habe nur ein Herz für das, was Zins trägt. Corinna will aus dem bescheidenen Professorenhaus in den Wohlstand; Leopold, schwach und von der Mutter beherrscht, bewundert sie heimlich. Zwischen den Häusern verkehrt man höflich, isst zusammen und misst einander.

Nach einer Landpartie verloben sie sich im stillen. Jenny will die Verbindung lösen, nicht weil Corinna berechnet, sondern weil sie außer einer Bettlade nichts mitbringt. Leopold schreibt Briefchen bis nach Gretna Green und tut nichts. Treibel agitiert für den Reichstag, Schmidt wartet auf Corinnas Ehrgefühl. Die Wirtschafterin Rosalie Schmolke hilft der Tochter, die entwürdigende Lage zu sehen. Corinna löst die Verlobung und bittet den Vetter Marcell Wedderkopp, den angehenden Archäologen, um Verzeihung. Marcell, soeben Oberlehrer, macht ihr den Antrag.

Die Hochzeit versöhnt die Häuser, Leopold bleibt zu Hause. Ottos Frau Helene, eine Hamburgerin von Syndikatsstolz, ist kälter als Jenny: sie braucht keine Schiller-Phrasen, nur die glatte Fassade. Treibel selbst wäre die Heirat Corinnas beinahe mit heiterer Resignation hingenommen; unter Jennys Einfluss siegt der Besitz. Fontane lässt die Figuren reden, fast bühnenreif. Das Humane sitzt bei Schmidt, Marcell, Distelkamp und Schmolke; die Professoren Kuh und Rindfleisch tragen die Eitelkeit der Bildung ohne Herz. Corinna ist klug, unternehmend, nicht leidenschaftlich; sie hätte sich mit Leopold nicht gelangweilt und wäre nicht glücklich geworden.

Einordnung

Der Roman steht im bürgerlichen Berlin, nicht im Adel von Effi Briest. Wo Effi an der Eheordnung zerbricht, scheitert Corinna an einer Rechnung, die sie selbst aufmacht, und findet zu Marcell, der von klein auf zu ihr passt. Fontane hat die Querelen um Irrungen, Wirrungen hinter sich: die Gesellschaft duldet Verhältnisse, will sie aber nicht im Buch lesen. Jenny ist die Satire auf genau diese Spaltung. Treibels Wahlkampf, ausgerichtet an der Farbe preußischer Uniformen, endet lächerlich, bevor er beginnt.

Verfilmungen von 1951 (Corinna Schmidt) bis zu Maria Schells Jenny haben den Dialogreichtum auf die Bühne und den Bildschirm geholt. Der poetische Realismus hält hier die Kritik in der Schwebe: niemand steht auf der Barrikade, der Besitz wird vorgeführt, nicht gestürzt. Wer Fontanes Berlin nur aus Effis Kessin kennt, findet in der Adlerstraße den Kellerladen, aus dem Jenny aufgestiegen ist, und das Gedicht, das sie als Schmuck behält. Das Herz findet zum Herzen bei Schmidt und Corinna; bei den Treibels findet es zum Ponderablen. Neben Der Stechlin ist dies das gesprächigste der späten Bücher, und das böseste gegen die eigene Klasse, ohne den Ton der Anklage.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.