Die wunderbaren Jahre

Reiner Kunze · 1976 · Erzählung


Das Werk
Deutscher Titel: Die wunderbaren Jahre
Autor(en): Reiner Kunze
Originaltitel: Die wunderbaren Jahre
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1976
Schlagwörter: Jugend, Schule, Überwachung, Prager Frühling
Sachgebiete: Erzählung
Greifbare Ausgabe
Verlag: S. Fischer


Umfang dieser Ausgabe: 140 Seiten
ISBN: 9783100420011
Verweise


Die wunderbaren Jahre ist die Prosasammlung von Reiner Kunze, 1976 bei S. Fischer in Frankfurt erschienen, geschrieben um 1975 in der DDR und heimlich in den Westen gebracht. Der Titel zitiert Truman Capotes Die Grasharfe ironisch: wunderbare Jahre wären die, in denen Junge bloß sie selbst sein dürfen, ohne sich verdient zu machen. In der DDR gab es für diesen Text keine Druckgenehmigung. Die Westveröffentlichung führte zum Ausschluss aus dem Schriftstellerverband, zur Makulierung von fünfzehntausend Exemplaren des Kinderbuchs Der Löwe Leopold und 1977 zur Ausreise.

Inhalt

Die Stücke sind kurz und tragen Namen wie Friedenskinder, Federn, Verteidigung einer unmöglichen Metapher, Café Slavia. Ein Achtjähriger zielt auf dem Campingplatz pantomimisch mit dem Gewehr; am anderen Ende der Wehrerziehung bekommen Eltern eines erschossenen Flüchtlings nur noch die Urne zu sehen. Ein Vater ertappt sich dabei, den Sohn zu verurteilen, der Unsinn im Kopf habe; die Freunde des Vaters, selbst unter Druck, loben die Kreativität.

Im längeren Abschnitt steht die fünfzehnjährige Tochter des Erzählers: unordentlich, unbequem, in der Schule bereits aufgefallen, weil Abweichung nicht vorgesehen ist. Ein Freund, der sich nicht für drei Jahre bei der Nationalen Volksarmee melden will, wird von der Schule verwiesen und gemobbt. Ein Lehrling darf im Urlaub weder die DDR verlassen noch in die Nähe Berlins, weil im Zimmer eine Bibel steht und in Berlin die Weltjugendfestspiele sind. Mitarbeiter der Staatssicherheit notieren, wer ins Orgelkonzert in der Kirche geht.

Café Slavia gilt dem August 1968: der Prager Frühling, die Panzer, die tschechische Zusammengehörigkeit, die ostdeutsche Angst, wieder deutsche Soldaten im Nachbarland. Kunze, dessen Frau aus der Tschechoslowakei stammte, schließt mit Nachdichtungen tschechischer Gedichte, darunter Bartušeks Diese paar Jahre. Es ist keine Novelle und kein Protokoll. Es ist die Form, in der die Gängelung sichtbar wird, ohne eine Theorie der Diktatur aufzuschlagen.

Einordnung

Kunze hat die Momentaufnahme gegen den Zeitroman gesetzt. Wo Heym Akten montiert und Bräunig ein Epos der Wismut baut, reicht hier der eine Satz über die Urne. Die Stasi-Akte „Lyrik“ dokumentiert die Zersetzung; der Band selbst bleibt kühl. Der Film von 1979, nach Kunzes Drehbuch, wurde als schwarzweiß gerügt; das Buch braucht die Zwischentöne nicht zu suchen, weil die Kürze sie erzwingt. Fünfzehn Wochen stand es 1977 auf dem ersten Platz der Spiegel-Bestsellerliste.

Im Essay Ohne Druckgenehmigung steht es als der Fall, in dem ein Westbuch den Verfasser aus dem Land getrieben hat, ohne dass ein ostdeutsches Gericht den Text verboten hätte. Wer nur den Dissidenten sucht, hat die Tochter nicht gesehen. Wer nur die Kürze feiert, unterschlägt die Behörde, die das Kinderbuch einstampfte.

Essays

Dieses Buch kommt in diesen Essays vor.

Ohne Druckgenehmigung (Wirkungsgeschichte)

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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