Die zwanzigjährige Krise
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Die zwanzigjährige Krise |
| Autor(en): | Edward Hallett Carr |
| Originaltitel: | The Twenty Years' Crisis, 1919–1939 |
| Originalsprache: | englisch |
| Erstveröffentlichung: | 1939 |
| Schlagwörter: | Macht, Völkerbund, Realismus, Frieden |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Politik |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Palgrave Macmillan
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| Umfang dieser Ausgabe: | 233 Seiten |
| ISBN: | 9781349950751 |
| Verweise | |
The Twenty Years' Crisis, 1919–1939. An Introduction to the Study of International Relations ist das 1939 in London bei Macmillan erschienene Buch des Historikers, Diplomaten und Politiklehrers Edward Hallett Carr. Eine deutsche Vollübertragung liegt nicht vor; greifbar ist die englische Neuausgabe mit Vorwort von Michael Cox. Carr schreibt in den letzten Monaten vor dem Zweiten Weltkrieg eine Abrechnung mit der Diplomatie und Wissenschaft der Zwischenkriegszeit, die er als utopisch und, abwertend, als idealistisch bezeichnet. Das Buch gilt als Gründungstext der realistischen Schule in der Lehre von den internationalen Beziehungen. Carr war selbst im britischen Außendienst gewesen und lehrte in Aberystwyth; er kannte die Sprache, die er zerschlug.
Inhalt
Carr schreibt gegen den Glauben, nach 1918 sei eine Interessenharmonie der Staaten, die Macht der Vernunft und die Friedensstiftung durch Völkerrecht und Völkerbund das Natürliche der Politik. Krieg gilt den von ihm so genannten Idealisten als Irrtum, der sich durch Aufklärung vermeiden lässt. Carr antwortet, der politische und territoriale Bestand nach Versailles werde von den mächtigeren Verlierern nicht als gerecht akzeptiert. In einer Welt ungleicher Macht sei das unwahrscheinlich. Machtkämpfe zwischen Staaten seien unvermeidlich; wer die Gerichte und Gesetze des Nationalstaats auf das Staatengefüge übertrage, verwechsele Innen und Außen. Den Moralismus der Sieger von 1918 hält er für Selbstbetrug: Sie kleideten ihren Vorteil in Recht.
Das zentrale Merkmal der Politik, auch der internationalen, sei die Macht. Die Reformer der Anarchie zwischen den Staaten hätten das vernachlässigt, darum seien ihre Versuche gescheitert. Eine schonungslose Analyse der Lage hätte, so Carr, manches Unheil der zwanziger und dreißiger Jahre mindern können. Dennoch widmet er den Grenzen des Realismus ein eigenes Kapitel. Realismus ohne Utopie verkomme zur zynischen Machtpolitik; Utopie ohne Macht zur Predigt. Carr stimmt in diesem Zusammenhang der britischen Beschwichtigungspolitik der dreißiger Jahre zu, einschließlich des Münchner Abkommens. Das ist die Stelle, an der das Buch nach 1945 am teuersten zu stehen kam.
Unsicher wird die Argumentation, wo „Utopismus“ einmal die Friedenshoffnung, einmal den Besitzstand der Sieger, einmal den Moralismus meint. Leonard Woolf hat den schwankenden Gebrauch getadelt und den Widerspruch notiert, dass Carr Chamberlains Politik nicht unter dasselbe Verdikt stellte. Der Ton ist der des Historikers, der Begriffe schärft, bis die Gegner als naiv dastehen. Die Gegenposition – dass Institutionen, Recht und öffentliche Meinung Macht binden können – kommt als Illusion vor, nicht als gleichrangige Theorie. Carr liefert eine Schule, keine Institutionenkunde. Das Maß, das er setzt, ist die Nüchternheit gegenüber dem Wunsch; die Nüchternheit selbst wird zur Parteinahme.
Einordnung
Hans Morgenthau hat das Buch 1949 in der Zeitschrift World Politics gelobt und nur das Fehlen einer moralischen Lösung bemängelt; in den Vereinigten Staaten wurde Carr damit zum Kronzeugen des Realismus. Norman Angell nannte den Text bösartig und nihilistisch. Nach 1945 lag das Werk unter dem Schatten Münchens; Perry Anderson hat diese Schande notiert. Der dem Nationalsozialismus nahestehende Hans Grimm pries es 1950 als bestes historisch-politisches Buch der Neuzeit – eine Nachbarschaft, die Carrs Rezeption in Deutschland belastet hat.
Geblieben ist die Unterscheidung von Wunsch und Macht als Grundübung jeder Außenpolitiklehre. Wer nach 1939 über Völkerbund, kollektive Sicherheit und die Moral der Sieger spricht, spricht hinter diesem Buch oder gegen es. Das Missverständnis der Anhänger war, hier sei Zynismus als Weisheit gelehrt; das der Gegner, Nüchternheit gegenüber Institutionen sei schon Verrat am Frieden. Carr wollte beides: die Entlarvung der Predigt und die Warnung vor dem bloßen Faustrecht. Die Spannung ist nicht aufgelöst, und sie hält den Text am Leben.
Ideen
Dieses Buch hängt an diesen Zetteln.
Frieden (wichtig)
Essays
Dieses Buch kommt in diesen Essays vor.
Die einflussreichsten Werke der Geschichtswissenschaft: 20. Jahrhundert (Essay)
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.
