Die herrschende Klasse

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Gaetano Mosca · 1896 · Sachbuch, Soziologie
Das Werk
Deutscher Titel: Die herrschende Klasse
Autor(en): Gaetano Mosca
Originaltitel: Elementi di scienza politica
Originalsprache: italienisch
Erstveröffentlichung: 1896
Schlagwörter: Elite, Minderheit, politische Klasse, Organisation
Sachgebiete: Sachbuch, Soziologie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Francke


Umfang dieser Ausgabe: 404 Seiten
ISBN: 9780070434103
Verweise
Umschlag

Die herrschende Klasse (italienisch Elementi di scienza politica) ist das 1896 erschienene Hauptwerk des Politikwissenschaftlers Gaetano Mosca; die erweiterte Fassung von 1923 ist die maßgebliche. Die deutsche Übersetzung von Franz Borkenau nach der vierten Auflage kam 1950 bei Francke in Bern heraus. Mosca will zeigen, dass jede Gesellschaft von einer Minderheit beherrscht wird und Demokratie im Sinne unmittelbarer Volksherrschaft unmöglich ist. Das Buch begründete die klassische Elitesoziologie neben Vilfredo Pareto und Robert Michels. Es zählt, weil es die Minderheitenherrschaft nicht als Entartung, sondern als Gesetz der Organisation denkt.

Inhalt

Mosca schreibt gegen die aristotelische Einteilung nach der Zahl der Herrschenden und gegen die demokratische Selbstbeschreibung, das Volk regiere. In allen Gesellschaften, von den einfachsten bis zu den mächtigsten, gebe es zwei Klassen: eine, die herrscht, und eine, die beherrscht wird. Die erste ist immer die weniger zahlreiche; sie monopolisiert die Macht und genießt deren Vorteile. Nur Minderheiten können sich organisieren; gesellschaftlicher Zusammenhalt braucht organisierte Herrschaft; also regiert eine Minderheit die Mehrheit. Die politische Klasse verdankt ihre Stellung materieller, geistiger und sittlicher Überlegenheit, aus Begabung oder Abstammung. Politik ist der Streit zwischen dem Bestreben der Herrschenden, Macht erblich zu machen, und dem Bestreben neuer Kräfte, die Machtverhältnisse zu ändern. Der Streit ändert die Zusammensetzung der Minderheit, schafft die Minderheitenherrschaft nie ab.

Die Behauptung entfaltet sich an der politischen Formel: keine Elite sagt, sie herrsche, weil sie die Geeignetsten seien; sie rechtfertigt sich durch eine Abstraktion, die den Beherrschten legitim erscheint. Mosca unterscheidet den feudalen Staat, in dem die Elite alle Kompetenzen auf sich vereint und leicht zerfällt, vom bürokratischen, der Arbeit teilt, professionalisiert und zentralisiert und Phasen kultureller Blüte trägt. Wahlen ändern das Gesetz nicht: gewählt wird unter Kandidaten, die die Minderheit nominiert hat. Dennoch zieht Mosca den Parlamentarismus dem Absolutismus vor, weil Gewaltenteilung und öffentliche Kritik Willkür hemmen. Den Kollektivismus hält er für den Weg in die Beamtenherrschaft und den wirtschaftlichen Ruin. Nach 1923, unter dem Eindruck des Faschismus, relativiert er: das allgemeine Wahlrecht schränkt die Besitzenden ein, die Mittelschicht trägt das Gleichgewicht, das repräsentative System verteidigt Freiheit gegen Kommunismus und Faschismus, wenn es sich öffnet, ohne sich zu überfluten. Aristokratische Abschließung und demokratische Öffnung brauchen das goldene Mittel: langsames Eindringen Befähigter aus der Masse.

Unsicher wird das Buch in der Marx-Kritik. James Hans Meisel nannte sie konstruiert: Mosca missverstehe den Klassenkampf als bloßen Streit von Arm und Reich und den historischen Materialismus als die Behauptung, alles sei Ökonomie. Mosca führt politische Wandlungen ohne gleichzeitigen Wirtschaftswechsel gegen Marx an und trifft damit eine Lehre, die so niemand vertrat. Der Ton ist der des Historikers, der Kulturen vergleicht, um ein Gesetz zu sichern. Gegenposition bleibt jede demokratische Theorie, die Organisation der Vielen für möglich hält, und Marx, der die herrschende Klasse an das Eigentum an Produktionsmitteln bindet, nicht an Organisationsfähigkeit allein. Mosca weiß, dass er eine Wissenschaft von der Politik erst begründen will, und nimmt die Härte des Oligarchengesetzes in Kauf.

Einordnung

Neben Paretos Kreislauf der Eliten und Michels’ ehernem Gesetz der Oligarchie ist Moscas politische Klasse die italienische Gründung der Elitenlehre. Das Buch stand zuerst gegen den parlamentarischen Optimismus des liberalen Italien, später, in der Erweiterung von 1923, gegen Faschismus und kommunistische Gleichheit. Borkenaus Übersetzung hat es nach 1945 ins deutsche Nachdenken über Führungsschichten geholt, in einer Republik, die Eliten ungern beim Namen nannte. Benedetto Croce hat der italienischen Neuauflage das Geleit gegeben.

Geblieben ist der Satz, dass die weniger zahlreiche Klasse herrscht und die Formel erfindet, warum das gerecht sei. Wer über Elite, Bürokratie und die Unmöglichkeit unmittelbarer Volksherrschaft spricht, stößt auf Mosca, auch wo man die Mittelschicht anders gewichtet. Die deutsche Ausgabe hat den kühlen Atem der Elementarlehre bewahrt. Er ist älter geworden und in jeder Debatte über repräsentative Demokratie lesbar, die so tut, als wähle das Volk seine Herren frei aus der Menge.

Ideen

Elite

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.