Empirische Soziologie

Otto Neurath · 1931 · Sachbuch, Soziologie


Das Werk
Deutscher Titel: Empirische Soziologie
Autor(en): Otto Neurath


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1931
Schlagwörter: Soziologie, Physikalismus, Einheit, Plan
Sachgebiete: Sachbuch, Soziologie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Springer Vienna Imprint: Springer
Serie: Schriften zur wissenschaftlichen Weltauffassung
Umfang dieser Ausgabe: 152 Seiten
ISBN: 9783709123348
Verweise


Empirische Soziologie. Der wissenschaftliche Gehalt der Geschichte und Nationalökonomie ist die 1931 in Wien bei Springer erschienene Streitschrift von Otto Neurath für eine Soziologie, die mit der Physik eine Sprache teilt. Neurath, Mitverfasser des Manifests der wissenschaftlichen Weltauffassung, will Geschichte und Nationalökonomie aus der Metaphysik der Geistwissenschaften herausholen, ohne sie der spekulativen Gesellschaftslehre zu überlassen. Das schmale Buch ist der soziologische Kern des Wiener Kreises: nicht Erkenntnistheorie, sondern die Behauptung, dass sich Gesellschaft in beobachtbaren, räumlich-zeitlichen Vorgängen beschreiben lässt.

Inhalt

Neurath bestreitet, dass die Gesellschaft eigene Gegenstände habe, die nur verstehend zugänglich wären. Was Soziologen Gesellschaft nennen, sind Menschen, Dinge, Bewegungen, Mengen, die sich in einer physikalistischen Sprache festhalten lassen. Gefühle, Zwecke, Volksgeister sind, sofern sie wissenschaftlich etwas bedeuten, Angaben über Verhalten, nicht innere Wesenheiten. Die Einheit der Wissenschaft ist keine Analogie, sondern eine Forderung an die Sprache: Sätze der Soziologie sollen an Protokollsätze anschließbar sein, die auch ein Physiker verstehen könnte. Wer »Staat« oder »Kapital« sagt, ohne angeben zu können, welche beobachtbaren Zusammenhänge gemeint sind, treibt Theologie mit anderen Wörtern.

Geschichte und Nationalökonomie werden als Vorstufen behandelt, die brauchbare Beobachtungen gesammelt, aber mit Scheinbegriffen belastet haben. Neurath nimmt Marx ernst, wo er Klassen, Löhne, Krisen als greifbare Verhältnisse beschreibt, und verwirft ihn, wo Dialektik und Notwendigkeit die Prognose ersetzen. Planung ist bei ihm kein Gegensatz zur Empirie: Wer Wohnungen, Ernährung, Arbeit messen kann, kann sie auch umbauen. Das Bildarchiv, die ISOTYPE-Zeichen, die Museumsarbeit in Wien und später im Exil gehören zu demselben Programm. Die Soziologie, die er will, dient der Lebensgestaltung, nicht der Deutung. Sie bleibt trotzdem Wissenschaft, weil sie Voraussagen riskiert, die scheitern können.

Gegen Rudolf Carnaps Ausgang vom Eigenpsychischen setzt Neurath den Physikalismus von Anfang an. Es gibt kein privates Fundament; schon das Protokoll ist eine öffentliche, korrigierbare Formulierung. Die Enzyklopädie, die er später mit Carnap und Morris plante, sollte die Wissenschaften nicht unter eine Philosophie zwingen, sondern nebeneinanderstellen, verbunden durch eine Einheitssprache. Das Buch von 1931 ist die Probe aufs Exempel an den Fächern, die am hartnäckigsten auf ihrem Sonderstatus bestanden. Der Ton ist kämpferisch, oft grob gegen Dilthey und die verstehende Schule, und darin das Gegenstück zu Schlicks ruhiger Zuordnungslehre.

Einordnung

Neurath hat den Wiener Kreis nach links und in die Gesellschaft gezogen. Ohne ihn wäre die wissenschaftliche Weltauffassung eine Seminarphilosophie geblieben; mit ihm wird sie ein Programm der Aufklärung, das Wohnungsbau, Statistik und Bildpädagogik einschließt. Die Soziologie hat das Buch selten als Klassiker geführt, weil es zu programmatisch ist und zu wenig Feldstudie enthält. Geblieben ist der Physikalismus als Provokation: dass Gesellschaft keine zweite Welt hinter den Körpern ist. Neben Carnaps Aufbau und Karl Poppers Logik der Forschung steht Neurath als der, der die Einheit der Wissenschaft politisch meinte – und deshalb im Exil weiterschrieb, als Wien den Kreis zerstört hatte.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.