Führer der Unschlüssigen

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Führer der Unschlüssigen
Autor(en): Maimonides
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Meiner
Serie:
Erscheinungsjahr: 1190
Seitenanzahl: 1260 Seiten
Originaltitel: Dalālat al-ḥāʾirīn
Originalsprache: judäo-arabisch
ISBN-10: 3787311440
ISBN-13/

EAN-Code:

9783787311446
Schlagwörter: Gott, Schöpfung, Prophetie, Gesetz
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Rezensionen
Umschlag

Führer der Unschlüssigen (judäo-arabisch Dalālat al-ḥāʾirīn, hebräisch More Nevuchim) ist das gegen Ende des 12. Jahrhunderts entstandene philosophische Hauptwerk von Maimonides. Es ist für Leser geschrieben, die am Gesetz festhalten und zugleich die Philosophie durchlaufen haben und an den bildlichen Reden der Schrift irrewerden. Maimonides will zeigen, dass die jüdische Überlieferung, richtig gelesen, der Vernunft nicht widerspricht, weil die Sprache der Bibel notwendig bildlich spricht. Das Buch ist keine Volkspredigt: es wendet sich an einen einzelnen Schüler, Joseph ben Jehuda, und benutzt Widersprüche als Schutz vor unreifem Lesen. Die deutsche Ausgabe von Adolf Weiß bei Meiner hat den Text durch drei Bände getragen.

Inhalt

Maimonides schreibt gegen die wörtliche Lesart, die Gott Hände, Zorn und Ort zuschreibt, und gegen den islamischen Kalām, der Gottes Einheit, Körperlosigkeit und die Erschaffung der Welt mit Beweisformeln erzwingen will. Das hebräische Wort zelem, Ebenbild, meint keine Gestalt, sondern die geistige Essenz: die Vernunft. Akzidentielle Eigenschaften Gottes – Gnade, Zorn – sind als Handlungen zu verstehen; wesentliche Aussagen gelten nur als Verneinung: Gott ist nicht inexistent, nicht zusammengesetzt, nicht körperlich. Die Gottesbeweise der Mutakallimun fasst er zusammen, um sie zu widerlegen. Ob die Welt erschaffen oder ewig sei, liegt nach seiner Überzeugung jenseits eines zwingenden Beweises; hier endet der Verstand, und die Schrift darf das Feld behalten.

An der Schöpfung entfaltet sich die Behauptung. Drei Lehren stehen gegeneinander: die Schöpfung aus dem Nichts, wie die Tora sie lehrt; die Formung aus vorgegebener Materie bei Platon; die Ewigkeit der Welt bei Aristoteles. Maimonides prüft die aristotelischen Argumente und findet sie plausibel, aber nicht beweisend; Aristoteles selbst habe sie nicht als Schlusskette ausgegeben. Er entscheidet sich für die Schöpfung aus dem Nichts, weil sie wahrscheinlicher ist und weil ohne sie Wunder und Prophetie ihren Ort verlieren. Die Welt wird gleichwohl nicht wieder vergehen. Prophetie ist weder willkürliche Erwählung noch bloß natürliche Reife des Verstandes: eine göttliche Ausstrahlung erreicht über den tätigen Intellekt zuerst den Geist, dann die Einbildungskraft. Der Prophet ist Staatsmann im Sinn von Platons Staat: er bringt das Gesetz und redet in Gleichnissen, weil die Menge Bilder braucht. Mose bleibt die Ausnahme, die das Gesetz einmal gibt; alle späteren Propheten mahnen zu seiner Einhaltung.

Unsicher wird das Buch, wo es das Böse, die Vorsehung und die Gründe der Gebote in ein System zwingt. Das Böse ist kein zweites Prinzip, sondern Mangel am Guten; sonst wäre Gottes Einheit preisgegeben. Naturkatastrophen sind selten, das meiste Übel machen die Menschen und können es abstellen. Individuelle Vorsehung bemisst sich nach der Ausbildung des Verstandes: je klarer einer denkt, desto näher steht er der Fürsorge. Das Gesetz des Mose zielt auf das geistige und das leibliche Wohl; alle Gebote beruhen auf Weisheit, auch die schwer verständlichen, deren Grund sich dem Blick entzieht. Wahre Glaubenssätze – Existenz, Einheit, Körperlosigkeit Gottes – gelten für jeden; notwendige Vorstellungen von Lohn und Strafe hält Maimonides für politisch nützlich und philosophisch entbehrlich. Die Widersprüche, die er selbst ankündigt, bleiben eine Zumutung: sie schützen das Geheimnis und machen jede schulgerechte Zusammenfassung unvollständig.

Einordnung

Innerhalb des Judentums entzündete das Buch den Maimonidesstreit. Orthodoxe Gegner lasen die Versöhnung von Schrift und Philosophie als Weg von der Schrift weg. Samuel ibn Tibbon übersetzte nach Anweisung des Autors ins Hebräische; Juda al-Charisis freiere Fassung wanderte ins Lateinische und erreichte die christliche Scholastik. Thomas von Aquin übernahm in der Summa theologica und der Summa contra gentiles die These, die zeitliche Erschaffung der Welt sei philosophisch weder zu beweisen noch zu widerlegen, und widersprach der radikalen Verneinung aller positiven Gottesaussagen. Albertus Magnus und Meister Eckhart lasen mit; Aegidius Romanus zählte Maimonides unter die Irrtümer der Philosophen.

Die neuzeitliche jüdische Aufklärung hat den Führer als Bundesgenossen genommen, von Moses Mendelssohn bis Hermann Cohen; Baruch de Spinoza steht in einer Linie, die Chasdaj Crescas gegen den aristotelischen Einschlag gezogen hatte. Nachman Krochmal schrieb im 19. Jahrhundert unter verwandtem Titel ein anderes Buch; der Führer der Unschlüssigen bleibt das Werk des Maimonides. Negative Theologie, Schöpfung und das Verhältnis von Gesetz und Vernunft haben in diesen drei Teilen ihren klassischen Ort – als Richtschnur oder als Angriffsfläche.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.