Fantasia

Assia Djebar · 1985 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Fantasia
Autor(en): Assia Djebar
Originaltitel: L'Amour, la fantasia
Originalsprache: französisch
Erstveröffentlichung: 1985
Schlagwörter: Algerien, Eroberung, Stimme, Frauen
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Unionsverlag


Umfang dieser Ausgabe: 256 Seiten
ISBN: 9783293201411
Verweise


Fantasia ist der 1985 erschienene Roman von Assia Djebar, im Original L'Amour, la fantasia: die Liebe und die Reiterattacke, beides ein Wort. Djebar flicht die französische Eroberung Algeriens seit 1830 mit der eigenen Kindheit in Césarée und mit den Stimmen der Frauen aus dem Unabhängigkeitskrieg. Das Französische, Sprache des Eroberers und ihrer Schule, wird zum Werkzeug, die verschleierten Stimmen zu holen, ohne sie zu besitzen. Die deutsche Übersetzung von Hans Thill erschien beim Unionsverlag, oft unter dem Titel Fantasia. Algerische Kavalkade. Djebar, eigentlich Fatima-Zohra Imalayen, hat das Buch als ersten Teil eines algerischen Viererzyklus angelegt; es trägt auch allein.

Inhalt

Ein Mädchen geht mit dem Vater zur Schule, Hand in Hand, gegen die Sitte, die Töchter im Haus hält. Aus diesem Bild entfaltet Djebar die Doppelgeschichte: die Tochter, die schreiben lernt, und das Land, das von den Franzosen beschrieben wird. Die Berichte der Eroberer – Pélissier, der die Höhlen ausräucherte, die Offiziere, die Briefe nach Paris schicken – stehen neben den arabischen und berberischen Frauen, deren Worte Djebar sammelt, übersetzt, nachsingt. Die Fantasia ist das Reiterstück der Maghreb-Tradition und das Bombardement, das die Stadt in Rauch legt. Liebe ist der Vater, der die Tochter der Schrift übergibt, und die Gefahr, dass die Schrift sie den eigenen Frauen entfremdet.

Die Kapitel wechseln Register. Autobiographie, Chronik, Chor. Frauen des zwanzigsten Jahrhunderts erzählen Verstecke, Vergewaltigung, den Berg, den Botendienst für die Front. Djebar gibt ihnen das Französische, das sie selbst nicht schrieben, und merkt die Gewalt dieser Gabe. Die Eroberung von 1830 ist nicht Vorgeschichte; sie ist die Methode, mit der Körper und Archive entstehen. Pauline Rolland, die französische Deportierte, taucht auf; die algerische Kämpferin taucht auf. Das Buch versöhnt sie nicht. Es setzt sie in dieselbe Kadenz.

Am Ende bleibt die Schreiberin zwischen den Sprachen. Arabisch die Mutter, Französisch die Feder, Berberisch die Erinnerung, die nicht ganz ins Lateinbuchstabennetz will. Die Liebe des Titels ist nicht das Paar. Sie ist die gefährliche Zuneigung zur Sprache des Anderen und zu den Frauen, die diese Sprache nicht haben. Wer eine lineare Familiensaga erwartet, wird von den Einschnitten gestört. Wer nur die Kolonialkritik sucht, unterschlägt den Vater, der die Schule wählt. Djebar schreibt gegen das Haremsbild und gegen die Nationallegende, die die Frauen wieder verstummen lässt, sobald der Krieg gewonnen ist.

Einordnung

Djebar hat der algerischen Literatur die Polyphonie gegeben, in der Eroberung und Kindheit denselben Satz tragen. Neben Mariama Bâs einem Brief steht diese Kavalkade als die schwierigere Form: viele Stimmen, eine Autorin, die sich nicht zur Sprecherin des Volkes aufwirft. Der Maghreb-Roman nach der Unabhängigkeit hat hier das Modell, Frauen nicht als Symbol der Nation zu verwenden. Wer nach 1985 über Algerien, Sprache und Schleier spricht, ohne diese Fantasia, spricht hinter ihr. Die späteren Bände und der Film haben denselben Stoff weitergetrieben; das Buch von 1985 bleibt der Einsatz.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.