Die gemordete Stadt

Wolf Jobst Siedler · 1964 · Sachbuch, Zeitdiagnose


Das Werk
Deutscher Titel: Die gemordete Stadt
Autor(en): Wolf Jobst Siedler


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1964
Schlagwörter: Berlin, Wiederaufbau, Straße, Denkmal
Sachgebiete: Sachbuch, Zeitdiagnose
Greifbare Ausgabe
Verlag: Herbig


Umfang dieser Ausgabe: 199 Seiten
ISBN: 9783776608618
Verweise


Die gemordete Stadt. Abgesang auf Putte und Straße, Platz und Baum ist das 1964 erschienene Buch von Wolf Jobst Siedler, mit Photographien von Elisabeth Niggemeyer und der Dokumentation Gina Angreß’. Es klagt den westdeutschen Wiederaufbau an, der die Stadt für das Auto und den Abriss zurechtgemacht hat.

Inhalt

Siedler schreibt einen Abgesang, keine Statistik. Putte, Gesims, die schmale Straße, der Platz, der Baum vor dem Haus weichen der Schneise, dem parkenden Blech, der Fassade, die nichts mehr erzählt. Berlin ist der Fall – die zerstörte und die wiederaufgebaute Stadt in einem –, die Bundesrepublik die Probe. Der Text ist essayistisch, oft polemisch, konservativ im Affekt: Er trauert um ein Stadtbild, das keine Funktion mehr sein durfte, weil Verkehr und Neubau Funktion monopolisierten. Niggemeyers Bilder tragen die Anklage. Wo der Satz noch ironisch sein könnte, ist die Photographie eindeutig: Hier war Stadt, hier ist Durchfahrt.

Gegen Jacobs, die das Leben in der dichten amerikanischen Stadt beschreibt, setzt Siedler den Verlust einer deutschen gebauten Erinnerung. Jacobs will Regeln für das, was lebt; Siedler zeigt, was schon tot ist. Beide treffen dieselbe Moderne, die die Straße als Hindernis behandelt. Das Buch hat der Denkmalpflege und der späteren Kritik am autogerechten Berlin Waffen geliefert, die Aufsätze nicht ersetzten. Neuauflagen bei Herbig und später im eigenen Haus haben es im Gespräch gehalten. Ein zweiter Band, Die verordnete Gemütlichkeit, hat die Restauration der Gemütlichkeit selbst noch einmal angegriffen – Siedler wollte nicht einfach das Alte zurück.

Die Gegenposition liegt bei Wiederaufbauern, die Wohnraum und Verkehr als Pflicht der Trümmerzeit verteidigen; bei einer Linken, die in der Trauer um Putten die Trauer um Eigentum hört; bei Mitscherlich, der Unwirtlichkeit psychisch nennt, wo Siedler sie als Mord am Stadtbild inszeniert. Wer nur Restauration hören will, unterschlägt, dass hier eine Moderne angeklagt wird, die den öffentlichen Raum als Restposten behandelte. Wer nur den Verleger späterer Debattenbücher kennt, unterschlägt den Autor, der zuerst die Stadt beweinte. Die Bilder haben mehr überzeugt als mancher Grundriss.

Einordnung

Ohne dieses Buch fehlt der westdeutschen Nachkriegsstadt die öffentlich wirksame Anklage ihres Wiederaufbaus. In Die gebaute Gesellschaft steht es nach Jacobs als der deutsche Fall derselben Moderne: Sanierung dort, Abriss und Schneise hier. Neben der späteren Gründung des Siedler-Verlags bleibt dies das Buch, das den Namen zuerst an die Stadt band, nicht an die Zeitgeschichte.

Essays

Dieses Buch kommt in diesen Essays vor.

Die gebaute Gesellschaft (Lesepfad)

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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