Feuchtgebiete
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Feuchtgebiete |
| Autor(en): | Charlotte Roche |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | DuMont |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 2008 |
| Seitenanzahl: | 224 Seiten |
| Originaltitel: | Feuchtgebiete |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3832164227 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783832164225 |
| Schlagwörter: | Körper, Krankenhaus, Tochter, Scham |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Feuchtgebiete ist der erste Roman von Charlotte Roche, 2008 bei DuMont erschienen. Eine Achtzehnjährige liegt nach einer missglückten Rasur auf der proktologischen Station und erzählt, was der Körper tut, wenn man aufhört, ihn für eine Zeitschrift herzurichten. Roche, bekannt als Fernsehmoderatorin, hat den Text als Angriff auf Reinlichkeitslehren und Schönheitsnormen bezeichnet und später gesagt, ein großer Teil sei dem eigenen Leben nachgebildet. Kiepenheuer & Witsch hatte das Manuskript als pornografisch abgelehnt. Das Buch stand dreißig Wochen auf dem ersten Platz der Spiegel-Liste und wurde zum meistverkauften deutschsprachigen Roman des Jahres.
Inhalt
Helen Memel liegt in der Inneren Abteilung von Maria Hilf und wartet auf die Operation einer Analfissur, die sie sich bei der Intimrasur zugezogen hat. Sie hofft, die geschiedenen Eltern würden sich am Bett der Tochter versöhnen, und verlängert den Aufenthalt, wo sie kann. Aus dem Krankenzimmer berichtet sie in der Ich-Form von Blut, Eiter, Urin, Samen und von Praktiken, mit denen sie den eigenen Körper erkundet, darunter eine Sammlung von Avocadokernen. Der Ton ist keck, genau und ohne Schamschwelle; Helen nennt, was Frauenzeitschriften weglassen, und prüft, ob Ekel eine Erziehung ist oder eine Lust. Der Pfleger Robin fotografiert auf ihre Bitte die Stelle, die sie selbst nicht sieht. Als sie ihn mit einer Kollegin gehen sieht, wundert sie sich über die Eifersucht.
Die Eltern kommen getrennt. Die Versöhnung bleibt aus. Helen beschließt, den Kontakt zur Mutter, bei der sie wohnt, abzubrechen, und erzählt dem jüngeren Bruder ein Kindheitstrauma, das er verdrängt hat und an dem die Mutter die Schuld trägt. Die Geste ist nicht nur Rache: Helen will den Bruder aus dem Haus holen, das sie selbst nicht mehr erträgt. Im Krankenhaus bleibt Robin der einzige Mensch, der ihren Körper nicht korrigiert, sondern ansieht. Sie fragt, ob sie bei ihm wohnen darf.
Er wartet, während sie im Zimmer eine stille Botschaft für die Familie hinterlässt. Dann verlassen beide das Haus auf seinem Fahrrad. Der Roman endet nicht mit einer Heilung der Familie und nicht mit einer Bekehrung zur Hygiene, sondern mit einem Fortgehen, das so vorläufig ist wie Helens Körper selbst. Was sie getan und gedacht hat, bleibt unkommentiert; die Erzählerin rechtfertigt sich nicht und klagt die Leser nicht an. Der Witz trägt die Härte, ohne sie aufzulösen.
Einordnung
Roche hat den Tabubruch der späten zweitausender Jahre in die Form eines schmalen Icherzählens gelegt: eine Stimme, ein Bett, ein Körper. Marcel Reich-Ranicki nannte das Buch ekelhaft und literarisch wertlos; andere rühmten den unbefangenen Ton und die Hygienekritik. Thea Dorn sprach von einem Scheintabubruch; Ingeborg Harms las Sexualität als Wahrheitsanspruch. Die Bundesprüfstelle lehnte eine Indizierung ab. David Wnendts Film von 2013 mit Carla Juri brachte fast eine Million Zuschauer ins Kino und machte aus der Prosa Bilder, die das Buch in der Stimme hatte. Die Theaterfassungen, zuerst in Halle, haben denselben Text als Kollektiverlebnis erprobt und oft gerade daran das Banale sichtbar gemacht.
Gegen Unterwerfung und andere Skandale derselben Jahre bleibt Feuchtgebiete ein Körperbuch, kein Gesellschaftsentwurf. Die Nähe zu Geschichte der O ist scheinbar: Dort wird Unterwerfung zur Form, hier die Unförmigkeit des Leibes zur Rede. Roche hat nachgelegt mit Schoßgebete und Mädchen für alles; das Debüt bleibt das Werk, das eine Generation zwang, über Schamhaare und Schamlippen öffentlich zu sprechen, ob sie wollte oder nicht. Die Tochter, die im Bett auf die Eltern wartet, ist die Figur hinter der Provokation. Ohne diese Hoffnung auf Versöhnung wäre der Körperbericht nur ein Katalog.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
